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Berlin ist immer eine Reise wert

Von Feierabend-Mitglied Freitag 02.11.2018, 13:46 – geändert Freitag 02.11.2018, 13:49


Jan ist 16 und steht vor seinem Realschulabschluss. Als Belohnung hat seine Oma, also ich, sich ausgedacht, mit ihm einen Trip nach Berlin zu machen, bevor er im September mit seiner Ausbildung beginnt.

Also fragt sie ihn im Mai, was er in den Ferien geplant hat. Seine Antwort: "Chillen bis zum Abwinken. Wegfahren? Nöö, Oma, keine Lust. Ich muss mich von den 10 Schuljahren dringend erholen. Wenn das Wetter mitspielt, gerne auch mal ins Freibad, aber sonst einfach nichts tun."

Nun ja, dann eben nicht, denkt sich die Oma. Sie jedoch möchte diesen Trip machen, aber es hätte ihr mit ihrem Großen wesentlich mehr Spaß gemacht. Sie unterhält sich mit seiner Mutter darüber und die hat nun aber mehr als nur Lust ihre Schwiegermutter zu begleiten, es muss ja nicht unbedingt in den Ferien sein. Zudem war sie noch nie in Berlin und wollte immer schon mal dorthin fahren. Sie schaut auf ihren Dienstplan für Juni, da hat sie einige freie Tage. Wir buchen also ein verlängertes Wochenende vom 1. bis zum 4. Juni.

Die Tage sind vollgepackt mit Sightseeing, wir fahren mit Tagestickets kreuz und quer durch die Stadt, wir fotografieren, was die Speicherkarte der Kamera hergibt "alte und neue Steine", sehen, staunen und genießen, sind berührt und betroffen von der Geschichte.
Seit meinem letzten Besuch hier hat sich wieder eine Menge verändert, aber das Flair dieser Stadt ist geblieben. Ich glaube, ich habe immer noch einen Koffer in Berlin, wenn meine Gesundheit mitspielt, war es nicht mein letzter Besuch.

Berlin, mein Gemüt kriegt Kinderaugen
und mein Puls geht viel zu schnell,
nimmst du mich voller Selbstvertrauen
an dein verknautschtes Bärenfell.
(Hildegard Knef)

Man kennt es ja, wenn einer eine Reise tut, hat er eine Menge zu erzählen. Wir tun es nach unserer Rückkehr auch, schauen uns mit Jan die Fotos an und sind überrascht von seinem immer mehr zunehmenden Interesse, das darin gipfelt: "Da möchte ich in den Ferien auch hin. Oma, gilt dein Angebot noch?"

Klar, gilt mein Angebot noch, aber nun nicht mehr für die Sommerferien, ich muss erst mal die Reisekasse etwas auffüllen können.
Da Jan eine schulische Ausbildung macht, geht es frühestens in den Herbstferien. Ich buche also für ihn und mich ein verlängertes Wochenende im Oktober. Als zusätzliches kleines Bonbon ein Besuch im Schillertheater. Da ich weiß, dass er bisher noch nie im Theater war, habe ich Karten für eine Komödie gebucht. Er freut sich riesig, denn das Stück "Willkommen bei den Hartmanns" ist dem gleichnamigen Film nachempfunden und den fand er "voll cool".
Wir erleben bei herrlichem Herbstwetter wunderbare Tage, fahren mit U- und S-Bahn quer durch die Stadt, ich spiele den Fremdenführer und will wie schon im Juni den Erklärbären spielen. Doch dann erlebe ich eine große Überraschung: Der junge Mann hat scheinbar in der Schule eine ganze Menge zur deutschen Geschichte gelernt, er verblüfft mich mit seinem Wissen. (Wieso hatte der eigentlich immer auf dem Zeugnis in Geschichte kein "gut"?)
Neben der Besichtigung geschichtsträchtiger Gebäuden und Gedenkstätten nehmen wir uns auch die Zeit, das "Museum der Illusionen" zu besuchen. Dort ist mitmachen ausdrücklich erwünscht, was wir dann auch ausgiebig machen..
Der absolute Höhepunkt ist dann der Theaterbesuch. Ich frage ihn, wie er das findet. Seine Antwort: "Viel besser als im Kino, Oma. Können wir das nicht öfter mal machen?"
Können wir, Jan, wir schauen mal, wie der Spielplan unseres Theaters aussieht. Endlich habe ich jemanden gefunden, der mich dann gern begleiten wird. Eine tolle Win-Win-Situation.


© Foto und Text: Sibylle E.

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