Ach, wäre es schön gewesen, wenn doch ...
Von
tastifix
Donnerstag 23.04.2020, 19:04 – geändert Freitag 24.04.2020, 14:14
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tastifix
Donnerstag 23.04.2020, 19:04 – geändert Freitag 24.04.2020, 14:14
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Laut Hundebuches haben Eurasier fast gar keinen Jagdtrieb. Ich ahnungsloses Etwas las dies und frohlockte. Tja, da hätte ich mal besser misstrauisch werden sollen! Vielleicht wäre mir dann noch rechtzeitig etwas aufgefallen? Zu spät, die Entscheidung war schon gefällt. Mein Herz stand längst in Flammen, brannte lichterloh für Teddy & Co.
Erst später kam mir der frevlerische Gedanke, ob jemand eventuell ein „Vögelchen“ gehabt hatte? Oder kennen Sie irgendeinen Wauwau ganz ohne Leidenschaft für alles, was fliegt, kriecht oder sich in die Erde buddelt??
Weil mein Knödel extrem für die Freiheit und unerlaubte Ausflüge schwärmte, wurde er zum Leinenhund. Es war auch besser so, denn er wurde urplötzlich so eigenartig lebhaft, zerrte wie wild an der Leine und war kaum mehr zu beruhigen, wenn Katzen, Hasen oder bestimmte Vogelarten aufkreuzten. Liebe Worte wurden ignoriert, Schimpfe drang ins eine süße Ohr hinein und wanderte unregistriert zum anderen wieder hinaus.
Es erschien mir als sehr auffällig, denn mein Hund hatte offiziell doch gar keinen Hinterherflitzinstinkt. Sagte zumindest jenes schlaue Buch und jenes musste es doch wissen.
Eines Tages kam endgültig die Wahrheit ans Licht. Knödel hing, damit er auch ohne Freiheit ein wenig Freiheit genießen können sollte, an einer 10m-Langlaufleine. Die fuhr ich dann wie meist auf maximale Länge aus. Er genoss es sichtlich, bald darauf auch ich, wenn aber ein bisschen anders.
Mein geliebter Vierbeiner erspähte einen Fasan. Der besaß wirklich die Unverschämtheit, in unmittelbarer Nähe in aller Gemütsruhe über Knödels Wanderpfad zu schreiten. Fast provokativ setzte er elegant eine Kralle vor die andere.
´Todsünde!!`, urteilte Knödel und bewies mir ,was solch ein Racker auch gänzlich ohne Jagdinstinkt so fertig bringt. Mit `Volle Kraft voraus!` legte er sich in die ausgefahrene Leine … Es machte ´rums` und danach unüberhörbar laut ´bums!`. Das ´Bums` kam von mir.
Im Matsch auf der vom Regen des Vortages durchweichten Wiese liegend, entfuhr mir ein relativ unanständiges Wort. Wäre ich nicht so schrecklich sauer gewesen, hätte mich deswegen glatt mein Gewissen gequält. Aber ich sah aus wie dreimal durch einen Sumpf gewälzt. Zudem gaben mir sämtliche Knochen zu verstehen, dass sie diese Behandlung als ausgesprochen rücksichtslos und obendrein als irre frech empfanden. (An deren Rache denke ich nicht so gerne zurück!).
Mit aller Gewalt umklammerte ich eisern die Leine und vermasselte so meinem tobsüchtigen Teddy endgültig seinen Plan, hinter dem Vogel herzuwetzen und „Grünen Fasan!“ zu kosten. Inzwischen war anscheinend jenem stolzen Tier ein Licht aufgegangen, was mein Hund vor hatte und es verzog sich in recht fixer Joggingmanier. Dennoch hörte ich dann von weitem noch den Wutschrei des beleidigten Federviehs.
Knödel stand derweil total deprimiert neben mir. Mein Zorn verrauchte, er tat mir plötzlich soo leid und ich schmuste mit ihm. Denn es war wohl kaum seine Schuld, dass irgendwelche doofen Zweibeiner ihm den natürlichen Jagdtrieb mit wahrlich dermaßen großem Erfolg in der Weise abgezüchtet hatten, dass jener mich im Gegenteil äußerst eindrücklich in den Dreck hatte knallen lassen.
Mein Knödel hätte sich tatsächlich mit jedem Jagdhund messen können.