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Achnee, ist doch überall ähnlich!

Von tastifix Donnerstag 28.04.2022, 16:56 – geändert Freitag 29.04.2022, 07:57

„Puuh, geschafft! Endlich Ruhe, Kinder im Bett!“
Es war Hochsommer und die Kleinen waren echt anstrengend gewesen. Die Hitze hatte sie arg mitgenommen. Aufatmend plumpste ich in den Liegestuhl, betrachtete all das Grün und die Blumen um mich her, hatte vor, so richtig zu relaxen, schlief prompt ein und bot wohl den Anblick vollster Zufriedenheit.

Meine gefiederten Freunde im Garten merkten, dass ich sie ausnahmsweise nicht beachtete, sondern eindeutig vor mich hin träumte. Sie selber plagten sich noch mit ihrem Nachwuchs und ich lag dort und schlief.
„Seufz, piep!“
"Sollen wir sie mal fragen, wie sie ...? Krächzi, fällt Dir vielleicht ein, wie wir sie wecken können? Ich meine, jetzt hätte sie doch mal Zeit ... "
Das kam von Wippi, dem Rotkehlchen, das so hieß, weil es so gern mit den Schwanzfedern wippte. .
„Hast Du denn keine Idee?“,krächzte Krächzi Krähe zurück.
Laut zu krächzen, wusste er aus Erfahrung, würde mich zu sehr erschrecken.
„Du, schlug Wippi vor, „die Meisen trauen sich bestimmt nicht. Lass uns doch Ambrosius fragen. Aber Der kennt sie ja recht gut ... “
Aber Ambrosius, frisch gebackener Amselpapa von vier Küken, war zum Trillerwettbewerb und nicht erreichbar. Handys haben Vögel ja nicht. Also beschlossen Wippi und Krächzi, Mami, seine Liebste, um Rat zu bitten.

Mami war noch dabei, die letzten Reste des Regenwurm-Mücken-Salates an ihren Nachwuchs zu verfüttern. Der schien inzwischen fast satt zu sein, bettelte nämlich nicht mehr nach mehr und wirkte ebenfalls müde. Aber ausgerechnet dann hüpfte Wippi vors Nest:
„Mami! Maami!“
„Psst! Was ist denn?“
„Piep, stell Dir vor: Gaby liegt tatsächlich im Liegestuhl und schläft. Du aber fütterst immer noch ... "
Es verschwieg tunlich, dass auch ich sehr wohl oft viel länger als an diesem Tag meine Kinder umsorgte.
„Hm,pieppiep, wie lange denn schon?"
Mami wurde nachdenklich. Sie hatte ja schon immer mal vorgehabt, mit mir eine Unterhaltung von Mutter zu Mutter zu führen, um sich den ganzen Streß von der Seele zu piepen. Die Gelegenheit war eigentlich günstig.
"Schon lange!", antwortete Wippi.
„Wippi, ich flieg gleich hin und piepe ihr ganz laut etwas vor. Davon wird sie bestmmt wach. Sie wird bestimmt nicht böse. Sie mag uns ja!"
Wippi gab fix Krächzi Bescheid.
"Prima! Deine Stimme, Wippi, wäre sundwo viel zu zart dafür.“

Nach beendeter Fütterung wurde es still im Amselnest. Die Küken waren gleichfalls müde, kuschelten sich eng aneinander und schlossen die Augen. Mami wartete noch kurz, bis sie eingeschlafen waren.
Dann flatterte sie fix auf die Lehne des Liegestuhls:
„Piieep! Piieep!! Piiieeep!!!“
„Huch!", blinzelte ich ins Helle. "Ach, Du bists, Mami! Ist was passiert?“, fragte ich besorgt.
„Nö. Piep, meine Kleinen schlafen endlich!“
„Meine auch. Zum Glück! Die waren heut bei der Hitze echt anstrengend!“
„Du, und meine erst! Alles musste ich dreimal piepen, bevor sie machten, was sie sollten!“
„Na, das kenne ich. Schlimm manchmal!!“, seufzte ich und Mami nickte.
„Und wie keck die seit ein paar Tagen sind: Wenn ich das Eine noch füttere, springt mir doch wirklich der Älteste auf den Rücken, ich soll schneller füttern. Aber das Kleine ist nu mal nicht ganz so fix wie er!“
„Und meine meckern, wenn es etwas zu essen gibt, was sie nicht so gern mögen!“
„Was denn zum Beispiel? Du spendierst denen doch bestimmt stets extra leckere Fliegen oder so?“
„Nee, Mami, dann bekäme ich die Hölle auf Erden! Menschen essen nur sehr selten Fliegen. Eigentlich fast nie!“
„Nicht?“, war Mami entsetzt. „Aber es gibt doch nichts Leckereres als einen dicken Brummer!“
„Nein, die würden ´doofe Mama` schreien!“
„A..Aber, womit fütterst Du sie denn?“
Es dauerte eine ganze Weile, bis ich die Lieblingsspeisen meiner Kinder aufgezählt hatte. Insekten und so waren jedenfalls nicht darunter.

Mami schwieg für ein paar Sekunden. Das musste sie erst mal verarbeiten: Keine Würmer, keine Insekten …
„Ich habs irgendwie doch einfacher als Gaby!“, dachte Mami mitleidig.
Aber ihr lag noch so viel Wichtigeres auf der Vogelseele:
„Sag mal, geben die auch dauernd Widerworte und zanken sich? Stell Dir vor: Der Älteste hat den Jüngsten doch glatt aus dem Nest geschubst und wir mussten ihn unter der Hecke weiter versorgen. Er konnte ja noch nicht fliegen!“
„Und, hast Du den Bengel bestraft?“
„Klar, den hab ich ganz fest im Nackengefieder gepickt! Das vergisst der bestimmt nie mehr!“
„Wenn meine nicht gehorchen, dann dürfen sie keine Freunde besuchen und auch kein TV gucken!“
„TV?“, piepte Mami.
Davon hatte sie noch nie gehört. Das gabs in der Vogelwelt nicht.
„Ja, machen die so gern. Wenn ich nicht aufpassen würde, oft viel zu lange!“
„Was ist denn TV?“
„TV ist ein Kasten und vorne drauf bewegen sich bunte Bilder und manchmal sinds ganz viele davon nacheinander und das heißt dann Film!“
„Pieppiep! Gibts auch einen über Tiere??“
„Ja, sogar viele davon und die sind soo schön!“
„Mit ganz viel Bäumen, Blumen und Sonne am blauen Himmel und Bächen zum Baden?“
„Ja, manchmal sinds sogar riesige Bäche, Seen und Meere. Mit Schiffen kann man ja überall hin!“
“Pieppiep!“, machte Mami aufgeregt. „die kenn ich. Die sausen auch oft am Himmel entlang. Schade ,dass die sonn Krach dabei machen!“
„Nein, Mami, die am Himmel nennt man Flugzeuge. Die Schiffe schwimmen nur unten auf dem Wasser!“

Wieder schwieg meine kleine Amselfreundin, diesmal sogar etwas länger. Dann meinte sie zögerlich:
„Duhuuh, piep?“
„Mami, sag schon:Was ist los?“
„Ich meine … Meine Kleinen können ja bald fliegen … Und, wenn sie dann mal sehr brav waren … Kommt ja ab und an auch mal vor … Dürfen wir dann mal bei Dir TV gucken? So einen tollen Tierfilm?? Dabei würden die Vier doll viel von der Welt sehen und ganz viel lernen!!“
Bettelnd legte sie den Kopf schief.
„Na klar, Mami! Wir warten, bis Ambrosius zurück ist und dann besucht ihr mich alle! Einverstanden?“
Lachend setzte ich hinzu:
„Ich spendiere Euch ganz doll leckeres Vogelfutter!“

Auf einmal hüpfte Mami auf meine Schulter und knipste mir fröhlich ein Haar ab. Das machen Vögel so, wenn sie sich freuen.

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