Nützliche Gestik.
Von
Heha45
Dienstag 05.02.2019, 12:37
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Heha45
Dienstag 05.02.2019, 12:37
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Ein Jahr lang lernte ich in der Volksschule die englische Sprache. Danach war Schluss. Der Regierungsbezirk Aachen gehörte damals zur englischen Besatzungszone, das wurde von den vier Siegermächten, nach dem zweiten Weltkrieg, beschlossen. Deshalb war Englischunterricht Pflichtfach und das machte mir richtig Spaß.
Mit der Aufhebung des Besatzungsstatuts, wurde die neu gegründete Bundesrepublik Deutschland am 5. Mai 1955 souverän. Diese Souveränität beschränkte sich auf den Geltungsbereich des Grundgesetzes, das heißt, die Alliierten behielten ein Vorbehaltsrecht über ganz Deutschland. Noch heute besteht kein Friedensvertrag.
Nun durften die Briten nicht mehr bestimmen was in den Schulen gelehrt wird und sofort verschwand der Englischunterricht vom Stundenplan. Leider, denn auf unseren späteren Reisen ins Ausland, wäre eine Fremdsprache oft hilfreich gewesen. Pauschalreisen gibt es zuhauf, aber es gefällt uns nicht, hinter einem sprachgewandten Reiseleiter mit Fähnchen in der Hand, herzulaufen. Lieber halten wir uns abseits der Touristenströme auf.
Was blieb mir übrig? Ich gewöhnte mir eine Zeichensprache an. Mit Gesten für essen, trinken, schlafen kamen wir schon sehr weit. Sogar in Litauen. Wer, aus Westdeutschland, spricht schon Russisch? Auch Englisch hätte uns dort nicht weiter geholfen, wohl aber meine Gesten. Wir fanden Hotels, an jedem Abend ein anderes, in einem anderen Ort. Restaurants, Lebensmittelläden und auch einen Friseur.
Immer wenn ich im Ausland bin, lasse ich mir die Haare schneiden, das finde ich spannend. In Litauen befand sich der “Salon“ in einem düsteren Hinterhof. Die Friseuse rückte mir den einzigen Stuhl zurecht und trat hinter mich. Aus dem Spiegel sah mich ihr fragendes Gesicht an. Mit Zeige- und Mittelfinger deutete sie an, wie viel sie abschneiden wollte. Wir wurden uns einig, ganz ohne Worte. Dann gab sie mir zu verstehen, mitkommen. Wir gingen in eine kleine fensterlose Kammer, dort wurden meine Haare über einem Eimer, mit Wasser aus einer Blechkanne, gewaschen.
Vor dem Spiegel fing sie an zu schnibbeln, erst zaghaft, dann mutiger. Ab und zu sah traf mich ihr fragender Blick, ich schaute ganz entspannt zurück. Was soll schon geschehen, die Haare wachsen immer wieder nach. Am Ende waren wir Beide zufrieden, sie mit den Litas und ich mit dem Haarschnitt.
Sicher, irgendwann hätte ich mich aufraffen können um eine Fremdsprache zu lernen aber meine Gestik funktioniert so gut, sodass ich es als vergeudete Zeit ansah.
Allerdings geschah in einem Hotel in England ein Missverständnis. Das reichhaltige Frühstück wurde am Tisch serviert, mit Würstchen, Schinken und Spiegelei. Regelmäßig ging eine Servicekraft durch den Raum, um nach dem Rechten zu sehen. Bei mir machte sie halt und sagte etwas. Was nun? Die junge Frau lächelte freundlich fragend, ich lächelte zurück und schon verschwand sie mit meinen Spiegeleiern. Hätte ich Englisch gelernt........