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Das einsame Zähnchen

Von tastifix Dienstag 07.01.2020, 16:07

Wie ungerecht! Die Milchzähne waren so winzig, mussten genauso kräftig zubeißen wie später die großen und trotzdem fielen sie nach nur wenigen Jahren aus. Die Großen dagegen durften viele, viele Jahre im Mund bleiben.

Ja, es war gemein. Kurz bevor das kleine Mädchen in die Schule kam, war es soweit. Ich bekam einen Anruf:
„Omihiih, ich hab ´nen Wackelzahn!“
Pflichtgemäß staunte ich durchs Kabel, anscheinend sehr beeindruckend, denn Kleines reagierte ausgesprochen zufrieden.

Wer dann ein paar Tage später gar nicht so zufrieden war, war das Wackelzähnchen, das inzwischen deprimiert seinem Nachfolger, einem schneidigen Schneidezahn, Platz gemacht hatte. Das arme Ding war raus gefallen. Einfach so. Dabei hatte es noch Glück im Unglück, denn es landete nicht im Müll, sondern fand ein neues Zuhause in einer hübschen, mit einer Schwammmatratze gemütlich ausgelegten Blechdose.
Na ja, dort lag es ja weich und warm, und, wie es dann beruhigt feststellte, erwartete es dort auch keine Beiß- und Kauarbeit mehr. In den nachfolgenden zwei Tagen genoss es die anhaltende Ruhe und Stille noch. Doch danach wurd es ihm so allmählich langweilig. Nichts zu tun und keine Unterhaltung.
„Toni hat doch Kekse gebacken: Sie könnte mir ja wenigstens nen winzigen Krümel spendieren!!“

Vor lauter Langeweile wurde es müde, lag dann dort fast noch regloser als ohnehin schon und träumte, oh Wunder, von Bratwürstchen und anderen Köstlichkeiten, die es zu zerkleinern half. Mit durchkauendem Erfolg zerkleinerte, gab es sich stolz zu. Der Schlaf war sehr lieb zu dem Zähnchen und gönnte ihm einen langen Aufenthalt im Traumland. Ganze vier Tage lang.

Aber, was war denn das? Gemein, es hatte doch gerade ein Traumkotelett durchgebissen und den Triumpf deswegen noch ein bisschen genießen wollen! War wohl nix! In der dunklen Dose wurde es plötzlich taghell und eine Kinderhand schob ein kleines weißes Etwas herein, das bis in eine Ecke der Dose rollte und dort für mehrere Sekunden still liegen blieb. Der Deckel wurde wieder aufgelegt und es wurde wieder düster. Aber denn doch nicht so dunkel, als dass das Neue nicht das Zähnchen Nr.1 entdeckt hätte. Dieses lag ihm nämlich genau gegenüber.
„Wie kommst du denn hierher?“, fragte es noch etwas schüchtern.
„Na, genauso wie du!“, war die noch etwas schläfrige Antwort.
„Dann bist Du auch ein Toni-Zahn, stimmts?“
„Erraten!!“

Prompt mochten sie sich wieder gut leiden und erzählten sich ihre Beißabenteuer aus vergangenen Zeiten. Und, kaum, dass sie am nächsten Tag dmit fertig waren, öffnete sich erneut die Dose und die nächsten Zähnchen purzelten hinein. Immer mehr leisteten ihnen Gesellschaft. Auch die Neuen wussten viel zu berichten. Alle freuten sich darüber, besonders das Wackelzähnchen Nr. 1, das ja am längsten dort in der Dose allein gewesen war. Jetzt aber lagen noch ganz viele Andere bei ihm auf der winzigen Schwammmatratze und es langweilte sich nie mehr.

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