Achjaah!!
Von
tastifix
Mittwoch 30.08.2023, 08:29 – geändert Mittwoch 30.08.2023, 08:47
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tastifix
Mittwoch 30.08.2023, 08:29 – geändert Mittwoch 30.08.2023, 08:47
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Vier Wochen war es her gewesen, dass meine Tochter mich zur stolzen Omi eines Enkelmädchens gemacht hatte.
´Werd ich sie wohl oft sehen?`
Klein-T. wohnt mit Mama und Papa in Essen, ich in Düsseldorf. Soo weit weg ist Essen ja nicht …`
Zu meiner Freude hütete ich dann Baby jede zweite Woche, gab Fläschchen und guckte vernarrt in große mittelblaue Kulleraugen, die mich angestrengt auszumustern versuchten. In den ersten Wochen hatte Baby damit noch arge Schwierigkeiten und war bestimmt froh, als es stolze drei Monate alt wurde und zumindest Mama und Papa zweifelsfrei erkannte. Die Beiden mochte es zum Fläschchen trinken und Schmusen gern, zumal seine Erstlingseltern wie auf Knopfdruck beim ersten Quietschton spurteten. Baby von vorne, von hinten, von oben und auch von unten. Na ja, von unten nicht ganz so gerne, denn ihr Kleines umgab öfters ein ziemlich streng riechendes Parfüm, was bestimmte Befürchtungen bestätigte. Meist verwandelte Mama jene Duftnote wieder zurück in apartes Baby-Chanel No5. Papa hatte nämlich ausgerechnet dann dringend etwas zu erledigen.
Die Monate vergingen und Klein-T. hatte bereits gute Routine darin, wie man Erziehungsberechtigte erzieht. Zu brüllen half ja, aber, ließ es zusätzlich Tränen kullern, klappte alles dreimal so fix.
Wieder ein paar Monate später schwärmte mir meine Tochter am Telefon etwas vor:
„Du, sie ist ja sooo lieb geworden, weint überhaupt nicht mehr und quasselt ununterbrochen. Stundenlang!“
Im selben Moment brüllte ihre Kleine im Hintergrund los, als ob sie gebraten werden sollte. Meine Tochter:
„Mama, ach, sie hat bestimmt ihr Räppelchen verloren. Moment ... Hör mal, wie zufrieden sie jetzt wieder ist!"
Ich:
´Ehem!!!`
Wenige Tage darauf sollte ich die Kleine wieder mal abends beaufsichtigen. Ihr Opi würde sich auch einbringen … Mama übergab mir also das Töchterchen und säuselte in den höchsten Tönen:
„Kleines, dann sei jetzt so lieb, wie Du es immer zu hause bist!"
Töchterchen lachte, noch lachte sie, kein Wunder: Alles stand um die Wippe herum, wie es sich ja auch für Erwachsene geziemt, wenn sie sich Tante Eins, Zwei, Drei und Onkel Eins, Zwei und Drei nennen. Doch dann fiel die Haustür ins Schloss. Mama war weg.
Alarmstufe Rot! Mini verzog beleidigt das Gesicht. Onkel, Tanten und auch ich stellten fest, dass sie es sehr wohl mitbekommen hatte. Der Tanten, Onkel- und erst recht der Omi/ Opi-Instinkt warnte uns und wir säuselten, erzählten, klapperten mit dem Räppelchen vor Baby herum, schaukelten und streichelten. Uns fielen fast die Arme ab. Die Kleine zählt zur sehr pfiffigen Sorte und dachte gar nicht daran, sich durch solche albernen Ablenkungsmanöver, mit denen wir uns nur vor ihr lächerlich machten, etwa besänftigen zu lassen.
´Nicht mit mir!!`
Racheaktionen erleichtern. Sie bombardierte uns mit wütenden Blicken. Wieder quietschte sie los, jetzt schon ein bisschen lauter und dann, weil Mama trotzdem nicht wieder auf der Bildfläche erschien, bewies sie, welch eine Energie in ihr steckte. Sie wechselte vom anfänglichen zarten Sopran zum die Ohren betäubenden Alt, bescherte uns lange Arien, brüllte, dass das Haus erzitterte und war nicht zu beruhigen. Leider hatten wir kein Ohropax zur Hand, flehten insgeheim, dass unsere Hörorgane janicht streiken sollten und zweitens dem Brülläffchen in der Wippe irgendwann die Puste ausgehen würde. Krebsrot von der Anstrengung war des kleine Etwas ja schon …
Nie fehle das Hoffen! Völlig genervt erinnerten wir uns dessen, hofften also weiter und endlich brachte es etwas. Kleines bekam nämlich sehr bald kaum noch einen Ton raus, verstummte und schlief total erschöpft ein. An die eintretende erholsame Stille aber musste wir uns erst wieder gewöhnen.