Das Bündnis3
Von ehemaliges Mitglied Donnerstag 02.01.2020, 22:50
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Fortan hatte Lätitia nichts mehr dagegen einzuwenden, daß der Zauberer und die Hexe ihr bunte Bänder und Schleifen um die Hörner banden, die im Winde flatterten. Nun geschah es, daß der König des Zauberlandes, der ein Blumenliebhaber war, und sein Sohn zu jener Zeit auf Jagd gingen. Der König war nicht mehr der Jüngste, und der Prinz in der Jagd unerfahren, so daß es den Tieren leicht gelang, sich zu verstecken, nur Lätitia, die unbekümmert im Wald spielte, gelang dies nicht, und so stand sie plötzlich zitternd vor des Prinzen Bogen. Der Prinz ließ die Waffe sinken, „wer bist denn du?“
„Ich bin Lätitia, Tochter des Magus Magicum und der Maga Magica.“ Sie versuchte, weil der Prinz doch ein Fremder war, ihre Hörner unter ihrem langen, blonden Haar zu verstecken. Der Prinz stieg vom Pferd, strich ihr das Haar zurück, „warum verbirgst du deine Reize vor mir?“ Lätitias Gesicht lief an zur Röte einer Tomate. „Ich heiße Florian“, verkündete der Prinz, „und lebe mit meinem Vater auf dessen Schloß.“ Der in die Jahre gekommene König wurde von einem betagten Pferd herangetragen, „hast du was gefangen, Florian?“
„Sieh hier, Vater, ein Mädchen, Lätitia heißt es.“ Der König stieg ächzend vom Pferd, „na, da staune ich aber sehr. Du bist ein hübsches Mädchen. Woher hast du denn die schönen Hörner?“
„Die sind mir gewachsen, weil, als ich ein Säugling noch war, ich Widdermilch getrunken habe, so hat mein lieber Vater, meine gute Mutter mir erzählt.“ Der König lachte laut, „du mußt sie nicht verstecken, Lätitia. Gewiß nicht. All das, das nährt, ist es wert, gezeigt zu werden. Ich habe meinen Sohn mit Pflanzensäften ernähren müssen, weil seine Mutter, mein liebes Weib bei seiner Geburt starb, so habe ich ihn Florian genannt, und weil er nun die Pflanzensäfte getrunken hat, ist sein Haar zu Gras geworden.“ Erst jetzt fiel Lätitia des Prinzen grüner Kopfschmuck auf, der unter seinem Hut hervorquoll. Sie bat beide, mit ihr zu gehen auf‘s Hexenschloß. Der Zauberer und die Hexe empfingen und bewirteten sie. „Ist es euch gelungen?“ frug der Vater des Prinzen, „daß sich eure Tochter ihrer Hörner nicht schämt?“
„Da sind wir sicher“, gestand der Zauberer, „ich habe ihr gezeigt, worin der Unterschied zwischen einer Besonderheit und einer Mißbildung besteht, dort draußen!“, dabei sprang er wütend auf, „dort, in der Stadt, in der Besonderheiten Mißbildungen sind, dort habe ich ihr den Unterschied bewiesen“, und dann berichtete er darüber, das sie miterlebt hatten und frug hernach, „und wie hast du deinem Sohn die Scheu genommen?“ Der König lachte, „das ist eine besondere Geschichte. Ich selbst habe nicht viel dazugetan, der Zufall hatte seine Hand im Spiel; du weißt, mein liebes Weib starb bei seiner Geburt, und ich wußte nicht, wie ich den Jungen ernähren sollte. Ich saß, ihn in meinen Armen, im Garten zwischen meinen vielen Blumen, da sprachen die Blumen mich an, ich möge Grashalme auspressen, und mit dem Saft mein Kind tränken. Ich tat es, und der Prinz nahm die Nahrung an, und statt Haar wuchs Gras auf seinem Kopf. Und nun stelle dir vor: als mein Sohn heranwuchs, ruhte er eines Tages auf einer Wiese, da kam eine Ziege daher, und sie, nun ja, sie biß herzhaft in meines Sohnes Kopfzierde. Der Prinz sprang auf, und, Zauberer, ob du es glaubst oder nicht, wir mußten derart lachen, daß uns die Bäuche schmerzten. Später beschwor ich meinem Sohn, er möge mir einen unter denen, deren Besonderheiten Mißbildungen sind, zeigen, der es verstünde, einen anderen, aus sich selbst heraus zu nähren, einen einzigen nur. Da wurde er sehr stolz auf sich und küßte mich, weil die Nahrung, die ihm zuteil geworden ist, eigentlich meine Not dargestellt, ihm etwas hinterlassen hat, woran kein anderer besitzt, sie einen sonderbaren doch nützlichen Sinn in sich birgt, der zudem immer wieder nachwächst, wie eine Quelle immer neu sprudelt, wie ein ewiges Leben. Ja, und daß es ihm, wie er zugibt, angenehm auf der Kopfhaut kribbelt, wenn die Ziege dort grast, ist ebenso ein Vorteil, wie der ersparte Weg zum Barbier.“ Sie lachten, saßen noch lange beieinander und übersahen, daß Lätitia und Florian sich ganz heimlich davonstahlen. Tief in der Nacht wunderte sich die Hexe über des Zauberers Grinsen, „warum grinst du unablässig?“
„Nun, denke einmal nach, meine Liebe, sie trank Widdermilch, er Pflanzensäfte, sie lehrte der Fuchs, ihn, wie der König verlauten ließ, der Adler. Wie, meinst du, mag der Zeiten Lauf ausschauen?“ Da grinste die Hexe, „vielleicht wie ein fuchsschwänziger Vogel.“
„Oder wie ein grün gefiederter Fuchs.“
„Oder wie ein gehörnter Adler mit grünen Schwingen.“
„Gewiß. Aber niemals wie ein Krüppel. Gute Nacht, meine andere Schönheit, und Gott segne dich.“
„Gute Nacht, mein charmanter Zauberer, und Gott segne dich ebenfalls.“ Lätitia und Florian blieben beieinander ein Leben lang im Kreise des Zauberers und der Hexe und natürlich auch des Königs. Sie alle leben heute noch, weil, wie jeder weiß, der Zauber ewig lebt, sie leben ganz in unserer Nähe, aber weil alle diejenigen, für die Besonderheiten Mißbildungen sind, über ihre Hörner und grünen Haaren nicht mehr als lachen würden, sehen alle sie nicht, aber sie sehen alle, wie Magus Magicum alle sah, als er Lätitia bewies, worin der Unterschied zwischen Besonderheiten und Mißbildungen besteht.“
Hier endete der Fuchs mit seiner Geschichte, er stellte sich aufrecht auf die Theke, und um ihn herum standen und lagen viele kleine grünen Flaschen, die vordem dort nicht gestanden hatten. Der Fuchs hob eine heraus, reichte sie Vanessa, „was meinst du, ist in ihr verborgen?“
„Ich weiß es nicht.“
„Nicht doch. Denke einmal nach. Gestand ich nicht, ich habe nichts zu