Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

4 4

Eine wahre Geschichte, passend zur Karwoche

Von Rebecca15 Freitag 10.04.2020, 15:19

Eine wahre Geschichte, passend zur Karwoche

Es geschah schon vor vielen Jahren. Ich hatte eine sehr beeindruckende Begegnung vor der Kathedrale in Santiago de Compostela, die mich bis heute noch nicht wieder losgelassen hat und sich nun erneut in mein Gedächtnis schlich.

Ich war mit einer Pilgergruppe gekommen, wir sind nach Porto geflogen und machten Halt bei verschiedenen Stationen und Sehenswürdigkeiten, u.a. natürlich auch in Fatima, wo die Gottesmutter den drei Hirtenkindern erschienen ist. Das war eines unserer Hauptziele, das wir anschließend besuchen wollten.

Dann sind wir weiter mit dem Bus nach Santiago de Compostela gefahren zur Kathedrale des Hl. Apostel Jakobus. Vor der Kirche angekommen,- es waren sehr viele Menschen dort, die sich alle durcheinander in verschiedenen Sprachen unterhielten-, fiel mir schon von weitem sofort ein junger Mann auf, der sehr krank und zerbrechlich wirkte. Er sah mich an und versuchte, seinen Arm mit letzter Kraft, wie ich fand, anzuheben um mich heranzuwinken.
Ich ging ohne zu zögern schnurstracks auf ihn zu und als ich ihm Nahe war, hatte ich das Gefühl, daß er gleich sterben würde. Er war so schwach, sein schmales, trotzdem noch sehr schönes Gesicht war aschfahl und ich hörte mich nur sagen, "kann ich ihnen irgendwie helfen, ich sehe, es geht ihnen nicht gut oder brauchen sie Money?
Ich fühlte mich so schrecklich hilflos, wußte überhaupt nicht was ich machen sollte. Mein Mitleid mit diesem armen so zerbrechlich wirkenden Menschen war grenzenlos. Es müssen mehrere Minuten vergangen sein, ich weiß es nicht; aber ich kam fast nicht mehr los. Die Situation hat mich total überfordert.

Plötzlich rief mein Mann aus irgendeiner Menschenmasse heraus, "Komm jetzt". Er hatte wohl bemerkt, daß ich nicht mehr da war und suchte mich nun. Die anderen unserer Gruppe waren längst in der Kathedrale, die Hl. Messe hatte auch schon angefangen. Da mußte ich jetzt auch hin; aber ich hatte überhaupt keine Ruhe bzw. Andacht, ich mußte ständig an diesen schwerstkranken, jungen Mann, draußen vor der Kathedrale denken. Er braucht doch Hilfe fuhr es mir ständig durch den Kopf. Selbst bei der Verehrung der Reliquien des Hl. Jakobus, -man umarmt und küsst die Statue, die sich hinter dem Hochaltar befindet-, konnte ich keinen klaren Gedanken fassen.

Endlich war der Gottesdienst vorbei und ich ging so schnell ich konnte aus der Kathedrale, um nach dem jungen Mann Ausschau zu halten. Gottseidank fand ich ihn, er war noch da, an einer etwas anderen Stelle. Er hatte sich wieder auf die Steintreppe gesetzt und versuchte aufzustehen, als ich kam. Sein Blick war ausschließlich auf mich gerichtet. Er wollte mir dringend etwas mitteilen; aber er konnte nicht. Wahrscheinlich hätten wir uns auch nicht verständigen können. Ich spreche kein spanisch, er sicher kein deutsch und auf english funktionierte es ebenfalls nicht.

Und leider war diese zweite Begegnung auch nicht länger als die Erste, denn mein Mann kam schon wieder um mich wegzuholen. Schweren Herzens mußte ich gehen, denn unsere Gruppe war schon dabei in den Bus zu steigen. Gleich war Abfahrt. Es hat mich noch lange verfolgt und ich mußte mich ständig fragen, wer war dieser Mensch und was wollte er von mir. Hatte er vielleicht eine Botschaft oder einen Auftrag für mich, den ich hätte für ihn erfüllen müssen. Ja, ich werde es wohl nie erfahren.
Ich denke, es ist eine Geschichte, die zu Karfreitag paßt. Vielleicht mag sie ja jemand lesen.

Rebecca 15


Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > Eine wahre Geschichte, passend zur Karwoche