Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

6 7

9.Juni 1946

Von Feierabend-Mitglied Donnerstag 10.09.2020, 04:49

Am 9.Juni 1946 endete für meinen Vater der
2. Weltkrieg. Er war 25 Jahre alt, hatte sechs Jahre Krieg mit
Verwundungen und Erfrierungen hinter sich und stand als
erster der Brüder wieder vor den Eltern. Und das kam so:

Mit 14 Jahren ging mein Vater nach Luxemburg in die Konditorei
Oberweis in eine Konditorlehre.
Nach der Lehre und zwei Gesellenjahren wurde er für sechs lange
Jahre Soldat. Nur bis zum Obergefreiten hatte er es gebracht,
als er im März 1945 in der Ardennenoffensive in amerikanische
Gefangenschaft kam. Wie tausende deutsche Gefangene wurde er
nahe Koblenz in die Rheinwiesen gebracht, wo die Gefangenen
unter freiem Himmel in Erdlöchern dahin vegetierten. Hunderte
starben dort.
Eines Tages ging ein GI über das Feld und rief, man brauche
einen Konditor. Mein Vater meldete sich, hatte Glück und wurde
genommen. Er konnte nach Monaten im Dreck erstmals baden, bekam frische
Wäsche und wurde beauftragt, zum 50. Geburtstag des
Lagerkommandanten eine Geburtstagstorte zu backen. Mein Vater
kam in ein amerikanisches Schlaraffenland - Magazin. Mehl,
Zucker, Eier, Sahne, kurz alles was das Herz begehrte gab es
da. Mein Vater nutzte die Gunst der Stunde und backte für die
Wachen gleich ein paar lange entbehrte und vermisste Brownies,
Pancakes, Donuts und Coocies. Nie wieder mußte er auf die
Wiese zurück. Er bekam direkt neben dem Magazin ein Feldbett
aufgestellt und war fortan der offizielle Konditor der
Amerikaner. Es gelang ihm, zwei seiner Kumpel aus dem Erdloch
als Gehilfen zugeteilt zu bekommen, die damit auch gerettet
waren. Hunger mußten sie nie mehr leiden und sie schliefen
trocken und warm.
Im Frühjahr 1946 hieß es, Luxemburger, die in die deutsche
Wehrmacht zwangsrekrutiert worden waren und in amerikanische
Gefangenschaft geraten waren, sollten nach Hause entlassen
werden. Da mein Vater keine Papiere mehr besaß, er hatte sie
rechtzeitig verschwinden lassen und dank der Lehrjahre in
Luxemburg perfekt die Luxemburgische Sprache beherrschte, gab
er sich als Luxemburger aus und nannte seine Lehrstelle als
Heimatadresse.
So kam es, daß er mit amerikanischen Entlassungspapieren
ausgestattet am 1.6.1946 entlassen wurde. Mit einem ganzen
Sonderzug glücklicher Luxemburger wurde er nach Luxemburg
gefahren. Er blieb noch ein paar Tage bei seinem Lehrherren und
machte sich dann zu Fuß aus den 30 Kilometer langen Heimweg.
Am 9.Juni 1946 war er wieder zuhause. Der Krieg war für ihn vorüber.

Das Café Oberweis existiert übrigens heute noch.

Externer Inhalt

Dieser Inhalt wird nicht von Feierabend.de bereitgestellt. Du kannst ihn nur lesen, wenn Du zustimmst, dass er von oberweis.lu nachgeladen wird. Bist Du einverstanden, dass externe Inhalte nachgeladen werden? Mehr dazu erfährst Du in unseren Datenschutzbestimmungen.


einverstanden

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > 9.Juni 1946