Als die Rentiere streikten (4)
Von
tastifix
Freitag 21.12.2018, 16:16 – geändert Freitag 21.12.2018, 16:17
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tastifix
Freitag 21.12.2018, 16:16 – geändert Freitag 21.12.2018, 16:17
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Mit bis zum Boden gesenkten Köpfen und wackelnden Beinen machten sie sich auf den Weg.
„Sag du es!“
„Nein, du kannst es bestimmt besser!“
„Feigling!“
„Angsthase!“
„Bin kein Hase. Bin ein Rentier!“, schmollte Fränzi.
„Hört auf zu streiten. Jetzt heißt es zusammenzuhalten!“, mahnte Kalli energisch. „Also: Ich habe euch zu dem Mist angestiftet. Deshalb werde selbstverständlich ich mit ihm reden.“
Kurz darauf standen sie vor seinem Haus und schauen durchs Fenster.
„Drinnen brennt Licht. Er ist also da!“
Die Rentiere tauschten bange Blicke, aber ein Zurück gab es nicht mehr. Kalli klopfte mit dem Huf gegen die Tür. Sie hörten die vertrauten, schlurfenden Schritte und Nikolaus öffnete.
„Wiiee? Was macht ihr denn hier?? Ihr solltet euch doch ausruhen!“
„Wir m..müssen dir etwas s..sagen!“, stotterte Kalli und vermied es, ihn dabei anzusehen.
„Genau, etwas ganz W..Wichtiges!“, starrten die Anderen verschämt zu Boden.
„Kommt erst einmal rein!“
Im Wohnzimmer quetschten sich Kalli, Goldi und Knabbs aufs Sofa, Schnubi und Braunchen hockten sich auf den Teppich und Klein-Fränzi verzog sich schlotternd unter den Couchtisch. Von dort schielte er hoch zu Nikolaus.
„Uund??“, forschte der.
Erst stockend, dann immer fließender beichtete Kalli den Streit mit den Jungengeln, dass sie auf die schwer sauer gewesen waren und was sie gemacht hatten, um ihnen eins auszuwischen.
„Zur Strafe sollten die mal die Geschenke zur Erde schleppen anstatt immer wir!!“
„Ihr habt euch also nur verstellt, ihr seid überhaupt nicht krank gewesen?“
Weiß wie die Wand hockte Nikolaus im Lehnstuhl. „Und euch habe ich vertraut! Wie konntet ihr nur ... ?“
Das fragten sich die Rentiere auch gerade. Für mehrere Minuten herrschte eine unheimliche Stille im Raum. Dann flüsterte Nikolaus:
„Kalli, dass ausgerechnet Du, mein aller ältester Rentierfreund, mir das angetan hast ...“
„Mir tut es so schrecklich leid, Nikolaus!“
Eine dicke Rentierträne rollte ihm übers Gesicht.
„Und uns auch!“, schluckten die Anderen im Chor.
Nikolaus erhob sich, trat ans Fenster und betrachtete das Sternenmeer. Dann wandte er sich zu den Tieren um:
„Geht, lasst mich allein! Dass es eine deftige Strafe nach sich ziehen wird, dürfte euch klar sein. Ich gebe euch noch Bescheid!“
Gebrochenen Herzens schlichen die Vierbeiner zurück in den Stall.
„Noch gemeiner hätten wir ja auch gar nicht sein können!"
„Immerhin haben wir es freiwillig zugegeben!“, versuchte Goldi die Kameraden aufzumuntern.
Doch vergebens. Kaum im Stall angekommen, verkroch sich jedes Rentier in eine Ecke und wälzte sich die ganze Nacht lang schlaflos hin und her.
Früh am nächsten Morgen bullerte jemand mit den Fäusten dröhnend gegen die Stalltür. Erschrocken schnellten die Rentiere hoch.
„Bestimmt Nikolaus ...“
Kalli schielte auf die Vorderlaufuhr, ein Geschenk von Nikolaus an ihn als Zeichen der Anerkennung seiner treuen Dienste.
´Halb sechs. Ist der verrückt geworden?`
„In spätestens fünf Minuten sehe ich euch hier draußen. Ist das klar!?“
Die Stimme verriet Unheil. Hastig schlappten die Rentiere einen Schluck Wasser, mümmelten einen Haferhalm, sortierten eilig die schlotternden Beine und stolperten in die Eiseskälte hinaus.
„M..Morgen!“
Nikolaus brummte nur etwas Undefinierbares in den Bart, durchbohrte die Vierbeiner mit stahlharten Blicken und bombardierte sie dann mit einer Strafpredigt, die sich gewaschen hatte.
„So: Weihnachten ist vorbei. In sämtlichen Wolkenburgen der Engel sieht es aus wie auf Schlachtfeldern. Und die werdet ihr so lange schrubben, bis ich selbst mit einer Lupe kein einziges Staubkorn mehr entdecken kann. Verstanden!??“
„Aber ... ,“ muckte Kalli auf.
Seine Kameraden duckten sich sicherheitshalber.
´Woher nimmt Kalli jetzt dazu bloß noch den Mut?`
Goldi versetzte dem Freund heimlich einen Tritt.
„Au!“, quietschte Kalli.
„Sscht! Du machst alles nur noch schlimmer!“
„Abeeer!?“, brüllte Nikolaus Kalli an.
„Neihein, nichts!“
„Ist auch dein Glück!“