1,5 Furchen und eine Dschinn
Von ehemaliges Mitglied Donnerstag 11.06.2020, 22:27 – geändert Donnerstag 11.06.2020, 22:56
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von ehemaliges Mitglied Donnerstag 11.06.2020, 22:27 – geändert Donnerstag 11.06.2020, 22:56
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Im September 1992, kurz nach der Geburt meiner Tochter, entschied meine Frau das wir uns einen Garten zulegen sollten. Es gelang mir in eine Auswahl zu kommen, für eine neue Gartensparte in Potschappel Ost. Ich ging da ziemlich lustlos hin und kam auch ein wenig zu spät. Nur ein Los lag noch in einem alten Alutopf ...mein Los.
Ich, oder besser wir, bekamen also einen Garten. Meine Schwiegermutter war happy. Sie kam von einem Bauerngut. Was den Garten betrifft, es war eher ein Handtuch. 9m breit und 38m lang. Meine Frau war sehr glücklich. Ich sah nur die Arbeit. Von nun an fuhr ich täglich nach der Arbeit auf dieses Stück Land um es zu rigolen. Dazu musste ich eine Furche 2 Spaten tief graben. Mehr als 1,5 Furchen schaffte ich in den 2 Stunden nie. Wenn ich in dieser Geschwindigkeit weiter arbeitete wäre ich in 2 Jahren mit dem umgraben fertig. Ich erzählte es meinen Kollegen. Sie lachten mich aus. "Mein Gott, du bist echt ein Städter, wir werden da mal hin fahren und das bisschen umgraben" meinte einer von ihnen. Das gefiel mir. An einem Sonnabend sattelten wir unsere Räder. Nur ein alter Kollege bekam ein Funkgerät und blieb am Telefon für wichtige Störungen. Dann fuhren wir zu viert in den nur 2km entfernten Garten. Ich hatte 1 Flasche Wodka und eine Kiste Bier organisiert und borgte mir in der Sparte 3 Spaten. Wir begannen...erst einmal ein wenig Bier und Wodka zu trinken. Nachdem wir relativ schnell eine Furche geschafft hatten, traf mein Spaten auf etwas hartes. War das eine Bombe? Oder eine Wasserleitung? Nein, nach ein wenig Buddelei kam ein Weinballon zum Vorschein. Ein Weinballon, der völlig verdreckt war. Ich nahm ihn und setzte mich in eine schattige Ecke. Den Kollegen sagte ich, sie könnten nen Schluck trinken. Mit einem alten Lappen wischte ich mehrmals über die Flasche. Da hörte ich ein grummeln und stöhnen. Ich hielt mein Ohr an die Flasche. "ohje...nun hat man mich gefunden...und ich kann doch nicht raus"...einen sprechender Ballon gibt es nicht. Ich stellte ihn ab und nahm einen großen Schluck aus der Wodkaflasche. Der Korken ließ sich nur schwer entfernen. "wer oder was bist du?" rief ich ich in die Balonöffnung hinein. "Ich bin ein Dschin, der leider ein wenig an Umfang zugenommen hat. Ich komm nicht mehr aus der Flasche raus, da kannst du reiben wie du willst.“
Oh das fand ich gut, endlich jemand der mir helfen könnte. "Bitte kannst du meinen blöden Garten umgraben? " "Leider nein, weil ich ja nicht raus kann" "Kannst du dann eventuell dafür sorgen, daß meine Frau diesen blöden Garten, der nur Arbeit macht nicht mehr will? "
"Nein natürlich nicht, du kannst nur Dinge wünschen die dich betreffen."
Ich überlegte...da wurde ich unterbrochen. Meine Kollegen, die in der Zwischenzeit weiter gemacht hatten, kamen mit 2 zerbrochenen Spaten an. Sie könnten nun nicht weiter arbeiten...aber den Kasten Bier hätten sie fast geschafft, sagte einer mit lallender Zunge.
Mist. Ich schickte sie mit ihren Rädern zurück zur Firma und blieb mit den kaputten Spaten, einer halben Flasche Wodka und dieser vermaledeiten Dschinni im Weinballon zurück. Irgendwie war ich traurig. Auf einmal hörte ich aus dem Weinballon "Wenn du einen Wunsch hast, so sag ihn mir. Ich erfülle ihn dir, wenn du dir maßvoll etwas wünschst" Ich war halb besoffen, traurig und hatte keinen Plan was ein maßvoller Wunsch sein könnte. Vor mir die geborgten, zerbrochenen Spaten. "Ich wünsche mir, daß die Spaten wieder ganz sind und ich Feierabend habe". "So soll es geschehen" hörte ich aus dem Ballon säuseln. Ich schaute auf die Uhr...es war Feierabend. Ich nahm die zerbrochenen Spaten und ging damit ein Stück des Weges...nach Hause. Da musste ich pinkeln. Als ich das hinter einem Baum vollbringen wollte, sah ich dort 2 Spaten stehen. Neu und unversehrt. Es war niemand zu sehen, dem die gehören könnten...ich nahm sie, drehte um und stellte sie in die Gärten, aus denen ich sie mir geborgt hatte. Den Weinballon sah ich nicht mehr. Vielleicht hatte ihn ein anderer Gartenfreund mitgenommen. Ich trank den Rest Wodka und fuhr langsam nach Hause. Meine Frau wartete schon mit dem Essen.
Ob diese Geschichte tatsächlich passiert ist oder ich nur einem alkoholischen Trugbild aufgesessen war weiß ich bis heute noch nicht.