Trauma
Von
Heha45
Freitag 06.09.2019, 12:01 – geändert Freitag 06.09.2019, 12:45
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
Heha45
Freitag 06.09.2019, 12:01 – geändert Freitag 06.09.2019, 12:45
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Heute kommt Onkel Karl mit seinem neuen Auto. Der kleine Peter sitzt auf den Stufen vor der Haustüre und wartet. Seine Eltern ziehen Sonntagskleidung an, denn Onkel Karl will mit allen dreien an den Rhein fahren, genauer, nach Köln. Hier im Dorf gibt es nur drei Autos, eins gehört dem Bäcker, der damit Brot zu den Kunden bringt. Der Lebensmittelhändler besitzen eins und der Doktor. Der hat das Schönste, weil er das Dach mit einer Kurbel öffnen kann.
Endlich kommt Onkel Karl hupend um die Ecke, in einem hellgrauen VW. Zuerst wird das Fahrzeug bestaunt, dann steigen alle ein und Onkel Karl fährt los, nach Jülich und dann auf der Bundesstraße 55 in Richtung Köln.
Am Rheinufer hält das Fahrzeug an. Onkel Karl packt eine große Decke aus und breitet sie auf den Kieseln am Ufer aus. Die Eltern setzten sich. Peter staunt über so viel Wasser und über die Schiffe die darauf hingleiten. In seiner kleinen Welt gibt es kein fließendes Gewässer auch kein Schwimmbad. Samstags wird er in eine Zinkwanne getaucht, zwecks Reinigung, das war´s.
Unterdessen steht Onkel Karl in Badehose da, er will im Rhein schwimmen. Voller Bewunderung sieht Peter zu. Der ist aber mutig, denkt er. Vater sammelt flache Steine die er über die Wasseroberfläche springen lässt. „Peter komm, ich bring dir das Schwimmen bei“, hört er seinen Onkel rufen. Langsam geht der Junge zum Wasser. „Zieh deine Sachen aus, die Unterhose genügt zum Schwimmen.“ Peter ist hin und her gerissen, einerseits möchte er andererseits fürchtet er sich.
Schon ist der Onkel da, nimmt ihn bei der Hand und zerrt ihn zum Wasser. „Ein richtiger Junge muss schwimmen können.“ Peter wehrt sich nicht. Als ihm das kalte Wasser bis zur Brust reicht, stolpert Onkel Karl und lässt die kleine Hand los. Der Junge wird von der Strömung erfasst, die taucht ihn unter. Vater steht zum Glück in der Nähe, rennt trotz Sonntagsanzug, in den Rhein und bekommt seinen Sohn zu fassen. Der spuckt Wasser und ist starr vor Schreck.
Dieses Ereignis hinterlässt Spuren in Peters Leben, es holt ihn immer wieder ein. Als Erwachsener verbringt er seinen Urlaub stets in den Bergen, bis er eine junge Frau kennen lernt die gerne schwimmt. Peter besucht eine Schwimmschule für Erwachsene, vergeblich. Die Angst vor Wasser wird er nicht los. Mittlerweile reist er, seiner Frau zuliebe, ans Meer, geht auch an den Strand, aber niemals zieht er Schuhe und Socken aus.