Altes Brauchtum
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Feierabend-Mitglied
Samstag 05.09.2020, 05:29
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Altes Brauchtum
In meiner Kindheit gab es in der Vorweihnachtszeit Rituale, an die ich zurückdenke und die man heutzutage nicht mehr zu kennen scheint. Zu der entscheidenden Existenzsicherung der Berg- und Hüttenarbeiter im ländlichen Raum gehörte die Nebenerwerbslandwirtschaft. Da waren die „Geißen“, die mit ihrer Ziegenmilch mithalfen die Kinder zu ernähren. Die Kühe, die Schweine und Hühner und Karnickel waren die Lieferanten für Milch, Butter, Eier und den Sonntagsbraten. Und darum wurden die Tiere gehegt und gepflegt. So war es auch bei uns zuhause.
Und in der Vorweihnachtszeit hatten wir Kinder besondere Aufgaben. In der Futterküche, wo das Viehfutter zubereitet wurde, stand ein großer Häcksler. Zweimal in der Woche haben wir auf die Erde gefallene Äpfel, die beschädigt oder angefault waren, zusammen mit Zuckerrüben kleingehäckselt. Auf einen Eimer dieser Häckselmischung wurden drei Schaufeln Getreideschrot geschüttet und das war ein Festmahl für die Schweine. Bis Heiligabend wurden alle Äpfel und Birnen, die nicht selbst verbraucht werden konnten, so verfüttert.
Immer vor dem 1. Advent wurden Stall, Futterküche und Scheune gekalkt. Zu Weihnachten sollte alles schön sein. Wenn zu Weihnachten alles neu gestrichen war, sollte das im neuen Jahr Glück für alle Tiere des Stalles bringen. Natürlich war der Hauptgrund für die Maßnahme, daß die Räume durch den Kalk desinfiziert wurden. Wir Kinder bekamen aus Zeitungspapier gefaltete Hüte auf den Kopf und halfen beim „Weißeln“ kräftig mit.
Vor der Christmette wurde vor der Stalltüre eine Ladung Heu abgelegt. Wir Kinder hatten aus Weidenzweigen kleine Kreuze gebastelt. Die legt der Großvater in einen Korb und wir gingen mit ihm nach der Mette die gesegneten „Kreuze stecken“. An den Ecken aller unsere Felder wurde ein Kreuz gesteckt und für eine gute Ernte im nächsten Jahr gebetet. Kamen wir danach nach Hause, wurde das Heu mit Weihwasser aus der Mette besprenkelt und an die Ziegen und Kühe verfüttert. Das sollte sie gesund durch den Winter bringen.
In der Heiligen Nacht bekamen alle Tiere eine „Extraportion“ Futter. Sie sollten teilhaben an der Freude des Weihnachtsfestes. Wo eine gute Ernte und die Gesundheit der Tiere im wahrsten Wortsinn überlebenswichtig für die Menschen war, da lebte auch der Glaube an die Wunderwirksamkeit aller guten Taten für Feld und Flur und die Tiere im Stall. Die Achtung der Natur und die Fürsorge für Feld und Tiere war ökologisches Handeln, bevor man den Namen Umweltschutz kannte.