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Die Hausbesetzung

Von tarena Mittwoch 31.01.2018, 12:19

Die Hausbesetzung
Es klingelte. Meine Tochter öffnete. " Mama, da ist eine Frau mit zwei Kindern vor der Tür, die möchte dich sprechen." " Ja, ich komme," rief ich aus dem Wohnzimmer. Als ich in den Flur kam, stutzte ich. Es sahen mich fünf Augenpaare erwartungsvoll an. Eine Frau mit vier kleinen Kindern. Die relativ gepflegte Frau bat, man möge sie doch für eine kurze Zeit hereinlassen, sie sei mit einer Frau vom Sozialamt verabredet, hier vor dem Schulhaus. "Die lässt uns warten und das bei diesem Wetter, es wird hoffentlich nicht lange dauern," versicherte sie mir. Ich hatte keine Bedenken und ließ die Mutter mit ihren Kindern herein. Draußen herrschte wirklich ein schauerliches Wetter. In unserer großen gefliesten Eingangshalle konnten sie sich ungestört aufhalten und etwas aufwärmen. Ich hatte Mitleid mit ihnen. Die Frau sagte, sie wolle immer mal wieder rausschauen, ob die Frau vom Sozialamt, die sie schon kennen gelernt hatte, gekommen sei.

Sie müssen wissen, lieber Leser. Meine Familie war erst vor einer kurzen Woche in dieses Haus, einer ehemaligen Schule, eingezogen. Sie war in ein Wohnhaus umgewandelt worden. Es stand auf dem Marktplatz einer Kleinstadt. Unser Vorgänger war weggezogen.
Überall standen bei uns im großen Flur noch viele Umzugskisten herum. Ich hatte also genug zu tun mit dem Einrichten und ließ die Leute allein. Eine alte Schulbank aus Uromas Zeiten lud zum Ausruhen ein. Nach einer Weile schaute ich nach den Besuchern und staunte nicht schlecht.
Ich kriegte sogar einen großen Schrecken, denn es waren noch vier Kinder mehr, als vorher.
Beim Herausschauen auf den Platz hatte die Frau wohl ihre restlichen Kinder herein gelassen.
Es dauerte und dauerte. Die Sozialarbeiterin kam nicht, und die Kinder wurden immer unruhiger. Sie kletterten auf den Umzugkisten herum. Ich hatte Angst, dass sie diese noch öffnen könnten, ich kramte aus einer Kiste Malkreiden hervor, um sie mit Malen zu beschäftigen. Damit ging eine Stunde herum und wieder fingen sie an zu toben, dagegen kam die Mutter nicht an. Die großen Kinder knüllten die Papier zu Bällen mit denen sie sich bewarfen. Die Kleinen sprangen von den Kisten. In Kürze sah der Vorraum wie ein Schlachtfeld aus. Und wieder war ein Stunde vergangen. Ich wurde nervös. Zum Glück würde bald mein Mann heimkehren, der beim Einwohnermeldeamt uns anmeldete und bei der Schule unsere beiden Kinder. Und da kam er auch endlich. Er staunte und ließ sich die Geschichte der ungebetenen Gäste von mir erklären.

Anstatt empört über ihren langen Aufenthalt bei uns zu sein, bat er mich doch tatsächlich noch den Kindern einen Kakau zu kochen. Mein Mann ist sehr sozial eingestellt und ist engagiert zu helfen, wo er nur kann. Nicht umsonst ist er Lehrer geworden, dem vor allem das Wohl der Kinder ein großes Anliegen ist. "Die Sozialarbeiterin wird doch nun bald kommen. Ich werde mal beim Sozialamt anrufen." Doch da war niemand mehr zu sprechen, ab 16 Uhr war Feierabend. Was nun? Stattdessen kam der Ehemann der Frau. Das schien abgesprochen zu sein." Papa, Papa, riefen die Kinder, hier ist es schön, hier bleiben wir."" Nun wartet mal ab, beruhigte er sie und nahm das Jüngste auf seinen Arm. "Lieber Herr, redete er meinen Mann an. Ich muss mit Ihnen sprechen." Mein Mann lud ihn in sein Arbeitszimmer ein. Dort entspann sich ein aufgeregter Disput. Von drinnen drangen einzelne Sätze nach draußen, wie " Wir haben das Schulhaus lange von außen beobachtet und sahen es unbewohnt. Ist es gerecht, dass eine Familie mit nur zwei Kindern ein so großes Haus bewohnt und meine Familie mit acht Kindern nur eine Wohnung von knapp drei Zimmern?" "Ich bin Lehrer und die Wohnung ist nun mal eine Dienstwohnung. Tut mir leid." " Nichts tut Ihnen leid, wenn es so wäre, könnten Sie ja die Wohnung mit uns tauschen." Der Mann wurde immer lauter, ja richtig aufsässig. Ich befürchtete Schlimmes. Die Kinder fingen im Flur an zu toben. Ich wusste mir nicht anders zu helfen, als die Polizei anzurufen und zu sagen, es handele sich um eine Hausbesetzung. Sie rückte sogleich an und schob die aufgeregte Familie gnadenlos aus dem Haus.
Mein Mann ließ das Problem mit der Großfamilie nicht los, es waren darunter ja auch seine künftigen Schulkinder. Er schaffte es bei der Stadt, dass sie eine größere Wohnung bekamen.

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