Der Mond auf der Anklagebank
Von
tastifix
Mittwoch 10.04.2024, 08:47 – geändert 14.04.2024, 12:00
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tastifix
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Viele waren schon seit Jahren sauer auf ihn. Seinetwegen spazierten Manche nachts schlalend durch die Wohnung oder kletterten gar aufs Dach und machten dort waghalsige Balanceübungen. Bislang war aber zum Glück noch niemand abgestürzt.
Immer mehr Leute empörten sich ob der ständig sich wiederholenden Ruhestörungen. Es kam zu Demos. Auf den Plakaten stand:
„Nicht länger mit uns. Der muss bestraft werden!“
Oder auch:
„Wir wollen endlich wieder durchschlafen!“
Bald herrschte heilloser Tumult auf den Straßen. Die Plakate schwingend, rannten die Menschen hin und her. Die Sprechchöre wurden immer lauter und ein paar Fanatiker kamen auf die wahrlich tolle Idee, sich auf dem Pflaster festzukleben.
„Wir weichen nicht eher, bis der ...“
Das Ganze erwies sich als für den Verkehr sehr abträglich, der allmählich zum Erliegen kam.
Selbst das Hohe Gericht litt. Morgens erschienen Richter Dr. Juri, Staatsanwalt Dr. Forsch und Verteidiger Dr. Harmlos oft total unausgeschlafen zum Dienst und gähnten einander etwas vor. Erstens schaute des nicht gut aus, zweitens geziemte es sich so gar nicht und drittens bestand das Risiko, dass sie womöglich nicht mehr ernst genommen würden.
„Wir müssen etwas unternehmen!“
Besorgt setzten sie sich zusammen und grübelten. Dies ist keinesfalls unterhaltsam und deshalb waren sie froh, recht bald einen Plan zu haben.
Sie schickten mutige Leute weit weg von allem Irdischen auf eine sehr lange Reise ins All. Jene führten auf ihrem Raumschiff ein extrem langes Lasso mit sich, mit dem sie dann den Gesuchten, der sich praktischerweise gerade in einer beginnenden Diätphase befand und zudem, total überrumpelt, sich nicht mal wehrte, problemlos verschnürten. Das Raumschiff kehrte um gen Heimat und zog den unter Schock Stehenden, der noch immer nicht schnallte, wie ihm geschah, unerbittlich hinter sich her.
Unten angekommen, erwartete den Unhold bereits eine Armee schwer bewaffneter Polizisten, die ihn in ächzender Gemeinschaftsarbeit auf die Schaufel eines extra großen Baggers hievten, der dann sofort den Weg zum Gericht einschlug. Während der langen Abwesenheit der besagten mutigen Leute war man notgedrungen auf der Erde nicht untätig geblieben, hatte keine Mühen und Kosten gescheut und für diesen ja doch einmaligen Prozess ein weiteres Gebäude mit einem riesigen Saal errichtet, der die Hälfte der Bürger der Stadt fassen konnte, die dann gespannt den Verlauf der Verhandlung verfolgen würden. Auch an den Straftäter war gedacht worden. Für ihn stand eine passende Anklagebank bereit.
Die Zuhörerreihen füllten sich rasch und nur wenige Minuten später betrat die Hohe Gerichtsbarkeit den Saal. Allen voran der Vorsitzende Richter Dr. Juri, gefolgt von Staatsanwalt Dr. Forsch und Verteidiger Dr. Harmlos sowie mehreren Beisitzern.
Dr. Juri eröffnete den Prozess:
„Es geht heute um einen äußerst wichtigen Beschluss. Bitte bewahren Sie Ruhe!“
Danach wandte er sich zum Staatsanwalt.
„Verlesen Sie die Anklageschrift!“
Dr. Forsch holte forsch tief Luft. Es würde dauern, bis …
„Sie werden beschuldigt, am 4. d. Monats die Bürger unserer Stadt des Nachts sehr dreist unziemlich gestört zu haben. Und dies nicht zum ersten Male ...“
Jener schwieg, nicht so aber Dr. Harmlos, dessen Verteidiger.
„Moment mal, Herr Kollege! Stellen Sie sich mal vor, wie gefährlich es ohne sein Wirken nachts sein würde, alles so stockdunkel!. - Und zudem können die Leute ja die Vorhänge vorziehen!"
Die Zuhörer murrten unwillig.
„Will der etwa damit andeuten, dass wir uns das weiterhin gefallen lassen sollen?“
Auch Richter Dr. Jrui missfiel die Bemerkung:
„Trotzdem, Herr Kollege Dr. Harmlos, darf man das ungehörige Treiben des Angeklagten nicht verharmlosen. Er ist ein Zigmal -Täter und muss bestraft werden!!“
Noch sich uneinig, wie dies zu geschehen hätte, zogen sich die Juristen zur Besprechung zurück, beieilten sich, möglichst rasch einig zu werden und kehrten bereits nach einer knappen Viertelstunde zurück.
„Angeklagter Mond, bitte erheben Sie sich! Äääh, nee, bleiben Se besser sitzen, bevor Sie noch mehr anstellen und uns hier mit Ihrem Schein noch blenden!“
Zum Glück für den Mond, dessen nun kümmerlichen Sichelenden vor Anspannung arg zitterten.
„Hm, ja, hier also das Urteil. Ist übrigens unanfechtbar!"
Der Mond wartete misstrauisch, was jetzt folgen würde. Es wurde grauenhaft.
„Sie werden strengstens dazu verurteilt, höchstens nur noch 1x im Jahr als Vollmond kräftig zu scheinen. Zuwiderhandlung wird mit sofortigem Abtransport in eine ferne Galaxie bestraft. Ohne jegliche Möglichkeit der Rückkehr selbstverständlich!! - Einen Ersatzmond zu finden, dürfte nicht schwierig sein. Die Jungen warten schon."
Dr. Kuri musterte den Angeklagten: eindringlich:
„Nehmen Sie das Urteil an?“
Ein nur sehr schwaches Leuchten streifte den Richtertisch.
In den Ohren der Zuhörer klang dieses Urteil, so wwütend, wie sie waren, fast zu milde, aber immerhin war endlich eines gefällt worden. Aber da kam noch mehr:
„Angeklagter Mond, zudem verlange ich, dass Sie dem Raumschiff, das Sie gleich zurück fahren wird, egal, welche Anstrengung es Ihnen jetzt abverlangen wird, mit hellem Schein den Weg weisen werden!!“
´Oje, ahnte ich doch, dass da noch was nachkommen würde ...!?`
Aber Dr. Juris Rede fand immer noch kein Ende:
„Und unsere Bürger fordere ich dringlich auf, in den betreffenden Abenden und Nächten die Vorhänge blickdicht vorzuziehen!“
Die Leute kauften sich einen Kalender, in den sie eintrugen, wann genau sie sich vor dem Mondschein zu schützen hätten.
Der Mond bat später ein paar blitzgescheite Sterne, ihm rechtzeitig zuzublinken, wann endlich er wieder mal ...