Allmacht (4. Teil)
Von
tastifix
Montag 09.09.2019, 13:19
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tastifix
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Noch passender wäre gewesen ´Wauwau`. Denn ich war ja ein Hund, sogar einer mit blauem Blut. Ääh, meines war eigentlich nur pseudoblau. Als emanzipierte Hündin hatte sich Mama gegen den Vorschlag des Züchters entschieden und ihre Zuneigung einem Chowchow geschenkt. Aber
genau war ich nie darüber aufgeklärt worden. Klar, ihre Liebesgeheimnisse hatte sie für sich behalten.
Als ich jetzt so auf die vielen Rascheldinger schielte, erholte sich mein Selbstbewusstsein recht fix. Bei soviel Schwarz, machte ich mir Mut, würde bestimmt der Aufnahme in die hündische Seligkeit nichts im Wege stehen.
„Was dort wohl alles drauf steht?“
Zu gerne hätte ich ein wenig darin herum geschnüffelt.
´Vielleicht würde ich dann erfahren, wer wirklich mein Papa ist?`
Aber für einen Hund aus gutem oder auch einem aus nur halb gutem Hause geziemte sich sowas nicht. Das hatte mir Mama schon ganz früh beigebracht. Tüchtige Mama, ich ein braver Sohn. Also unterließ ich es.
„Der Herr kommt sofort!“, kündigte Petrus in andächtigem Ton an.
„Gelobt sei Gott!“, kam die prompte Antwort von Franziskus, genauso andächtig.
Ich schwieg zwar dazu, aber es beschäftigte mich ungemein:
´Wird der liebe Gott etwa auch jedes Mal gelobt, wenn er kommt? Und besonders, wenn er sofort kommt?? - Hat Frauchen mit mir ja gemacht, wenn ich in Ausnahmefällen aus Versehen sofort gehorcht habe! - Ob der zur Belohnung ebenfalls hinter den himmlischen Ohren gekrault wird?`
Ich zog den sicherlich richtigen Schluss, dass dann aber der Bart des Jüngers Nummer Eins den Heiland beträchtlich im Nacken kitzeln würde. So wie mich früher manchmal Frauchens Haare.
„Es kann noch einen Moment dauern“, meinte Petrus. „Setzt euch doch. Macht es euch gemütlich.“
Ich schaute umher.
´Klasse, überall Hundeluxuskörbe und wie zu hause ausgestattet mit weichen Kopfkissen und Decken.`
Gleich fühlte ich mich ein wenig heimischer.
´Und erst die tollen Bezüge!`
Nach kurzem Zögern plumpste ich voll des hämischen Genusses auf ein Oberbett mit miauenden Kratzbürsten. Endlich konnte ich viele von denen auf einmal platt machen.
„Ja“, erklärte gerade Petrus dem Franziskus, „Der Herrgott muss sich noch ein paar Minuten mit einer Dogge auseinandersetzen. Die hat wirklich ohne triftigen Grund ihren Besitzer gebissen.“
Es jagte mir einen Schauder der Empörung übers Fell und mir sträubten sich die Nackenhaare.
„Was hat die ...? Und die ist auch … ?“
Mein Gerechtigkeitsempfinden erlitt einen gehörigen Schock. Schließlich war ´Beißen` eine Todsünde. Was hatte das Vieh dann hier zu suchen? Und mit der sollte ich mir etwa bis in alle Ewigkeit (mir war immer noch nicht klar, was das eigentlich war?) den Hundehimmel teilen??
„Ich habe bereits eine Sms zur Vorhölle geschickt, damit sie abgeholt wird“, versuchte Petrus mich zu besänftigen.
„Vorhölle??“, japste ich knurrend nach himmlischer Luft. ´Solch ein über den Rest der Hundewelt Schande bringendes Exemplar gehört für alle Ewigdingsbums auf die höllische Mistgabel aufgespießt.` - „Fletsch!“
Petrus hatte wohl das zutreffende Gefühl, eine noch etwas genauere Schilderung der Sachlage abgeben zu müssen, wenn er seinen Herrn nicht mit dem Ruf eines ungerechten Schöpfers im Regen stehen lassen wollte.
„Sie bekommt mildernde Umstände“, hub er an.
´Waaas? Das auch noch!??`
Mehr ließ das mich lähmende Entsetzen darüber nicht zu.
„Es verhielt sich nämlich so: Ihr Herrchen war klapperdürr und deshalb glaubte sie wohl eines Hochsommertages - bedingt durch einen Sonnenstich -, sie hätte ein in seiner Größe für sie passendes Superleckerchen vor der Nase. In Bezug auf jenen tragischen Moment ist sie eindeutig unzurechnungsfähig gewesen.“
´Tolle Rechtsprechung!`, sagte ich mir. ´Ist ja fast wie auf Erden. Dort werden ja auch am laufenden Band so dermaßen makabre Urteile gefällt.`
Dort wurden Zweibeiner, die Menschenwelpen abgemurkst hatten, tatsächlich noch in teuren Menschenkrankenhäusern mit Samtpfoten umsorgt und verübten dann nach ihrer Entlassung, (manchmal gar vorzeitig wegen angeblich guter Führung), mit frischer Energie weitere Verbrechen. In meiner Magengrube grummelte es heftig.
„Aber brechen tue ich deretwegen nicht. Das sind die nicht wert!“
Petrus verschwand, um Miss Dogge einzufangen, die sich vor dem Abtransport zur Hölle garantiert frech ein letztes Mal den Bauch mit geklauten himmlischen Schweineohren vollschlug. Skrupellos, wie die war, schnappte die sich bestimmt drei auf einmal.
„Hoffentlich,“, jaulte ich bei dieser grauenhaften Vorstellung, „verwandelt sich das extra leckere Schluckerzeug in brutal einschlagende Beruhigungsspritzen. Dann ist das Vieh wenigstens außer Gefecht gesetzt!“
So ungefähr verarzteten ja die Menschen ihre Artgenossen, falls die sich maßlos unverschämt daneben benommen hatten.
Schon kehrte Petrus zurück und wirkte sichtlich erleichtert:
„Entwarnung! Das Biest sind wir los. Oberwachtteufel Satanus hat sie gerade abgeführt. Je nachdem, ob und wie viele Teufel sie beisst, kann sie nach angemessener Aufenthaltsdauer dort unten nochmals Himmelsasyl beantragen. Also: Friede den Menschen auf Erden. Und Friede, Freude, Eierkuchen erst recht hier bei uns!“
Mehr als geschockt, sann ich nicht noch länger über diese letzte Bemerkung des heiligen Mannes nach ...