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Allmacht (2)

Von tastifix Freitag 03.03.2023, 13:41

Dann trat ich die letzte große Reise an, geleitet von Schutzengel Franziskus, der plötzlich an meiner Seite war.
„Keine Sorge! Du warst stets ein braver Hund. Dir ist ein Platz im Himmel sicher!“
Wir flogen zwischen weißen Wolken empor und immer weiter in den Weltraum hinein.Wie lang es dauerte und genauso, in welcher Richtung … Keine Ahnung, denn dort gibt es kein Oben und Unten, kein Rechts und Links.Trotz der Dunkelheit fühlte ich mich so neben Franziskus geborgen.
„Wann sind wir da?“
Lächelnd erwiderte er:
„Es kommt Dir so lange vor, ist aber nur ein winziger Teil der Ewigkeit."
Ich guckte verständnislos.
„Wir sind gleich am Ziel. Mach mal die Augen zu und öffne sie erst wieder, wenn ich es Dir sage. Hab Vertrauen.“
Darauf hinzuweisen war überflüssig. Ich hatte Franziskus auf Anhieb gut leiden können, denn, wie ich wusste, war der stets sehr lieb zu Tieren ... Brav kniff ich die Augen zu und wartete.

Doch schon bald flüsterte mir Franziskus die ersehnten Zauberworte ins Ohr:
„Das Eingangstor zum Hundehimmel!“
Neugierig riskierte ich einen schüchternen Blick und riss dann die Augen weit auf.
„Wuhuuh! So etwas Schönes!!“
Das Tor war riesig und halbrund, grün wie das satte Gras auf der Wiese in meinem ehemaligen Revier. Ich dachte kurz daran zurück und auch an mein geliebtes Frauchen.
„Ob sie immer noch weint, weil ich fort bin?“
Ich selber wollte aber jetzt nicht traurig werden und verdrängte den Gedanken schnell. Denn für Traurigkeit ist der Hundehimmel wirklich nicht der richtige Ort.

Ich schnupperte. Es rocht wie Royal canin, Eukanuba, Pedigree pal und Chappi zusammen.
„Werden hier auch Leckerchen spendiert?“
Ich sah mir das grüne Tor nochmal genauer an. Ringsherum wuchsen Schweineohren, Ochsenziemer, Kaustangen und sogar die dicken Knochen, die ich stets in den Schaufenstern der Zoogeschäfte so toll gefunden hatte. Und am Tor selber klebten viele Hundeschokoladensmarties.
„Bestimmt für all die hier, die wie ich auf Erden sehr gehorsam gewesen sind!“
Aber das Tollste daran war - wie ich es viel später mal beobachtete: Stibitzte ein Hund einen Leckerbissen, so wuchs sofort ein neuer nach.

„Und, was wird jetzt …?“
Aber Franziskus schwieg, pflückte einen in der Nähe wachsenden Knochen und pochte damit energisch an die Tür. Es war einen Lauscher betäubender Lärm. Prompt erinnerte ich mich daran, wie sauer Frauchen reagiert hatte,wenn ich mittags im Garten gebellt hatte.
„Wir haben Mittagszeit, Knödel!“, hatte sie mich schleunigst ins Haus geholt.
Doch musste ich mich hier, weil ja noch fremd, gefälligst mit deftigen Vorwürfen zurückzuhalten. So meinte ich nur:
„D..duu, besser n..nicht so`n Krach machen.Wir haben ja Mittagszeit!“
Aber anscheinend machte Frasziskus das so ähnlich wie ich früher oft und hörte einfach weg.

Nach dem dritten Bumm öffnete sich das Tor laut knarrend.
´Naja, ist ja auch schon uralt!`
Vor uns stand ein verschlafen blinzelnder Zweibeiner mit einem langen weißen Bart und guckte ein wenig brummig. Schnell sagte ich mir:
´Ich hab ja auf ´Mittagszeit` hingewiersen!!`
„Hallo, Franziskus!“, begrüßte der aber wider Erwarten freundlich meinen Begleiter. „Wen bringst Du denn da?“
„Guten Tag, Petrus! Das ist Knödel. Ein ganz besonders braver Hund!“
„Na, Knödel, dann zeig mal Deine Papiere. Ohne die darf ich Dich nämlich hier nicht reinlassen.“
„P..Papiere?“, stotterte ich verzweifelt.
O je, hätte ich doch wenigstens den Impfausweis mitgenommen. In dem standen zumindest mein Name und das Geburtsdatum. Hilfesuchend schielte ich zu Franziskus.
„Alles in Ordnung,“, meinte er beschwichtigend und kramte aus den Falten seiner Kutte einen Stapel Raschelzeug mit sehr viel Schwarz darauf.
Vor Überraschung machte ich laut `Wuff`. Obwohl ich ja eigentlich keinen Krach machen wollte.
´Was solls! Petrus ist jetzt ohnehin wach.`
Noch richtiger wäre gewesen ´Wauwau`. Denn in den Papieren stand, dass ich ein Hund war, sogar einer mit blauem Blut. Ääh, meines war eigentlich nur pseudoblau. Mama war sehr selbstbewusst gewesen, hatte sich gegen den Vorschlag des Züchters entschieden und ihre Zuneigung wohl einem Chowchow geschenkt. Aber Genaueres hatte sie mir nie erzählt, eben ihre Liebesgeheimnisse für sich behalten.

Als ich jetzt auf die vielen Rascheldinger schielte, fühlte ich mich gleich ein wenig sicherer. Bei soviel Schwarz stand dort bestimmt auch viel Gutes über mich und der Aufnahme hier nichts im Wege.
„Was steht da wohl alles?“
Zu gerne hätte ich ein wenig darin herum geschnüffelt.
´Vielleicht wüsste ich dann endlich, wer wirklich mein Papa ist?`
Aber für einen Hund aus gutem oder auch aus nur halb gutem Hause gehörte sich das nicht. Das hatte mir Mama schon ganz früh beigebracht.Tüchtige Mama, ich ein braver Sohn. Also ließ ich es auch.
„Der Herr kommt sofort!“, kündigte Petrus ernst an.
„Gelobt sei Gott!“, antwortete prompt Franziskus, genauso ernst.
Ich schwieg dazu, aber … :
´Wird der liebe Gott etwa auch gelobt, wenn er sofort kommt?? - Hat Frauchen mich ja auch, wenn ich aus Versehen mal sofort gehorcht habe! - Ob der zur Belohnung dann gleichfalls hinter den Ohren gekrault wird? Dann kitzelt ihn aber Petrus` Bart im Nacken. So wie mich früher manchmal Frauchens Haare.`
„Es kann noch einen Moment dauern“, meinte Petrus. „Setzt Euch. Macht es Euch gemütlich.“
Ich schaute umher.
´Klasse, überall Hundeluxuskörbe und wie zu hause mit weichen Kopfkissen und Decken.`
Gleich fühlte ich mich weniger fremd. Nach kurzem Zögern plumpste ich auf ein Oberbett mit Bildern miauender Kratzbürsten. Endlich konnte ich viele von denen auf einmal platt machen.
„Ja“, erklärte Petrus Franziskus, „Gott muss sich noch mit einer Dogge auseinandersetzen. Die hat doch wirklich ihren Besitzer gebissen.“
Mir sträubte sich das Nackenfell:
„Was hat die ...?“
Nein, war ja unmöglich! ´Beißen` war streng verboten. Und mit der sollte ich mir etwa bis in alle Ewigkeit (mir war immer noch nicht klar, was das eigentlich war?) den Hundehimmel teilen??
„Ich habe bereits eine Sms zur Vorhölle geschickt, damit sie abgeholt wird“, wollte mich Petrus besänftigen.
„Nur Vorhölle??“, japste ich knurrend nach Luft.
„Die muss ganz schrecklich und für alle Ewigdingsbums bestraft werden!! - Fletsch!“

Petrus merkte wohl, dass er es noch genauer erklären musste, damit wir nicht denken sollten, dass Gott vielleicht gar ungerecht wäre.
„Sie bekommt mildernde Umstände“, fing er an.
´Waaas? Das auch noch!??`
Ich konnte es nicht fassen.
„Es verhielt sich nämlich so: Ihr Herrchen war klapperdürr und deshalb glaubte sie wohl eines Hochsommertages, sie hätte ein in seiner Größe für sie passendes Superleckerchen vor der Nase. Garantiert hatte sie zu viel Sonne abbekommen, sonst wäre es bestimmt nie passiert.“
´Wuff!`, sagte ich mir. ´Kommt mir bekannt vor. Stimmt: Frauchen hatte mal erzählt, dass manche Zweibeiner, die Menschenwelpen gequält hatten, tatsächlich noch von Menschenärzten umsorgt wurden, und dann, wenn sie wieder draußen herum laufen durften, genauso weitermachten.`
Bei dem Gedanken daran wurde es mir übel.
„Aber brechen tue ich deretwegen nicht. Das sind die nicht wert!!“
Petrus verschwand, um die Dogge einzufangen, die sich vor dem Abtransport zur Hölle garantiert frech ein letztes Mal den Bauch mit geklauten himmlischen Schweineohren vollschlug. Bestimmt gleich drei auf einmal.
„Hoffentlich,“, jaulte ich, „verwandeln die sich dann in fiese Spritzen. Dann kann dieses Biest wenigstens nichts mehr anstellen!“
So ungefähr machten es ja die Menschen mit Artgenossen, die sich unverschämt daneben benommen hatten. ...


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