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Autsch!!

Von tastifix 21.07.2019, 11:21 – geändert 21.07.2019, 11:24

Vom wolkenlosen Himmel strahlt sogar am späten Nachmittag noch die Sonne. Gerti brummelt zähneknirschend:
´Ja, und es bleibt lange hell!`
Dabei sehnt sie sich so sehr nach Zärtlichkeit. Erst in etwa zwei Stunden würde es dunkel werden. Gerti seufzt. Wie immer reden Jörg und sie, lachen und schweigen. Es ist ein Schweigen der Übereinstimmung und verbindet die Beiden innig. Sie sind ein hübsches Paar. Gerti klein und äußerst zierlich, Jörg hochgewachsen und nicht ganz so zierlich, sondern mit einem imponierenden Bauch ausgestattet. Egal, Gerti liebt ihren Jörg, so wie er ist. Umgekehrt ist es genauso.

Nach einer Weile setzen sie sich in der Fußgängerzone an einen der vor einer Eisdiele aufgestellten Tische. Interessiert beobachten sie die vorüber schlendernden Leute. Einige haben garantiert einen strapaziösen Arbeitstag hinter sich. Andere dagegen, fröhlich und munter, unternehmen bestimmt nur einen Einkaufsbummel. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen.
„Mensch, wann wird´s endlich dunkel?!“, flüstert Gerti Jörg zu.
„Dauert noch. Pech für uns!“
„Komm, wir marschieren schon mal zum Auto!“, schlägt Jörg vor.
Es gerät noch zu einem langen Spaziergang. Dann stehen sie vor seinem Miniwagen. Jörg ist Kavalier. Er lässt seine Freundin zuerst einsteigen. Für das, was sie beabsichtigen, ist jener Parkplatz denkbar ungeeignet. Also kutschieren sie los und suchen sich einen einsameren Stellplatz.
´Wie schön alles mit ihm gemeinsam ist!`, denkt Gerti.

So ganz allmählich wird es dunkel, die ersten Sterne sind zu sehen und der Mond steht als strahlender Lampion am Himmel. Gerti und Jörg rücken näher zueinander, umarmen und küssen sich. Es artet in eine wilde Knutscherei aus. Leider ist das Auto ein Winzling und Jörg muss die lngen Beine verknoten, um Platz genug zu haben.

Plötzlich protestiert ein Anteil des Innenlebens ihres fahrbaren Untersatzes. ´Herr Schaltknüppel` fühlt sich in seiner Ehre gekränkt. Immerhin hat ihm die Fabrik den Platz zwischen den Vordersitzen zuerkannt, also die Position von drittgrößter Bedeutung: Erst der Motor, danach der Zündschlüssel und dann er. So hat er ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Die anhaltende Drängelei von beiden Seiten passt ihm überhaupt nicht. Immer wieder, während es zwischen Gerti und Jörg heiß her geht, muss er einen Rüffel einstecken. Und dies nur, weil die zwei verrückten Menschenkinder nicht genug bekommen. Schließlich reicht es ihm:
„Peng!“
Erbost knallt er Gerti in die Seite.
„Aua, verdammt!“
Sie angelt sich ein Kleidungsstück, dass sie als Puffer über den Störenfried legt. Danach können sich Jörg und Gerti noch enger aneinander kuscheln. Es ist nun wunderbar gemütlich und dürfte eigentlich die ganze Nacht so weitergehen ... Doch Gerti stellt fest, dass selbst die bequemste Position irgendwann unbequem wird. Ihre angestrengten Knochen meckern mit sehr gutem Erfolg. Gegenkeifen nutzt nichts.
„Puuh!“
Stöhnend dreht sich Gerti zur Seite ...
Die Beiden schweben ja auf Wolke Sieben. Bei jener doch eigentlich banalen Aktion noch Vorsicht walten zu lassen, ist nicht drin. Darum komt es zu einer für Jörg unvergesslichen
Liebeserklärung Gertis. Sie legt all ihr Gefühl in die Liebkosungen. Ihre Blicke versenken sich ineinander. Jedoch endet die sanfte Zuwendung jäh, die romantische Stimmung fällt abrupt in sich zusammen. Auf drastische Weise wird ihnen verdeutlicht, dass zuviel Glück nicht gut tut, das Leben manchmal sehr hinterhältig ist.

Gerti glaubt, sich in der Anatomie des Menschen bestens auszukennen. Also: Der Oberkörper beherbergt nicht nur Herz und Lunge, sondern zudem sieben Rippen. Um die schmerzenden Knochen zu entlasten, verschafft sie sich Erleichterung und stützt die Ellenbogen auf. Weil Gerti extrem dünn ist, ist der entsprechend spitz. Anstatt sich sanft neben Jörgs Oberarm zu stellen, platziert er sich eindrücklich auf dessen siebente Rippe, was Jörg sehr nachdrücklich spürt und ausdrücklich aufjault. Gerti ist geschockt:
„Hab ich dir etwa wehgetan?!“, stottert sie nicht eben geistreich. „D..das w..wollte ich nicht!“
Schmerzverzerrten Gesichtes versucht Jörg noch Haltung zu bewahren:
„Du hast mich ganz schön erwischt. Dort ... “
Mit der linken Hand deutet er auf seine rechte Seite in Höhe des siebenten Knochens. Gerti weiß nicht, was sie sagen soll. Verstört schaut sie ihn an. Gequält lächelt er zurück. Äußerst vorsichtig schmiegt sie sich erneut an ihn, tunlich darauf bedacht, bloß nicht jene Rippe zu streifen. Ein paar Minuten später:
„Wird es langsam besser? Ob du da wohl einen blauen Flecken kriegst?“
Und wirklich ist die Rippe dermaßen beleidigt, dass sie noch ausgesprochen lange keine Ruhe gibt.

Darum nimmt Jörg einen Termin beim Arzt wahr. Der fragt ihn:
„Haben Sie manchmal Schmerzen dort an der Seite?“
„Jetzt kaum noch!“
„Die Rippe ist gequetscht. Wissen Sie davon?“
Jörg verzieht keine Miene, hat aber erhebliche Mühe damit, ein Grinsen zu unterdrücken.
´Wenn du wüsstest ... `
Selbstverständlich jubelt er Gerti die Diagnose bei nächster Gelegenheit unter die Weste.
„W..was ist d..die??“
Gerti ist fassungslos, bringt es aber dennoch nicht, ihren Liebsten angemessen betreten anzublicken. Trotz ihres ziemlich in Unruhe versetzten Gewissens muss sie dagegen ankämpfen, nicht loszulachen. Vor ihr steht Jörg, den sie so lieb hat und verbeisst sich das Lachen genauso angestrengt wie sie. Gerti bemerkt das spitzbübische Leuchten in seinen Augen und prustet los. Befreit fällt er ein.
„Weißt Du was, Schaatz?“, strahlt sie ihn an.
„Was denn, mein Schätzchen?“, fragt er innig.
Aus ihren Augen funkelt der Schalk. Sie antwortet mit einer Frage, ganz innig:
„Schahaatz, die anderen Rippen würde ich bestimmt verschonen …??“

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