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Als die Rentiere streikten (2)

Von tastifix Freitag 21.12.2018, 15:44

Es wurde eine sehr anstrengende Reise. Nikolaus wie auch die Rentiere atmeten auf, als endlich alles verteilt war und sie wieder zurück zum Stall flogen.
„Fertig!", freute sich Fränzi.
„Denkste!", widersprach Braunchen. „Morgen noch mal das Gleiche!"
„Ja, aber nicht mit uns", versetzte Kalli lustig.
„Wiiee??"
„Wir streiken nämlich!"
„Streik? O weia, das gibt Ärger!"
„Und was wird dann mit den Geschenken?"
„Die bringen die Engel zur Erde!", verriet Kalli. „Wir spielen nämlich alle krank. Dann muss Nikolaus notgedrungen sie mit den Gaben nach unten schicken. Sonst stehen zu Weihnachten Millionen von Kindern traurig unterm Tannenbaum!“

Am nächsten Tag betrat Nikolaus den Stall:
„Auufstehen!“
Nichts rührte sich.
„Habt ihr nicht gehört? Na, aber dalli!“
Die Rentiere blieben liegen. Verunsichert stapfte Nikolaus von einem zum anderen und erschrak gewaltig. Goldi stöhnte leise, Braunchen, Knabbs sowie Schnubi kauerten dort mit halb geschlossenen Augen und bewegten keinen Huf. In der hintersten Ecke wimmerte Fränzi laut herum.
„Oh nein! Was ist denn mit euch los?“
„Mir ist soo schlecht!“, stöhnte Schnubi.
„Mein Bauuch!“, meldeten sich Knabbs und Braunchen matt.
„Nen d..doppelter N..Nikolaus!“
Kalli litt scheinbar schon unter Wahnvorstellungen.
„Ihr Armen!!“
Auf Zehenspitzen verließ Nikolaus den Stall und kam fast um vor Sorge:
„Sie haben sich hoffentlich nicht mit der Höllen-Grippe angesteckt?“
Aber, je länger er darüber nachgrübelte, für umso unwahrscheinlicher hielt er es. Dagegen kam ihm plötzlich ein völlig anderer Gedanke:
„Oder haben sie heimlich zu viel von der Rentierminze genascht, sind total beschwipst gewesen und nun quält sie ein furchtbar Kater!??“
Doch er vertraute seinen Tieren und verwarf es wieder, eilte ins Haus, griff sich den Erste-Hilfe-Kasten und hastete zurück in den Stall. Dort verteilte er warme Umschläge und Extra-Hafer-Happen mit Anti-Übelkeit-Tabletten.
„Ihr bleibt heute hier drinnen und ruht euch aus. Verstanden!?“
Ganz offensichtlich waren die Vierbeiner zu keiner Antwort mehr fähig.

Kurz entschlossen marschierte Nikolaus zu den Jungengeln.
´Na, die werden sich umgucken!`
Obwohl sie wegen des Vollmondes kaum Schlaf gefunden hatten, war die Halbstarkenbande erstaunlicherweise bereits auf den Beinen.
„Hört zu: Die Rentiere sind schwer erkrankt. Ihr müsst heute also deren Arbeitspensum übernehmen!“
„Wie bitte? Wir sollen all die Pakete schleppen!?“
„Keine Widerrede oder ich melde es dem Chef!“
Das wirkte.
Kurz darauf beluden sich die Engel mit den Geschenken und düsten zur Erde.
„Aua, ich hab mir ne Feder abgequetscht!“
„Uff, sind die schwer!“
„O je, ich hab tatsächlich eines verloren!“
Der kleine Hund der Familie Meier in Hundhausen hatte es bekommen sollen, weil er oft so schrecklich gefroren hatte. Stattdessen freute sich nun der Wetterhahn auf der Kirchturmspitze über den roten Mantel. Stolz bestaunte er sich im Fensterspiegel des gegenüber stehenden Hochhauses.
„Kikeriki! Oh, wie schick!!“
Stunden um Stunden vergingen. Mittlerweile stöhnten die Engel vor Anstrengung. Ihre Hände trugen Schwielen, die Flügel sahen total ramponiert aus und die Gewänder starrten vor Dreck.
„Ich kann nicht mehr!“
„Und diese Knochenarbeit erledigen die Rentiere wirklich jedes Jahr aufs Neue!“
Sie bereuten es tief, dass sie die Sechs so geärgert hatten und traten, nachdem alle Gaben abgeliefert worden waren, ausgesprochen kleinlaut den Rückflug an. Völlig groggy erreichten sie schließlich ihre Wolkenburg.

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