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Allmacht (3.Teil)

Von tastifix Samstag 07.09.2019, 18:05

So trat ich meine letzte große Reise an, begleitet auf diesem richtungweisenden Weg von Schutzengel Franziskus, der sich mir, ohne dass ich es sofort gemerkt hätte, zugesellt hatte.
„Keine Angst! Du warst stets ein braver Hund. Dir ist ein Platz im Himmel sicher!“
Wir durchflogen die dichte Wolkendecke und schwerelos immer weiter in den Weltraum hinein. Wie lang der Flug dauerte und genauso, in welcher Richtung wir uns bewegten, konnte ich nicht sagen, denn im All gibt es kein Oben und Unten, kein Rechts und Links.Trotz der mich umgebenden Dunkelheit fühlte ich mich so neben Franziskus geborgen.
„Wann sind wir da?“
Lächelnd erwiderte er:
„Das, was Dir irrsinnig lang erscheint, ist nur ein winziger Teil der Ewigkeit."
Ich guckte verständnislos.
„Wir haben gleich unser Ziel erreicht. Mach für einen Moment die Augen zu und öffne sie erst wieder, wenn ich es dir sage. Hab Vertrauen.“
Darauf hinzuweisen war unnötig. Ich hatte Franziskus auf Anhieb gut leiden können, denn, wie ich wusste, war der stets sehr lieb zu Tieren ... Brav kniff ich die Augen zu und wartete. Jeder Moment erschien mir irre lang, so, wie ich mir eben einen Moment des Ewigdings vorstellte.

Doch wenig später flüsterte mir Franziskus die ersehnten Zauberworte ins Ohr:
„Das Eingangstor zum Hundehimmel!“
Neugierig riskierte ich einen schüchternen Blick und riss dann die Augen weit auf.
„Wuhuuh! So etwas Schönes!!“
Vor uns stand ein riesiges halbrundes Tor, grün wie das satte Gras auf der Wiese in meinem ehemaligen Revier. Vage kehrte die Erinnerung daran zurück - und mit ihr die an mein geliebtes Frauchen.
„Ob sie immer noch weint, weil ich fort bin?“
Um nicht selber traurig zu werden, verdrängte ich den Gedanken schnell. Denn für Traurigkeit ist der Hundehimmel wirklich nicht der richtige Ort.

Ich schnupperte. Es rocht tatsächlich wie Royal canin, Eukanuba, Pedigree pal und Chappi zusammen.
„Werden hier auch Leckerchen spendiert?“
Mein Blick streifte nochmals das grüne Tor. Ich konnte es kaum fassen. Rings herum wuchsen Schweineohren, Ochsenziemer, Kaustangen und sogar die dicken Kauknochen, die ich immer in den Schaufenstern der Zoogeschäfte so sehr bewundert hatte. Und am Tor klebten viele Hundeschokoladensmarties.
„Bestimmt für all die lieben Hunde hier im Himmel, die wie ich auf Erden ihre Pflichten gewissenhaft erfüllt haben!“
Aber das Tollste daran - wie ich es viel später mal beobachtete - war: Stibitzte ein Vierbeiner einen Leckerbissen, so wuchs an der Stelle sofort ein neuer nach.

„Und, was wird jetzt …?“
Aber Franziskus verriet nichts. Stattdessen pflückte er einen in der Nähe wachsenden Kauknochen und pochte damit energisch an die Tür. Der machte dabei einen Lauscher betäubenden Lärm. Unwillkürlich erinnerte ich
mich daran, wie sauer Frauchen reagiert hatte, wenn ich mittags im Garten gebellt hatte.
„Wir haben Mittagszeit, Knödel!“, hatte sie mich schleunigst ins Haus geholt.
Ein wenig vorwurfsvoll sah ich Franziskus an. Doch hatte ich mich, weil ich ja hier noch fremd war, gefälligst mit Ermahnungen zurückzuhalten:
„D..duu, n..nicht so`n Krach machen. Wir haben Mittagszeit!“
Aber anscheinend verstand auch der sich auf taube Ohren.

Nach dem dritten Bumm öffnete sich endlich laut knarrend das Tor.
´Naja, Ist ja auch schon uralt!`
Vor uns stand ein verschlafen blinzelnder Zweibeiner mit einem langen, weißen Bart und guckte ein wenig brummig. Schnell versicherte ich mir:
„Ich hab ja drauf hingewiesen, dass wir Mittagszeit haben!!“
„Hallo, Franziskus!“, begrüßte der aber dann wider Erwarten herzlich meinen Begleiter.„Wen bringst Du mir denn da?“
„Guten Tag, Petrus! Das ist Knödel. Ein ganz besonders braver Hund!“
„Na, Knödel, dann zeig mir mal Deine Papiere. Ohne die darf ich dich nämlich hier nicht reinlassen.“
„P..Papiere?“, stotterte ich verzweifelt.
O je, hätte ich doch wenigstens den Impfausweis mitgenommen. In dem standen zumindest mein Name und das Geburtsdatum. Hilfesuchend schielte ich zu Franziskus.
„Alles in Ordnung,“, meinte er beschwichtigend und kramte aus den Falten seiner himmlischen Kutte einen Stapel Raschelzeug mit furchtbar viel Schwarz drauf.
Vor Überraschung machte ich laut `Wuff`. Obwohl ich ja eigentlich keinen Krach machen wollte.
´Was soll`s! Petrus ist jetzt ohnehin wach.`

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