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Baby setzt sich durch ...

Von tastifix 07.07.2024, 07:49 – geändert Donnerstag 11.07.2024, 05:38

Baby baden, wickeln, füttern, es spzieren fahren(und nach zwei Minuten umkehren, weil die Pampers voll ist!), ihm mittags ein Schlaflied vorsummen und das Gleiche am frühen Abend ein zweites Mal … So lief schon seit drei Monaten mein Tag ab.

Auch an diesem Abend sank ich wie viele andere junge Mütter erschöpft in die Kissen. Unsere Tochter lag wohlversorgt im Kinderbett und muckste sich nicht. Dies erfüllte mich, aber noch mehr den jungen Herrn Papa mit Stolz. Denn es war ja seine Kleine, die da so rücksichtsvoll die Nachtruhe ihrer Eltern respektierte. Sehr viel Ahnung von dermaßen jungen Frauen hatte er eindeutig noch nicht.
„Na wartet!“, sagte sich der rot-weiße Strampelanzug. „Von wegen ´schlafen´!“
Krabbeln und Klettern lagen ja leider noch in weiter Ferne. Dennoch war sie nicht wehrlos ausgeliefert.
„Brüllen! Damit krieg` ich sie weich!“
Zuerst meldete sie sich mit zaghaftem Wimmern, das, weil erfolglos, bald in eine Opernarie über ging. Sie schrie sich die Seele aus dem Hals. Zu ihrem Pech hatte sie also vergessen, dass es jämmerlich klingen sollte. Stattdessen hörte es sich für uns an wie eine Schimpftirade niedrigsten Gosseniveaus, die ich hier nicht übersetzen werde.
„Büuh – wähääh- bü!“
Nach etwa einer Viertelstunde bekam ich es mit der Angst zu tun. Sauer schielte ich zu ihrem Herrn Papa, weil er sich offensichtlich überhaupt keine Sorgen um den Nachwuchs machte. Prompt machte sie mir dann noch mehr.
„Und wenn sie doch was hat ... ?“, merkte ich an.
„Sicher hat sie was ...“, kam so wahrlich liebevoll. „Wut!“
Damit schien für ihn das Thema erledigt. Ich dagegen wälzte mich von einer Seite zur anderen. Die Sirene aus dem Kinderzimmer bewies eine irre Ausdauer, kreischte wie verrückt und das fast pausenlos.
„Ich halt das mehr lange aus!“, wimmerte ich zum Nebenbett, dessen Inhalt jedoch davon ungerührt blieb.
„Büüh-Kreisch hoch Zwei-bühühüüüh!“
Endlich tat sich etwas. Dem männlichen Wesen war klar geworden, dass, wenn es sein Eheweib nicht beruhigen würde, es um seine Nachtruhe geschehen wäre.
„Du, der fehlt wirklich nichts. Die ist nur schwer sauer!“
Ja, er hatte eindeutig Recht und ich kam mir ziemlich blöd vor.
Aber trotzdem überflog ich in Gedanken nochmals im Zeitraffertempo sämtliche Artikel einer bestimmten, sehr bekannten Mama- und Papa-Zeitschrift. Und stieß auf einen mich sehr störenden Hinweis:
´Baby macht stets alles richtig. Die Bösen sind die uneinsichtigen Eltern!`
Mein Gewissen meldete sich vehement.
´O je! Welche schlimmen Fehler habe ich nur begangen, dass dieses winzige, ach so hilflose Etwas dermaßen schreit ... ?`
In meinem Gedächtnis herrschte diesbezüglich - vielleicht vorsorglich - eine Riesenerinnerungslücke. Ich war ihm dafür äußerst dankbar.

Gespielt tapfer zog ich mir die Bettdecke über die Ohren:
„Die hat nix, sondern ist einfach frech!“
Ob mein Mann wenigstens registrierte, wie vernünftig ich plötzlich war? Ich fühlte mich beinahe wie eine Heldin und deshalb ein wenig stärker. So unter dem Deckenwust klang das Ganze auch weit weniger bedrohlich. Aber es verklang nicht! Darum war es mit meinem notdürftig disziplinierten Verhalten nach wenigen Sekunden vorbei.
´Mir doch egal, was dieses dämliche M-P-Pseudoerziehungsblatt behauptet! Mir reicht`s jetzt!`
„Alsoo“, eröffnete ich dem jungen Papa. „Ich hol sie rüber, basta!“
„Wirst schon sehen, was Du davon hast!“
„Ruhe!“, versetzte ich ironisch.
Mein Mutterherz frohlockte. Ein ganzes Felsmassiv plumpste mir vom Herzen. Ich schwebte geradezu ins Kinderzimmer, hob Töchterchen auf den Arm und trocknete die Tränen jenes gequälten Etwas mit dem Ärmel meines Nachtgewandes.
„Ach, die süßen Augen, die niedlichen Fingerchen!“, seufzte ich selig.
Nichts würde uns diese Nacht noch zu trennen vermögen.

Der Blick des jungen Papas zu mir, dann zu dem nur noch leise schniefenden Paket auf meinem Arm sprach Bände. Doch verkiniff er sich immerhin eine dazu passende Bemerkung, brummelte nur etwas Undefinierbares in seine Decke undbettete resignierend das müde Haupt zurück aufs Kopfkissen.
„Siehste, sie ist still!“
Ich triumphierte.
Da platzte er denn doch:
„Hat ja auch erreicht, was sie wollte!!“
Zärtlich betrachtete ich den Winzling neben mir.
„Guck` doch mal. Sie lacht!“
„Ohehm!“, knurrte mein Mann, brachte es aber nicht fertig, nicht heimlich mal zum Töchterchen zu schielen. Sein Möchtegern-Erzieher-Herz schmolz dahin wie die Butter in der Sonne. Damit ich es nicht merken sollte, rollte er sich fix zur Wand und war denn sofort eingeschlafen. Meine Tochter und ich schlummerten dicht aneinander geschmiegt friedlich bis zum Morgen durch.

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