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Besser, man rechnete bei ihr mit allem ... (1)

Von tastifix Donnerstag 30.04.2020, 18:24 – geändert Donnerstag 30.04.2020, 19:45

Meine Älteste, gerade drei Jahre alt, war also kein Baby mehr und wir planten zig Ausflüge, auf dass sie ja den ganzen Tag ausgelastet und deshalb entsprechend guter Laune sein sollte.

Leider waren wir damals so dämlich, uns nach bestimmter Erziehungsliteratur wie z. B. der Elternzeitschrift zu richten. Die behauptete glatt: Ging etwas schief mit der Erziehung und die lieben Kleinen brüllten gar, war dies ausschließlich dem anscheinend nur oberflächlichem Studium dieses neunmalklugen Beraterheftchens zuzuschreiben. Denn sonst wäre ja alles absolut problemlos abgelaufen.

Zu jenen Eltern wollten wir keinesfalls gehören, die dann dermaßen versagten. Beim leisesten Flennen unseres Lieblings reagierten wir und bemühten uns, einen uns noch unklaren begangenen Fehler wieder auszubügeln, ohne dabei etwa wieder einen neuen einzuflechten. Und so lasen wir unserem Töchterchen wirklich jeden Wunsch von den großen Rehaugen ab. Hätten wir dies nicht hin bekommen, hätten wir der Elternzeitschrift nicht mehr auf die Buchstaben zu sehen gewagt.

Das Von-den-Augen-Ablesen erwies sich als eine echte Kunst, denn vor denen hing ein dichter Tränenvorhang zwecks Elternbeeinflussung. Aber, was die Tränen bewirken sollten, darüber dachten wir vor lauter Mitleid gar nicht mehr nach.
Stattdessen gaben wir uns die größte Mühe, in allem der Idealvorstellung unseres Kindes von seinen Erziehungsberechtigten zu entsprechen. Ab und an hatten wir Glück und wir errieten sogar ihre Wünsche. Dreijährige haben viele davon. Die dann in eine uns genehme Richtung lenken zu wollen, war anstrengend und nicht immer von Erfolg gekrönt.

Der Frühherbst brachte wechselhaftes Wetter. Es würde ein Tagesausflug werden und wir wählten Regenkleidung. Unsere Tochter schwärmte für Tiere und wollte unbedingt in den Zoo. Am liebsten hätte sie dann dort übernachtet. Doch da hielten wir ihr vor, wie traurig dann Püppchen und sämtliche Stofftiere wären. Die fühlten sich drastisch zurückgesetzt, denn sie mussten an solchen Tagen gänzlich auf Schmuseeinheiten verzichten. Denn Puppenmutti verteilte jene stundenlang im Tierpark.

Unsere Tochter hatte uns gut im Griff. So dackelten wir geduldig hinter ihr her. Der wichtigste Elterneignungstest stand kurz bevor. Zum Glück rechneten wir schon damit und so vermochte uns die Aussicht darauf nichts mehr anzuhaben. Der Himmel hatte sich inzwischen bezogen und es begann zu regnen. So zog ich der Kleinen ihren Regenmantel an, damit der Ausflug ja nicht noch ins Wasser fallen sollte. Es war ein sehr schicker Regenmantel, geschnitten wie ein Kleidchen und Töchterchen liebte ihn fast so sehr wie uns oder auch ihre Stofftiere. Sie schaute darin aus wie eine kleine Prinzessin.

Wieder Erwarten lösten sich die Wolken kurz darauf wieder auf. Doch um nichts in der Welt war sie bereit, ihr Regenkostüm wieder auszuziehen. Wir marschierten also von Gehege zu Gehege, sie jubelte ununterbrochen. So, wie es sich anhörte, hatten wir wohl, wie wir uns stolz zugestanden, zur Zufriedenheit jener besagten Zeitschrift bislang alles richtig gemacht ...

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