Amoklauf
Von
billyblue
Montag 05.08.2024, 22:22 – geändert Montag 05.08.2024, 22:40
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billyblue
Montag 05.08.2024, 22:22 – geändert Montag 05.08.2024, 22:40
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Warum laufe ich um 2 Uhr in der Nacht noch durch die einsamen Straßen der Stadt. Soll ich nach Hause gehen oder nicht? Was wird mich da erwarten? Vielleicht suchen mich die Bullen schon wegen Körperverletzung oder sogar Körperverletzung mit Todesfolge. Ich habe Angst, wie soll das alles weitergehen. Ich bin doch nicht schuld. Hätte der Arsch mich nicht so provoziert könnte mein Leben einfach so ohne Höhepunkte weitergehen. Warum konnte der Typ sein Maul nicht halten, einfach nur still sein? Da wird man sein ganzes Leben lang gedemütigt schluckt alles runter, doch irgendwann muss einfach mal Schluss sein. Endlich habe ich mich gewehrt. Der ganze Frust der letzten Jahre ist hochgekommen, und ich habe zugeschlagen, immer und immer wieder. Das Blut lief ihm aus der gebrochenen Nase, wahrscheinlich ist auch noch das Jochbein gebrochen. Aufhören, nein, er hatte es verdient. Selbst als er auf dem Boden lag und sich nicht mehr rührte habe ich in getreten und noch mal. Aufhören? Nein, in meinem Zustand war das nicht möglich.
Am liebsten würde ich mit einer Waffe, egal ob mit Gewehr oder Messer in irgendeine Menschmenge stürmen und wahllos so viele töten wie möglich. Ob mich die Security dann mit dem finalen Schuss erledigen würde, ist doch völlig egal. So kann mein Leben nicht weitergehen. Ich wäre jedenfalls für „5 Minuten“ berühmt und könnte beruhigt abtreten mit dem Gefühl, etwas in meinem Leben erreicht zu haben. Aber unschuldige Menschen zu töten ist auch nicht fair.
Dann fangen wir mal mit meinem Lehrer an. Dieser hatte mich aus irgendeinem undefinierbaren Grund auf dem Kieker. Ich war an allem Schuld. Wenn irgendwas falsch gelaufen war, wenn verdächtigte er als erstes? Mich natürlich! Bei Aufsätzen war er nie meiner Meinung und schrieb ironische Kommentare an den Rand, meist war es dann eine 4 Minus. Ich konnte mich noch so sehr anstrengen, das Ergebnis war immer das Gleiche.
Auf der Uni wollte ich nur dazu gehören, was mir natürlich misslang. Meine dicken Brillengläser machten mich zum Außenseiter. Ich fand einfach keinen Anschluss, weil besonders ein Kommilitone mich dauernd lächerlich machte. Als Alphatier prägte er natürlich mein Image. Ich wurde gemobbt und konnte mich nicht wehren.
Dann war da noch der Dozent, der alles was ich von mir gab einfach zerpflückte, auch wenn es noch so fundiert war. Er verstand einfach mein Genie nicht. In den Vorlesungen pflegte er immer zu sagen „und was meint Herr Schmidt zu diesem Thema“ um mich vor versammelter Mannschaft lächerlich zu machen. Meist stammelte ich irgendwas zusammenhangloses und der gesamte Saal brach in Heiterkeit aus. Schön wäre es, wenn ich sie alle zusammentreiben könnte. Na ihr Nullen, jetzt bekommt ihr den Lohn für all die Demütigungen, die ihr mir bewusst zugefügt habt, nur weil ich mich nicht wehren konnte. Der Loser wird es euch jetzt zeigen. Na wollt ihr nicht um euer Leben betteln? Geht euch der Arsch auf Grundeis? Das sind Phantasien, die ich genieße.
Heute ist mein 25 Geburtstag und ich bin immer noch „Jungfrau“. Das sollte sich ändern. Ich machte mir selbst ein Geschenk und ging zum ersten Mal in den Puff. Ich war aufgeregt und unsicher. Wie wird das sein? So toll wie es immer beschrieben wird oder so wie wenn ich selbst alleine geübt habe? Der Anfang war schon ernüchternd. Als erstes musste ich das Geld auf den Tisch legen, Gehemmt wie ich war, zögerte ich beim Ausziehen. „Junge mach voran, ich habe nicht ewig Zeit, oder du legst noch einen Fuffi drauf“. Ich war völlig abgetörnt und nichts regte sich bei mir. Sie lachte mich aus und meinte nur:“ Wenn du jetzt glaubst, dass du dein Geld wieder bekommst, dann hast du dich getäuscht.“ Eigentlich hätte sie aus sämtlichen Krimis wissen müssen, dass so eine Bemerkung auch nach hinten los gehen kann. Beschämt zog ich mich wieder an und machte mich enttäuscht und auch zornig aus dem Staub.
Draußen stand der Arsch gegenüber dem Ausgang. „Na, hast du es ihr besorgt? Nein, wenn dich so anschaue mit deinen hängenden Schultern anschaue, war das wohl ein Schuss in den Ofen. Ha, ha, Schuss ist gut. Ein Loser wie du bringt doch nichts zustande.“ So ging es an einer Tour weiter. Loser, das war zu viel. Irgendwas zerbrach in mir und ich ging auf ihn los. Damit hatte er wohl nicht gerechnet, dass dieser „Loser“ ihm einen voll eines in die Fresse hauen würde. Er fiel um. Ich kniete mich auf ihn, konnte einfach nicht aufhören zu schlagen, immer und immer wieder. Sein Nasenbein war gebrochen, ein Schwall Blut strömte heraus. Die Augen waren langsam zugeschwollen, auch der Mund war nur ein blutiger Brei. Ich war wie von Sinnen, all die aufgestaute Wut musste heraus. Beim Weggehen trat ich ihm noch mal in die Rippen, was ihm noch mal ein stöhnen entlockte. Was soll’s. Er ist doch selbst schuld, quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es könnte geladen sein.
Ich habe ihn doch nur bestraft und keine Schuld, sonst nichts, bestraft, nur bestraft…….
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