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Als die Rentiere streikten (2)

Von tastifix Montag 04.12.2023, 18:37 – geändert Dienstag 05.12.2023, 12:16

Anderntags betritt Nikolaus besonders früh den Stall.
"Aufstehen!!"
Nichts rührt sich.
„Habt Ihr nicht gehört? Na, aber dalli!“
Die Rentiere bleiben liegen. Verunsichert geht Nikolaus von einem zum anderen und erschrickt gewaltig. Goldi stöhnt leise, Braunchen, Knabbs sowie Schnubi kauern dort mit halb geschlossenen Augen und bewegen noch nicht mal einen Huf. In der hintersten Ecke wimmert Fränzi laut herum.
„Oh nein! Was ist denn mit Euch los?“
„Mir ist soo schlecht!“, stöhnt Schnubi.
„Mein Bauch!“, melden sich Knabbs und Braunchen matt.
„´Nen doppelter Nikolaus!“
Kalli leidet wohl schon unter Wahnvorstellungen.
„Ihr Armen!!“

Vor Sorge fast umkommend, verlässt Nikolaus auf Zehenspitzen den Stall wieder:
´Hoffentlich haben sie sich nur nicht mit der Höllengrippe angesteckt?!`
Aber, je länger er darüber nachgrübelt, für umso unwahrscheinlicher hält er es. Dagegen kommt ihm plötzlich ein völlig anderer Gedanke:
„Oder haben sie heimlich zuviel von der Rentierminze genascht, sind total beschwipst gewesen und nun quält sie ein furchtbarer Kater!??“
Doch er vertraut ja seinen Tieren und verwirft den fix wieder. Er eilt zurück ins Haus, greift sich den Erste-Hilfe-Kasten und hastet zurück in den Stall. Dort verteilt er warme Umschläge und Extra-Hafer-Happen mit Anti-Übelkeit-Tabletten.
„Ihr bleibt heute hier drinnen und ruht Euch aus. Verstanden!?“
Ganz offensichtlich sind die Vierbeiner zu keiner Antwort mehr fähig.

Kurz entschlossen stapft Nikolaus zu den Jungengeln.
´Na, die werden sich umgucken!`
Obwohl sie wegen des Vollmondes kaum Schlaf gefunden haben, ist die Halbstarkenbande erstaunlicherweise schon auf den Beinen.
„Hört zu: Die Rentiere sind schwer erkrankt. Ihr müsst also deren Arbeitspensum übernehmen!“
„Wie bitte? Wir sollen all die Pakete schleppen!?“
„Keine Widerrede oder ich melde es dem Chef!“
Es wirkt.

Kurz darauf beladen sich die Engel mit den Geschenken und düsen zur Erde.
„Aua, ich hab mir ne Feder abgequetscht!“
„Uff, sind die schwer!“
„O je, ich hab tatsächlich eines verloren!“
Es ist für den kleinen Hund der Familie Meier in Hundhausen bestimmt gewesen, der so oft schrecklich friert. Stattdessen freut sich nun der Wetterhahn auf der Kirchturmspitze über den roten Mantel. Stolz bestaunt er sich im Fensterspiegel des gegenüber stehenden Hochhauses.
„Oh, wie schick!!“

Stunden um Stunden verrinnen. Mittlerweile stöhnen die Engel vor Anstrengung. Ihre Hände tragen Schwielen, die Flügel sehen total ramponiert aus und die Gewänder starren vor Dreck.
„Ich kann nicht mehr!“
„Und diese Knochenarbeit erledigen die Rentiere wirklich jedes Jahr aufs Neue!“
Sie bereuen es tief, dass sie zu den Sechsen so fies gewesen sind und treten, nachdem sieballe Gaben abgeliefert haben, ausgesprochen kleinlaut den Rückflug an. Völlig groggy erreichen sie schließlich ihre Wolkenburg. ...

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