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Das Beispiel Piepmatz

Von ehemaliges Mitglied Samstag 25.11.2017, 12:26 – geändert Samstag 25.11.2017, 15:04

Ich glaub' ich hab' 'nen Vogel

Weiß der Herr, warum ich heute schon so früh aufgewacht bin. Ich schaue auf meinen Radiowecker und stelle eine nachtschlafende Zeit von 05.00 h fest. Am liebsten würde ich mich noch einmal herumdrehen, die Decke über meinen Kopf ziehen und den schönen Traum fortsetzen, den ich eben hatte.

Mensch, ich habe Urlaub und könnte bis in die Puppen schlafen, dachte ich mir. Schlug dann doch die Decke weg, setzte mich auf die Bettkante und schaltete die Nachttischlampe ein. Ich war erstaunlich fit, gut ausgeschlafen und eigentlich trotz der frühen Stunde sehr gut aufgelegt. Nun denn, erhob mich, ging zum Fenster, um die Rollläden hochzuziehen und die Balkontür zu öffnen.

Es war schon hell, der Tag hatte bereits begonnen. Durch die ungewohnte Helligkeit kniff ich die Augen etwas zusammen, streckte meine Glieder und trat stacksigen Schrittes auf den Balkon. Dort angekommen, machte ich entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten einige gymnastische Übungen, dehnte mich, stellte mich auf die Zehenspitzen und wippte etwas.

Die Temperatur war angenehm. Ich setzte mich auf einen Stuhl, schlug die Beine übereinander, verschränkte die Arme, blickte in den neuen Tag und beobachtete die Natur. Ich lächelte zufrieden vor mich hin und dachte an ein großes leckeres Frühstück, hier auf dem Balkon.

Als ich ein Vögelchen singen hörte, fiel mir mein Traum wieder ein. Ach ja, da war doch der Traum von dem Piepmatz, der gerade am Aufwachen war., ging es mir durch den Kopf. Ich strengte mich etwas an, um diesen scheinbar angenehmen Traum in mein Gedächtnis zu rufen. Es gelang mir auch.

'Ein Vögelchen saß auf einem Ast, war gerade zur frühen Stunde aufgewacht und zog sein Köpfchen unter dem Flügel hervor. Es schaute zunächst etwas schräg drein,, sperrte den Schnabel weit auf, gerade so, als gähne es. Gähnen Vogel? Ich weiß es nicht. Aber es sah jedenfalls so aus. Aber es sah jedenfalls so aus. Süß und lieblich war dieses Bild anzusehen

Das morgendliche Aufwach-Ritual des Vögeleins ging weiter. In leichter Schräglage streckte es ein Beinchen aus, spreizte dabei genüsslich die Zehen. Zog das Bein wieder zurück, um dieselbe Prozedur mit dem anderen zu beginnen. Wieder auf beiden Beinen stehend, wippte es mit dem Schwänzchen, drehte den Kopf nach links und rechts, um vielleicht nächtliche Verkrampfungen zu entspannen.

Dann schüttelte es sich anschließend so kräftig, das sich das Gefieder aufplusterte. Der Vogel wirkte dadurch fas doppelt so groß. Weder Hals noch die Beinchen waren zu sehen. Nur eine fast kreisrunde Federkugel. Als sich das Gefieder wieder legte, , fächerte es zuernst den einen und dann den anderen Flügel weit gestreckt auf, flattere ein wenig und legte dann die Flügelchen wieder an. Zuletzt steckte es noch einmal sein Köpfchen unter einen Flügel, um vielleicht ein wenig an seinem gesunden Schlaf zu schnuppern, den es gehabt hat. Sodann fing es kräftig an zu singen, gerade so, als ob es seinen Freunden mitteilen möchte: hallo all ihr anderen Piepmätze, ich komme.

Es schaute sich nochmals um und flog dann hinweg zur nächsten Pfütze, um einen ersten Schluck Wasser an diesem Morgen zu sich zu nehmen. Nachdem der Durst gelöscht war, flog es weiter, um ein leckeres Frühstück zu finden.'

Ich dachte über diesen schönen Traum und meine Aufstehgewohnten nach. Da fiel mir auf, so wie heute bin ich schon lange nicht mehr aufgestanden. Ein bisschen Gymnastik, anschließend etwas ruhig sitzen, langsam den Tag genüsslich beginnen. Dies hat wohl im Unterbewusstsein mein morgentlicher Traum bewirkt. Nicht schlecht, stellte ich etwas nachdenklich fest.

Wie sieht mein Morgen denn sonst so aus?

Der Radiowecker fängt um 06.30 h an zu spielen. Eigentlich viel zu spät. Ich knipse die Nachttischlampe an. Leise schimpfend werfe ich die Decke zurück, quäle mich aus den Federn und eile ins WC. Die Augen noch halb geschlossen. Im Bad stelle ich die Dusche an, gehe in die Küche und lasse die Kaffemaschine laufen, stelle automatisch das Radio an. Musik in der Küche, Musik im Schlafzimmer. Im Wohnzimmer läuft der Fernseher, noch vom Vorabend. Zurück gehts ins Bad und unter die Dusche. Es dampft, der Spiegel läuft an. Ich fluche, als ich vor ihn trete.

Kaum richtig abgetrocknet, eile ich die Küche und schenke mir eine Tasse Kaffee, verbrühe mir fast die Zunge. Im Bad wird in Rekordzeit gefönt, rasiert und die Zähne geputzt, das Gesicht eingecremt, Rasierwasser genommen. In der Hektik fast oral. Deodorant gespritzt - ich schwitze.

Ab ins Schlafzimmer und angekleidet. Hoffentlich nicht zwei verschiedene Socken, denke ich so im Halbdunkel. Als ich das Schlafzimmer verlasse, mache ich das Licht an. Mit halbschräger Krawatte geht es wieder in die Küche, den restlichen Kaffee zu trinken. Einen Blick auf die Uhr. Ein Brot? Keine Zeit.

Der Aktenkoffer wird geschnappt, das Handy, die Wagenschlüssel und ab gehts durch die Mitte. Der Tag ist versaut, noch ehe er richtig begonnen hatte.

Als ich abends nach Hause komme, spielen zwei Radios, der Fernseher lief. Die Lichter brannten in der halben Wohnung. Die Kaffemaschine glühte fast, der Kaffee auf die Hälfte reduziert - türkischer Mokka. Im Bad lag der Schlafanzug auf dem Boden, der Fön im Waschbecken, der Doschkopf tropfte,
am Morgen nicht richtig abgestellt.

Das das Bett war so, wie ich es verlassen hatte, die Schubladen und die Schranktüren offen, die Rollläden und das geschlossen. Es miefte - und mir stank es wie jeden Tag.

Als dieser Film so vor mir ablief, schüttelte ich nur den Kopf und wunderte mixh sehr über einen solchen Tagesanfang, wenn man ihn als solchen überhaupt bezeichnen konnte.

Fazit: Ich musste erst im Traum von einen Vögelchen lernen, wie man einen Tag richtig beginnt.
Danke Vögelchen, du warst mir ein guter Meister. Einen guten Tag wünsche ich.

Vielleicht gefällt Euch diese Geschichte. Dann einfach danke.

/c) PPF

Grüßle Don Filippo



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