Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

0 1

Ein Akt der Versöhnung

Von Feierabend-Mitglied Donnerstag 28.11.2024, 02:34



Rückgabe eines heiligen Dhulu-Baums und die Frage der Raubkunst aus Australien

In einer bedeutenden Zeremonie wird diese Woche ein kulturelles Erbe an die indigene Gemeinschaft der Gamilaraay aus Australien zurückgegeben. Ein beschnitzter Baum, ein sogenannter dhulu, kehrt nach fast einem Jahrhundert im Basler Museum der Kulturen an seinen Ursprungsort zurück. Der Baum, der seit 1940 im Museum ausgestellt war, trägt immense spirituelle und kulturelle Bedeutung für die Gamilaraay, die seit Langem für seine Rückführung plädierten. Die Zeremonie, die die Rückgabe des dhulu markiert, wird von einer feierlichen Übergabe einer originalgetreuen Nachbildung begleitet, die für das Basler Museum angefertigt wurde. Diese Geste zeigt den Wunsch der Gamilaraay-Gemeinschaft, ihre Kultur weiterhin in der Welt sichtbar zu machen, während das Original zurückkehrt, um ihre spirituelle Bedeutung zu bewahren.

„Die Rückgabe des Dhulu ist nicht nur ein kultureller Sieg, sondern auch ein Akt des Respekts und der Heilung,“ erklärte ein Sprecher der Gamilaraay-Gemeinschaft. „Die Nachbildung soll daran erinnern, dass unsere Kultur lebendig ist und Brücken zwischen unseren Ländern bauen kann.“

Raubkunst aus Australien: Deutschlands ungelöste Frage der Rückgabe heiliger Artefakte
Trotz dieser Fortschritte bleibt die Frage offen, wie Deutschland mit ähnlichen Herausforderungen umgeht. In Deutschland befinden sich noch viele heilige Kunstwerke und Artefakte indigener Völker, die während der Kolonialzeit unrechtmäßig entwendet wurden und bis heute nicht an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben wurden. Besonders betroffen sind zahlreiche Objekte aus Australien, die während des 19. und 20. Jahrhunderts von deutschen Expeditionen gesammelt wurden. Diese Kunstwerke, darunter religiöse Objekte, zeremonielle Werkzeuge und bemalte Steine, gelten als heilig und sind ein wesentlicher Bestandteil der kulturellen und spirituellen Praxis der australischen Ureinwohner.

Deutsche Museen wie das Ethnologische Museum in Berlin beherbergen bedeutende Sammlungen australischer Artefakte, darunter Zeremonialmasken, Grabbeigaben und bemalte Rindenbilder. Viele dieser Objekte wurden aus heiligen Stätten entfernt, ohne die Zustimmung der indigenen Gemeinschaften, und nach Europa transportiert. Für diese Gemeinschaften stellen die Artefakte nicht nur materielle Güter dar, sondern sind Teil ihrer Identität, ihrer Geschichte und ihrer Spiritualität.

Die Forderung nach Rückgabe
Indigene Gemeinschaften weltweit fordern zunehmend die Rückgabe solcher Artefakte, um ihre kulturelle Integrität und spirituelle Praxis zu bewahren. Die Gamilaraay-Gemeinschaft, die nun ihr dhulu zurückerhält, ist ein Beispiel für die wachsende Bewegung, die kulturelle Entfremdung rückgängig zu machen. „Diese Objekte gehören zu uns. Sie tragen die Geschichten unserer Ahnen und die Weisheit unserer Kultur in sich,“ erklärte ein Sprecher der Gamilaraay. „In Museen ausgestellt zu werden, nimmt uns nicht nur unsere Vergangenheit, sondern auch einen Teil unserer Identität.“

Doch die Rückgabe von Raubkunst ist in Deutschland noch immer ein schwieriger Prozess. In Deutschland gibt es zwar Initiativen, wie das Linden-Museum in Stuttgart, das in Zusammenarbeit mit indigenen Gemeinschaften aufarbeitet, wie Raubkunst zurückgegeben werden kann. Doch viele bedeutende Artefakte bleiben weiterhin in den Sammlungen, und die Rückführungsprozesse sind oft von bürokratischen Hürden und Widerständen geprägt.

Chancen für den Wandel
Die Rückgabe des dhulu-Baums in Basel zeigt, dass ein respektvoller Umgang mit kulturellem Erbe möglich ist. Es ist ein Beispiel, dem Deutschland folgen könnte, indem es sich verstärkt mit der Rückführung von indigenen Artefakten auseinandersetzt. Wichtige Schritte wären die transparente Provenienzforschung, eine enge Zusammenarbeit mit indigenen Gemeinschaften und eine klare Anerkennung der eigenen kolonialen Vergangenheit.

Die Rückgabe von heiligen Kunstwerken ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch ein Akt der Heilung und der Versöhnung. Wenn Deutschland Verantwortung übernimmt und sich für die Rückgabe dieser Artefakte einsetzt, könnte es nicht nur den betroffenen Gemeinschaften helfen, sondern auch ein globales Zeichen setzen: Kulturelles Erbe gehört dorthin zurück, wo es seinen Ursprung hat – zu den Menschen, die es geschaffen haben.

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > Ein Akt der Versöhnung