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Indien 1966

Von Karni Mittwoch 22.07.2020, 21:04


Erzählung meiner Begegnung.

Unsere Aufgabe bestand darin, etwa 100km Erdkabel vom Kraftwerk zu einer noch zu bauenden Fabrik zu verlegen.
Wir wollten mit 100 Leuten beginnen. Es kamen über tausend. Wir suchten aus den abgemagerten Gestalten die kräftigsten aus. Es gab Chaos, und die Polizei musste eingreifen, und die, die nicht berücksichtigt worden waren, zu vertreiben.
Der Weg der Kabel war abgesteckt. Die Kabel sollte mindestens einen Meter tief verlegt werden, was eine Schachtbreite von etwa einem Meter ergab. Würden diese Hungerleider 2 Kubikmeter Erde pro Tag ausgraben können? Also, alle 2 Meter einen Mann mit Spaten, Schaufel und Spitzhacke. Erster Arbeitstag. Es wimmelte von Menschen. Die Arbeiter hatten Frauen und Kinder mitgebracht. Wo wollten die wohnen? Für uns hatte man Bauwagen eingerichtet, Unterkünfte für soviele Menschen waren nicht vorgesehen. Die Männer wurden verteilt, die Familie zog mi t. Frauen und Kinder halfen ihren Mann, Vater. Sie kratzten irklich nur 2Kubikmeter pro Tag aus der Erde. So würde ich 500 Tage brauchen. So lange Zeit hatten wir nicht. Als Arbeitsbeginn hatte ich Sonnenaufgang angesetzt, um dann mit 4 Stunden Pause der Mittagshitze zu entgehen. 9Stunden sollte gearbeitet werden. Folgendes mussten wir nach teils bitteren Erfahrungen lernen. Sauberes Trinkwasser musste verteilt werden. Der Lohn musste jeden Tag ausgezahlt werden, damit die Frauen abends einkaufen und kochen konnten. Später zahlten wir das Geld zwei Stunden vor Arbeitsschluss an die Frauen aus. Da 6 Tage gearbeitet wurde, gab es 6 Tage Geld. Die Männer gaben den Frauen nicht alles Geld, ließen ihre Frauen und Mädchen hungern. Besonders am Sonntag, wenn es kein Geld gab. Deshalb hielten wir in der Woche Geld zurück, und zahlten den Frauen auch am Sonntag Geld aus. Bekamen wir evtl Misshandlungen mit, wurde der Mann sofort entlassen. Das sprach sich sehr schnell herum, führte aber dazu, dass wir selber Personenschutz brauchten. Für die Mittagszeit hatten wir eine Essensausgabe eingerichtet, damit uns die Leute nicht wegen Hunger zusammen brachen. Die Ausgabe geschah nur unter Schutz von Sicherheitspersonal, weil wir das Essen immer zuerst an die Frauen und Kinder austeilten, und überwachten, dass diese es auch behalten durften. Mit uns zog ein ganzes Dorf. Die Familien wohnten in den jeweils von ihnen gegrabenen Schächten, unter Planen. Nach 2 Wochen war die Mitarbeiterzahl auf fast 150 gestiegen. Somit denke ich, dass sich mehr als 600 Menschen auf dieser Wanderbaustelle aufhielten. Die Kabel sollten durch 32 Dörfer laufen. Die Transformator- und Schalthäuser, und der Schacht im Dorf, waren Arbeiten, die von der Landesgesellschaft geleistet werden sollten. Deren Personal erwies sich als unfähig. Somit mussten Monteure vom Stammhaus aus Deutschland eingeflogen werden. Die Arbeiten kamen voran. Um Übergriffe aus den Dörfern auf die Wanderarbeiter zu vermeiden, wurden für die Arbeiten im Dorf, Arbeiter aus dem Dorf eingestellt. Aus sozialen Gründen, und um Neid untereinander zu vermeiden, wurde in den Dörfern großzügig Personal eingestellt. Hier gab es aber keine Verpflegung für die Arbeiter. Ausgezahlt wurde der Lohn aber auch hier jeden Tag an die Frauen.
Nach einem Jahr waren die Kabel verlegt, die Dörfer hatten Strom, der Bau der Fabrik konnte beginnen. Unter meiner Leitung gab es keine Übergriffe von meinen Monteuren auf indische Frauen.

Was sich da dann später beim Bau der Fabrik abspielte, besonders unsere hohen Herren, und unter unseren hohen Herren???!! Die traten auf wie eine Besatzungsmacht. Die Gerüchte,es waren keine, kannte auch karni. Ich rechtzeitig versetzt. Kann mich als Deutscher über die Vorfälle dort nur schämen.
Mädel, fast noch Kinder, gab es genug, und für ein paar Happen zu Essen, oder auch ein paar Rupien, die sie ihrer Familie bringen mussten, wurden sie von ihren Familien den Herren, aber auch den Monteuren zur Verfügung gestellt. Mädel die Kinder bekamen, wurden mit DM 5000.- abgefunden.
Sehr, sehr viel Geld. Mutter und Kind könnten damit fast 14 Jahre gut überleben. Das sprach sich natürlich rum, und so tauchten immer wieder Mädchen mit Kinder auf, die angeblich von einem Deutschen geschwängert worden waren. Da ließ sich das Gegenteil aber leicht beweisen. Gott sei Dank schaltete sich rechtzeitig eine Hilfsorganisation ein, und übernahm die Auszahlung. Die Mütter und Kinder wurden weit entfernt von den Familien untergebracht, und sie erhielten eine Ausbildung. Eine direkte Auszahlung an die Mädel, hätten diese, und ihre Kinder keine Woche überlebt. Die Familie hätte, wie auch immer, für deren schnelles Ende gesorgt. Aber auch die anderen Mädel, die wurden nach Ende der Baustelle von der Hilfsorganisation weiter betreut. Denn für ihre Familien waren sie wertlos geworden. Sie wurden verstoßen, oder sie starben recht schnell, meistens durch einen angeblich häuslichen Unfall. Zu Ehen, wie sie immer wieder in anderen Ländern während lang dauernder Baustellen geschlossen wurden, kam es in Indien nicht.

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