Städtetour entlang des Mittelrheins und der Mosel
Von
tastifix
Freitag 06.11.2020, 16:43 – geändert 08.11.2020, 14:54
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tastifix
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Mittwoch (1.Tag)
Nach der S-Bahn-Fahrt nach Köln geht es weiter mit der Mittelrheinbahn nach Bonn, wo sie auch pünktlich eintrifft. Der Anschlusszug bringt uns nach Koblenz und von dort aus fahren wir weiter nach Bad Breisig am Mittelrhein, dem Reiseziel.
Der „Rheinischer Hof“ liegt hinter der breiten Rheinpromenade. Seine breite Terrasse reicht direkt bis zum Wasser. Es ist ein recht altes Gebäude. Die Gasträume unten sind recht großzügig geschnitten und im bäuerlichen Einrichtungsstil gehalten. Durch eine schwere Verbindungstür müssen wir, um in den Hoteltrakt zu gelangen, eine lange Treppe hinauf steigen. Das vorläufige Ersatzzimmer - das eigentlich gebuchte war noch nicht frei - erweist sich als recht klein. Hinter der Tür aus stolpern wir fast ins Bett. Eine kleine Diele, wie wir es von anderen Hotels gewohnt sind, gibt es nicht. Das Bad ist so winzig, dass kein Platz zum Umfallen bleibt. Jedoch ist alles ausgesprochen sauber. Unwillkürlich denken wir an die Beurteilung des Hauses im Internet: ´ein Hotel älteren Datums, aber es wurde das Beste daraus gemacht!`
Während der Wartezeit darauf, dass unser gebuchtes Zimmer bezugsfertig wird, werden wir - äußerst positiv zu beurteilen - auf Kosten des Hauses zu einer Kleinigkeit zu Tisch gebeten. Wir wählen eine Suppe und ein Stück Kuchen. Beides schmeckt sehr gut. Auch finden wir den Service des 3-Sterne-Hauses beachtenswert: Das Personal trägt die Koffer ins Zimmer, in dem wir überraschend sogar Hausschuhe vorfinden. Zwar besitzt das Zimmer keinen Balkon, aber dafür entschädigt der herrliche Ausblick durch die großen Fenster aufs Wasser und auf das gegenüber liegende Ufer, an dem neben einer attraktiven Kirche auch ein großes, blassgelb gemauertes, romantisch wirkendes Schloss der Familie Hohenzollern steht, in U-Form erbaut und mit einem Turm in der Mitte.
Rasch verstauen wir das Gepäck, machen uns auf, Bad Breisig zu erkunden und spazieren am Rhein entlang. Anschließend biegen wir in eine der engen Gassen ab und erfreuen uns am Anblick der schmalen Häuschen. Gegen Abend nehmen wir noch ein leichtes Mahl zu uns und fallen erschöpft ins Bett.
Donnerstag, 2. Tag
Wir wollen die Orte Bacharach und anschließend Boppard besichtigen.
Bacharach ist ein entzückender Ort. In den Straßen sehen wir auf schmale, verspielt bunt angemalte Fachwerkhäuser, oftmals mit kleinen vorgezogenen Erkern. Einige scheinen schief gebaut worden zu sein. Sie stammen zum Teil aus dem 17.Jh. Der Ort ist so richtig nach meinem Geschmack, eben eine andere Welt, nicht zu vergleichen mit unseren nüchternen Großstädten.
Anschließend besichtigen wir Boppard. Dort gibt es ein römisches, bis zum Ende des 4. Jh. erbautes Castell. Es wies damals 28 Türme vor, die Mauern sind etwa 1,50m dick und es bot Platz für 600 Soldaten, die in einfachen, langgestreckten Fachwerkhäusern entlang der Mauern Unterkunft fanden. Zudem haben wir das Glück, mehrere Gräber aus dem 7.Jh. betrachten zu dürfen.
Freitag, 3.Tag
Von Bad Breisig aus fahren wir mit dem Zug über Koblenz nach Cochem an der Mosel. Immer mehr Weinberge säumen unsere Fahrt. Jedes Stück noch eben nutzbares Land ist den Rebstöcken vorbehalten. Dann erreichen wir wohl den Hbf. Obwohl uns die Bezeichnung der Station ´Stadtmitte` verunsichert, steigen wir aus und müssen feststellen, dass die Station zwar ´Stadtmitte` heißt, aber einen Halt vor dem wirklichen Bahnhof liegt. Es bleibt uns nur, den Zug in Richtung Saarbrücken zu nutzen, der dann am Hbf hält. Nun können wir von hier aus mit der Bahn nach Cochem fahren.
Es ist sehr neblig und ab und an tröpfelt es etwas. Cochem gilt wegen seiner Altstadt mit den schmalen alten, nostalgisch bunten Fachwerkhäusern als Touristenhochburg. Imponierende Hotels reihen sich aneinander und sogar jetzt noch, im Oktober, herrschte viel Betrieb. Busweise werden die Touristen in die Altstadt gekarrt. Sie kommen aus aller Welt, also internationales Flair.
Wir kehren in eines der großen Hotels ein. Es bietet ein sehr schönes Ambiente mit echten Gemälden und passenden Orientteppichen Orientteppichen und ist der höheren Kategorie zuzurechnen. Hervorragend. Das Essen schmeckt. Noch ganz unter dem märchenhaften Eindruck stehend, entscheiden wir uns dazu, auf der Rückfahrt in Bullay oder auch anderswo Zwischenstation zu machen. Aber letztendlich lassen wir jenen Ort doch links liegen und wählen stattdessen spontan Ürzig als nächstes Ziel.
Es sollt die amüsanteste Etappe unserer Reise werden. Der Zug erreicht Ürzig, wir landen statt auf dem Bahnsteig auf einer Wiese, gucken verdutzt herum und entdecken jenen einige Meter weiter. Aber es ist nicht etwa ein üblicher. Vor einem fast abbruchreif wirkenden braunen Fachwerkhaus mit einem zweiten, langgestreckten Nebengebäude, das immerhin eingerüstet ist, demnach also restauriert werden soll, betrachten wir grobes Kopfsteinpflaster, in dessen Fugen vorwitzige Grasbüschel wachsen. Alles sieht aus, als ob wir hinter dem Mond gelandet seien - eine einzige Einöde.
Nun, wir haben uns ja zuvor erkundigt und wissen, dass Ürzig sehenswert ist. Hm! Ja, stimmt sehr wohl, aber damit ist der größere Teil der Stadt gemeint und der liegt viel weiter unten, während wir grinsend entlang einer vereinsamten Straße nach dem älteren Teil des Ortes Ausschau halten. Der besteht anscheinend nur aus drei Häusern. Zwei sehen recht unauffällig aus. Das dritte allerdings erinnert mit seiner blauweiße Fassade und dem weißen Gartenlattenzaun an den nordischen, auf Island und in Norwegen üblichen Baustil.
Nach ein paar Minuten treffen wir wirklich eine Familie, die zu dem besagten auch Umweltbahnhof genannten Bahnhof will und wir erfahren, dass es weiter als von uns angenommen bis zum unteren Teil von Ürzig sei. Weil wir aber auch noch die Rückfahrt vor uns haben und nur alle Stunde einmal ein Zug zu erwarten ist, kehren wir lieber um. Zum Glück dauert es nicht lange und der Zug fährt ein. Die ganze Rückfahrt lang müssen wir immer wieder laut über dieses Abenteuer lachen.
Samstag, Abreisetag
Der Abschied von Bad Breisig fällt uns nicht leicht. Doch haben wir uns bereits einen weiteren Zwischenstopp auf unserer Heimfahrt ausgeguckt, nämlich Remagen. Die Brücke von Remagen ist wohl allgemein ein Begriff. Am 7. März 1945 waren immerhin noch vier Divisionen über den Rhein gelangt. Am 17. März allerdings wurde die Brücke zerstört und riss mindestens 30 Soldaten mit in den Tod. Heute steht am gegenüber liegenden Ufer nur noch ein Pfeiler und am diesseitigen ein kurzer Brückenteil. Dahinter findet man das innen modernisierte Friedensmuseum.
Remagen selber bietet ein historisches Minidreieck mit einem römischen Portal und einem gotischen Tor als Durchgang zur Pfarrkirche. Mit dem Charme von Bacharad, Boppard und erst recht dem von Cochem kann sie nicht mithalten. Dagegen wirkt sie sehr viel nüchterner und strenger. Wir sind von Remagen selber ziemlich enttäuscht.
Insgesamt ist es aber eine tolle Tour gewesen und ich sehe in der Erinnerung noch alle Etappen vor mir.