Das bisschen Haushalt oder Kevin allein zuhause 1
Von
billyblue
Freitag 26.07.2024, 22:57
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billyblue
Freitag 26.07.2024, 22:57
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Das bisschen Haushalt oder Kevin allein zuhause.
Entspannt wache ich auf. Heute ist seit langem der erste Tag, an dem ich einmal tun und lassen kann, was ich will. Gestern hatte ich meine Frau in die Klinik gefahren Sie sollte an der Bandscheibe operiert werden. Da ich diese OP schon zwei Mal ohne Komplikationen hinter mich gebracht hatte, machte ich mir auch keine Sorgen.
Es ist 7:30 Uhr, eigentlich bin ich schon ausgeschlafen aber warum so früh aufstehen? Also zur Seite drehen und noch etwas dösen. Meine Gedanken driften ab, und weg bin ich wieder. Allein schlafen hat auch seine Vorteile. Die Läden bleiben unten, kein Laut stört die die Stille. Ich werde die Städter nie verstehen, die es toll finden, wenn morgens die Vögel mit Ihrem „Gesang“ einen höllischen Lärm verursachen. Er mag zwar schöner als der Straßenlärm sein, doch das Ergebnis ist das Gleiche, man ist wach, und das Einschlafen fällt schwer.
Als ich wieder die Augen öffne ist es schon 10 Uhr. Jetzt noch ins Büro gehen? Nein, da müsste ich ja bald wieder aufhören, die Mittagspause ist nicht mehr fern. Also ganz vorsichtig, ohne Hast aus dem Bett kriechen, den Knopf für die Läden drücken und die Sonne hereinlassen. Jetzt noch die Terrassentür öffnen und ein kühler Luftzug durchströmt die Zimmer. Langsam schleiche ich in die Küche und stelle die Kaffeemaschine an, schmiere mir ein Brot dick mit Heidelbeermarmelade. Mm, ich rieche den herrlichen Kaffeeduft. Jetzt noch schnell die Tageszeitung aus dem Briefkasten holen, natürlich im Schlafanzug. Die Nachbarn sind mir vollkommen egal. Nun kann der Jahrzehnte alte morgendliche Kampf mit den Seiten beginnen. Wie falte ich am besten um Platz für die Seiten und dem Frühstück auf dem Tisch zu schaffen. Nach dem Lesen sind meist irgendwelche größere Marmeladeflecken zu betrachten. Wie sie dahin kommen ist mir schleierhaft zumal ich mir ja die Hände gewaschen habe. Die ersten beiden Seiten überfliege ich im Schnelldurchgang, diese Infos kenne ich bereits vom Vorabend aus der Tagesschau. Die Regionalseiten sind auch nicht gerade der Brüller, bleibt eigentlich nur noch der kommunale Sport übrig. SSV Steinbach hat sich für die kommende Regionalligasaison erheblich verstärkt um im vierten Versuch in die 3. Bundesliga aufzusteigen. Das wird wohl wieder vergeblich sein. Ach ja, das Nationale Auto Museum in Ewersbach hat seine Besucherzahl erheblich gesteigert usw.
Langsam neigt sich mein Frühstück dem Ende entgegen, noch schnell das Brettchen und die Tasse zur Widerverwertung am nächsten Tag abspülen. Männer denken halt daran, wie mache ich es mir im Haushalt bequem? Messer sollte man auch lt. der“ besten Ehefrau von allen“ nicht in die Spülmaschine räumen, sie sollen dort stumpf werden. Im Stehen zu spülen ist auch weniger anstrengend als sich zu bücken und die Maschine einzuräumen. Das spart bestimmt Energie, darauf soll man ja besonders achten. Wir Männer sind halt praktischer veranlagt als Frauen. Jetzt wird es Zeit, sich Gedanken um das Mittagessen zu machen. Unten hinter dem Kreisel steht neuerdings ein Imbisswagen. Sollte ich dort mal reinschauen? Wo gibt es denn heute noch Pommesbuden? Keine Ahnung, es ist jedenfalls noch ein wenig Zeit für eine kleine Entspannung im Liegestuhl. Herrliche Zeiten sind angebrochen. Keine Ahnung was meine Frau den ganzen Tag macht.
Mein Magen rührt sich. Auf dem Wagen ist außen die Speisenkarte angeschrieben. Überbackener Schafskäse, Schnitzel in vielen Ausfertigungen, Bratwurst mit und ohne Pommes oder Brötchen, Döner, alles was das Herz begehrt. Hungern werde ich jedenfalls nicht. Ich entscheide mich für einen Backfisch mit Pommes und Krautsalat, nur den Zaziki lasse ich weg. Da ich noch ins Büro will erscheint mir bei Publikumsverkehr der Konblauchgeruch nicht unbedingt vorteilhaft. Ich lasse alles einpacken und fahre zurück. Um die Küche nicht zu versauen breite ich alles auf dem Terrassentisch aus. Es schmeckt einfach nur gut. Nach dem Essen sollst du ruhen oder tausend Schritte tun. Der Spruch fällt mir ein. Ich entscheide mich für das Ruhen. Auf ins Bett, Augen schließen und verdauen. Nach eineinhalb Stunden wach ich wieder auf. Jetzt stellt sich die schwierige Frage, To be Büro or not to bei Büro. Das muss wohl überlegt sein. Während ich noch darüber nachdenke, fallen mir die Augen schon wieder zu, als ich sie öffne ist es bereits 16 Uhr. Jetzt noch auf die Arbeit? Nein und nochmals nein!!! 15 Minuten Fahrt, dann ist es schon 16:15 Uhr, spätestens um 18 Uhr wäre schon wieder Schluss. Ich beschließe heute am ersten Tag meiner nach Jahren vollkommenen Freiheit, Gott einen guten Mann zu lassen, heute wird mal nichts getan. Die Wohnung sieht sehr gut aus aber um meinen guten Willen zu zeigen, beschließe ich die Küche zu kehren. Irgendetwas im Haushalt muss getan werden, sei es noch so überflüssig. Die paar Krümel könnten auch später entfernt werden. So eine Erkenntnis setzt „Mann“ sofort in die Wirklichkeit um. Das nächste Mal wird der Samstag sein.
Gegen 19 Uhr bekomme ich wieder Hunger. Schnell schmiere ich mir zwei Brote mit dem Besteck von heute Morgen. Bei meinem abendlichen Tee komme ich ins Grübeln. Zwei Tassen trinke ich normalerweise. Das benötigte, wenige Wasser, kommt allerdings nicht an das Teesieb für meinen geliebten Darjeeling heran. Männer wissen sich aber zu helfen. Die gesamte Kanne wird mit kochendem Wasser gefüllt, ein wenig ziehen lassen und schon wabert der Duft der köstlichen Flüssigkeit durch die Küche. Zwei Tassen trinke ich, den Rest lasse ich in der Kanne wo er erkalten kann. Wozu habe ich eine Mikrowelle? Da kann ich doch die nächsten Tassen heiß machen. Warum „die beste Ehefrau von allen“ noch nicht auf diese geniale Idee gekommen ist? Naja sie ist eben eine Frau mit einem anderen Hintergrund des Essens zu bereiten und spülen. Im Fernsehen ist wieder das absolute Sommerloch, nur Wiederholungen. Alle guten Filme habe ich schon mal gesehen und den Rest mag ich nicht. In weiser Voraussicht hatte ich mir am Morgen schon eine Flasche Bier in den Kühlschrank gelegt. Dieses kühle Getränk nehme ich mit auf die Terrasse, dazu ein Buch und genieße die kühle Flüssigkeit. Ein herrlicher Tag ohne Zwänge neigt sich dem Ende entgegen.
Tag 2.
Gegen acht wache ich total entspannt auf. Also raus ins Bad, ein wenig Toilette machen, die Haare föhnen und wieder in der Unterwäsche an den Briefkasten wo Zeitung steckt. Es wird zwar nicht viel neues drinstehen, doch der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wieder der Kampf mit dem falten, das Gleiche wie am Vortag. Dann alles unter dem Wasserhahn abspülen und zum Trocknen stehen lassen. Heute muss ich aber mal was arbeiten, vor allen Dingen Rechnungen schreiben. Ich will ja schließlich die zwei Wochen überstehen. Gegen Mittag geht’s nachhause, durch den Kreisel auf den Parkplatz. Was soll ich mir heut munden lassen? Ich entschließe mich für einen Hackbraten mit viel Zwiebeln. Zu Hause, brauche ich kein Geschirr, der Pappkarton tut es auch. Mittagsschlaf, wieder Büro, am Abend mit einem Buch auf die Terrasse. Diesmal trinke ich ein großes Glas Bardolino, Abwechslung muss sein. Irgendwie wird die Geschichte langweilig. Kein Problem, Auswahl an Lesestoff habe ich genug. Ich nehme die Schrift langsam nicht mehr war, schaue nur noch in den sternenbedeckten Himmel. Vielleicht geht es dort jemandem so wie mir? Ich schaue mir die Bahn der Venus an, die hellste Erscheinung am Firmament, dann ist es aus. Die Augen fallen mir langsam zu, ab geht’s Richtung Bett. Das Bad lasse ich einfach mal ausfallen, will ja nicht wieder munter werden.