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Besser, man rechnete bei ihr mit allem ... (2)

Von tastifix Freitag 01.05.2020, 12:10 – geändert Freitag 01.05.2020, 12:42

Wieder ein Jubelschrei. Indianergeheul war nichts dagegen. Töchterchen entdeckte den Traum aller Zoobesuchträume nur wenige Meter von sich entfernt. Sie war nicht mehr zu bremsen und dann schneller auf der Streichelwiese als wir gucken konnten. Die Ziegen, Schafe und sogar ein Hängebauchschwein unterbrachen das gemütliche Vor-sich-hin-Dusseln, denn sie wussten aus Erfahrung, was Tolles sie nun erwarten würde und stimmten ein wahrlich entzückendes Begrüßungskonzert an. Sofort war unsere Kleine von der neugierigen Meute umringt. Sie war in ihrem Element. Angst vor den lebhaften Tieren kannte sie nicht. Wir standen uns derweil die Beine in den Bauch. Selbst die Schafe, die nach dreimaligem Streicheln genug davon hatten und sich verziehen wollten, mussten einsehen, dass sie gegen die Tierliebe unserer Kleinen machtlos waren.

Einer der Ziegenböcke hielt sich bereits seit ein paar Minuten auffallend in Töchterchen Nähe auf. Es war wohl Liebe aufs erste Meckern. Klar, dass die Kleine davon begeistert war und ihn wuschelte, dass ihm fast Hören und Sehen verging. Aber dann legte sie eine Pause ein. Wahrscheinlich wurden ihr die Arme allmählich lahm. Sie stand dort neben ihrem neuen Freund und wirkte ausgesprochen froh. Der Ziegenbock übrigens nicht minder!

Doch dann sehnte er sich nach Beschäftigung. Was wedelte denn da die ganze Zeit schon so verlockend vor seinem Maul herum? Das wollte er unbedingt mal genauer untersuchen. Und dann bewies es sich, dass dieses Tier unsere Tocher wohl mittlerweile zum Fressen gern hatte. Oder meinte es damit vielleicht doch nur ... Tja, auch ein Ziegenbock schwärmt für Abwechslung auf der Speiesekarte. Er wäre ja auch ein sehr blödes Exemplar gewesen, wenn er jene Chance nicht genutzt hätte. Weil aberr eher das Gegenteil zutraf, reckte er sich kurz und begann zu knabbern. Ohne es noch rechtzeitig verhindern zu können, mussten wir hilflos zusehen, wie der geliebte Regenmantel, ehemals wadenlang, in Nullkommanix zum Minikleid schrumpfte und sich der Bauch des Bockes genau gegensätzlich fix rundete.
Töchterchen merkte, dass irgendetwas oder auch -wer an ihr zog und ruckte. Erschrocken musterte sie prüfend ihr Mäntelchen. Sie entdeckte das Malheur und holte prompt alles an Brüllen nach, was sie in den letzten drei Stunden vergessen hatte.

Schreiend rannte sie zu uns:
„Mama, Papa! Der hat einfach mein Mäntelchen gefressen. Der ist böse. Der darf das nicht, ist doch meines!!“
Heul, schluchz, schnief.
Wohl geborgen auf Paps Arm drehte sie sich wutentbrannt ein letztes Mal zu ihrem nun Exfreund um unde keifte ihn an:
„Ich mag dich überhaupt nicht mehr leiden. Du Doofer, du!!!“
Und streckte ihm die Zunge raus:
„Bääh!!!“
Ob den dies wohl beeindruckte …?

Jedenfalls blieben uns für die nachfolgenden vier Wochen jegliche Zoobesuche erspart.

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