Bratkartoffeln: IIh!
Von
tastifix
Samstag 21.07.2018, 16:17
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tastifix
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Meine Töchter hatten jede einen anderen Geschmack, was sich leider nicht nur bei der Vorstellung von ´Mode` bemerkbar machte. Was das Letztere anbelangte, äußerte ich mich schon seit langem nicht mehr dazu, gedachte aber stets mit Grauen der Jeans mit der eingearbeiteten Klimaanlage (den Löchern am Po und denen in der Kniegegend) - nicht zu vergessen die Gucklöcher für die Waden. Dummerweise durfte ich selbst dann, wenn meine Töchter morgens zur Schule abmarschiert waren, jenen Anblick nicht aus meinem Gedächtnis verbannen. Betrat ich nämlich die Küche, guckte mir mein geliebtes Sieb entgegen - mit noch mehr Löchern. Es fungierte als optische, metallene Hosenvertretung, die meinen Beinkleiderfrust einfach ignorierte. Dieser Konfrontation konnte ich keinesfalls ausweichen, denn mein Leben spielte sich selbst bei herrlichstem Sommerwetter hauptsächlich in der Küche ab. Als engagierter Mutter interessierte mich von morgens bis abends ausschließlich das Wohl meiner Kinder. Mein größtes Glück war es, sie von vorne bis hinten und möglichst noch rund um die Uhr zu bedienen. Um der Fürsorglichkeit noch die Krone aufzusetzen, spielte ich, mir sehr wohl der damit verbundenen, besonderen Verantwortung bewusst, fleißig Köchin für sie. Dies erwies sich als recht kompliziert. Die älteste Tochter mochte keine Tomaten, die zweite keinen Käse, die dritte keine Eier und die vierte so rein gar nichts. Der war ich ausgesprochen dankbar dafür. Rein gar nichts erwies sich als äußerst praktisch, arbeitssparend und stand nach einer extrem kurzen Zubereitungszeit, nämlich so ungefähr gar keiner Minute, verlockend auf dem von mir liebevoll gedeckten Tisch und die betreffende Tochter strahlte mich prompt dankbar an. Die restliche Kinderschar jedoch hätte mich nach dem kurzen Moment fassungslosen Staunens am liebsten per Blick erdolcht. Weil ich aber extrem am Leben hänge, blieb mir nichts anderes übrig, als notgedrungen schleunigst von dieser bequemen Art, Mittagessen fertig zu stellen, Abstand zu nehmen. --- Nein, ich musste dringend ein Gericht finden, dass allen Vieren schmeckte! Ich erstand sämtliche Kochbuchbestände Düsseldorfs und hoffte verzweifelt, sie würden mir irgendwelche Mahlzeiten ohne Tomaten, Käse und Eier präsentieren. Aber selbst die berühmten Köche der Welt standen meinem Problem offensichtlich ratlos gegenüber. Überall leuchteten mir in satten Farben künstlerisch wertvolle Fotos von Tomaten, Käse und Eiern entgegen. Verzweifelt flitzte ich in die Stadt, erwarb ein zusätzliches Küchenregal, verstaute darauf all diese klugen Bücher und vergaß sie wohlweislich. --- Alle paar Wochen jedoch gönnte ich mir doch tatsächlich Koch-Ferien und einen ausgiebigen Bummel durch unseren Supermarkt. Wie ich mich dunkel erinnerte - der letzte Einkauf war schon so lange her - lagen dort eine Menge dicker Illustrierten aus, die man in Ruhe durchblättern und, falls die Zeit dafür reichte, sogar lesen durfte. Mir war das Schicksal gut gesonnen. Ich durfte schmökern. Wahllos griff ich mir eines der Hefte und erwischte ausgerechnet die Eltern-Zeitschrift. Die erklärte, an allem Unglück im Umgang mit dem lieben Nachwuchs seien allein die Erziehungsberechtigten schuld und erklärte jene durchweg zu Irren im Geiste. Dem Nachwuchs durfte auf keinen Fall Schelte angedroht werden, denn dessen zarte Kinderseele hätte daran zerbrechen können. Irgendwie wunderte mich diese Aussage beträchtlich, denn wie oft machte sich solch ein Kleines Luft und schrie alles andere als schüchtern ´Scheiße` durch die Gegend. --- Zudem vertrat jenes neunmalkluge Heft die Ansicht, dass den Erziehungsberechtigten besser deren Berechtigung zum Erziehen entzogen und jene stattdessen den Kindern übertragen werden sollte, damit aus den Großen dann richtige Erwachsene würden. Genervt tat ich mir das Weitere nicht an, sondern blätterte die Seite schleunigst um. Ohne es zu ahnen, beeinflusste ich damit mein Schicksal erheblich zu meinen Gunsten. Umseitig sahen mir tatsächlich leckere, bunte Menüs ohne Eier, Tomaten und ohne Käse entgegen - lauter Kartoffelgerichte! Ich nahm es als Zeichen des Himmels. Ja, es würde Bratkartoffeln geben. Die mochten alle Kinder. Zu denen könnte ich sogar Tochter Reingarnichts überreden. --- In bester Laune tänzelte ich daheim in die geliebte Küche, kochte gleich vier Kilo Kartoffeln auf einmal, gab sie in Scheiben geschnitten in die Pfanne, mischte Zwiebelwürfel darunter und streute noch Gewürze darüber. Nach wenigen Minuten zog ein köstlicher Bratkartoffelduft durchs Haus. Ungeduldig wartete ich auf das Eintreffen der Kinderschar, die zum Glück alle gleichzeitig eintrudelten. Wir saßen zu Tisch, meine Kleinen entdeckten die Bratkartoffeln. Statt strahlender Gesichter zogen sie urplötzlich beleidigt-finstere Mienen. Tochter Nummer Eins machte den Anfang: „Ich mag die nicht!" Ihre jüngere Schwester schloss sich an. „Ich auch nicht!" Meine noch jüngeren Zwillinge plapperten brav nach, was die Großen gesagt hatten. Die waren ja schon so weise und mussten es wissen. Meine Vier waren ausnahmsweise ein- und derselben Meinung: „Nicht mit uns!" --- Die dampfenden Teller blieben unberührt, das Besteck wurde frech zur Seite geschoben. In der Hand die Pfanne balancierend, kehrte ich wütend meinem Nachwuchs im Zeitlupentempo den Rücken zu, drehte mich zur Spüle und flehte den Himmel an: ´Bitte lass mich diesem Zirkus schnell auf friedliche Weise ein Ende bereiten. Nicht, dass ich ihnen gar noch eine klebe!!`
Der hatte Erbarmen und ich in der nächsten Sekunde die passende Idee. Mit einem etwas groben Schwung riss ich die Pfanne hoch und knallte sie mit Wucht ins Spülbecken. Die lieben Kleinen mucksten sich nicht mehr. Es herrschte Totenstille. So etwas kannten sie von mir nicht. Das hatte ihre Mama noch nie gemacht. Ebenso langsam wandte ich mich ihnen wieder zu und sah in entsetzte Gesichter und auf offen stehende Münder.
„Es reicht mir!", bemerkte ich mit gefährlicher Ruhe in der Stimme. „Jetzt ist endgültig Schluss!!“
Noch am selben Tage erklärten meine Töchter die Bratkartoffeln zu ihrer Lieblingsspeise!