Als die Rentiere streikten (5)
Von
tastifix
Samstag 22.12.2018, 10:49
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tastifix
Samstag 22.12.2018, 10:49
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Ausgerechnet Klein-Fränzi fiel das Richtige ein. Zögerlich den Kopf hebend. sah er Nikolaus flehend an.
„Was ist!!?“, reagierte der ziemlich unwirsch.
„Nikolaus, uns tut es doch so leid und wir haben alles von uns aus zugegeben. Bei den Menschen auf der Erde, hat Kalli mal erzählt, fällt die Strafe dann etwas weniger hart aus. Könntest du denn nicht auch ... ? Bitte, bitte!“
Demütig scharrte Fränzi mit den Hufen. Die Anderen schlossen sich dem schleunigst an.
Nikolaus guckte zwar immer noch ziemlich sauer, aber die Vierbeiner kannten ihn gut genug und schöpften Hoffnung.
„Sag doch endlich etwas, Nikolaus!“
Der marschierte grübelnd auf und ab.
„Verdient habt ihr es eigentlich nicht. Aber eine solche Frechheit habt ihr euch ja noch nie erlaubt und werdet es hoffentlich auch ...“
„Niemals mehr wieder!!“
„Gut. Denn will ich mal Gnade vor Recht ergehen lassen!“, entschied Nikolaus. „Und nun die Augen zu!“
Kalli und seine Kameraden gehorchten.
´Was hat er nur vor?`
Sie spürten ein eigenartiges, ständig heftiger werdendes Kribbeln in den Schaufeln und an den Mäulern. Dann war es vorbei.
„Augen auf!“
Schüchtern blinzelten die Rentiere ins Helle. Nikolaus hatte den prächtigen Himmelsspiegel aufgestellt. Neugierig lugte Kalli hinein und war einem Herzschlag gefährlich nahe.
„Wie sehe ich denn aus?“
Sein Geweih streckte sich nicht mehr wie bei jedem anständigen Rentier stolz nach oben, sondern sah aus wie die Schaufel eines Baggers. Den Kameraden erging es kein bisschen besser. Goldis Maul ähnelte einem Staubsaugerrohr, Schnubi schleppte einen Schrubber, Knapps und Braunchen hingen Mikrofaser-Staubtücher an den Mäulern und Fränzi trug ein Kehrblech in der Schnauze.
„Jetzt verschwindet und wehe, wenn ihr eure Arbeit nicht ordentlich erledigt!!“
„Wie konnte er nur ... ?“
Die Sechs fühlten sich rentierelend.
„Die Engel kriegen nen ja nen Schreikrampf vor Lachen, wenn die uns so sehen!“
Dennoch galoppierten sie, von Gewissensbissen geplagt, zur nächst schwebenden Wolkenburg und schellten. Nichts passierte.
„Und was jetzt?“
Ratlos blickten sie sich an. Noch während sie überlegten, ob sie es wagen durften, unverrichteter Dinge wieder bei Nikolaus vorzusprechen, öffnete sich wie von Geisterhand die Tür und sie schlurften ins Engelsgemach.
„Ach, du Sch... !“, entfuhr es Braunchen.
„Biste verrückt, jetzt noch zu fluchen?“, wiesen ihn die Anderen ängstlich zurecht.
An den Wänden und auf den Möbeln pappten grässliche Klebeschmierereien, auf dem Teppich stapelten sich Unmengen an Papier- und Geschenkbandschnipseln und das edle, weiße Parkett verunzierten grauenhafte Plackafarb- und Tintenkleckse. Zudem wirbelten überall Federn umher.
„Die haben sich die Engel garantiert beim Geschenke schleppen ausgerissen!“, murmelten die Rentiere mitleidig.
Aber noch nicht einmal für das Mitleid haben blieb ihnen Zeit übrig. Jetzt mussten sie schuften. Kalli betätigte sich als Baggerschaufel und schaufelte den Papierkram zusammen. Goldi saugte währenddessen eifrig Federn auf. Knabbs und Braunchen machten Jagd auf jedes noch so winzige Staubkorn. Schnubi schrubbte das Parkett. Fränzi sauste mit dem Kehrblech hinterher und entsorgte den ganzen Weihnachtsmüll in die Himmelsbiotonne neben dem Eingang.
Hausarbeit war kein Zuckerschlecken, was die Sechs heftig zu spüren bekamen. Stunde um Stunde hatten sie sich abgemüht und noch immer war kein Ende abzusehen. Kalli schmerzte mittlerweile vom Schaufeln das Geweih. Goldi fühlte sich wie voll gesaugt. Schnubi spürte die Knochen kaum noch. Knapps und Braunchen verzweifelten an den stets neuen Scharen von Staubflocken und Fränzi hätte das Kehrblech am liebsten zur Erde gepfeffert, weil ihm inzwischen vom andauernden Bücken der Rücken schrecklich weh tat. Erst am späten Nachmittag durften sie aufatmen. Alles blinkte und blitzte wie vor den Festtagen. Völlig groggy von der Putzstrapaze hockten sich die Vierbeiner auf den Teppich, rieben die schmerzenden Knochen und stöhnten sich ausgiebig etwas vor.
„Nie wieder ärgere ich Nikolaus!“, jammerte Kalli.
„Nie, niiee wieder!!“, klagten seine Kameraden.
Kaum hatten sie es ausgesprochen, trug Kalli wieder sein stolzes Geweih. Goldis Rüssel bildete sich zu einem hübschen Maul zurück und Schnubis Schrubber, Knabbs und Braunchens Staubtücher wie auch Fränzis Kehrblech entschwebten in den wolkenburgischen Hauswirtschaftsraum.
Erleichtert galoppierten die Rentiere in übermütigen Sprüngen zum Stall zurück. Im Himmel war wieder alles okay.
Ich wünsche der FA-Redaktion und allen FA-Mitgliedern ein gemütliches Fest und ein gesundes neues Jahr!
Herzliche Grüße
Tastifix