Eine Schnecke erfindet etwas
Von
tastifix
Dienstag 25.06.2019, 12:43 – geändert Dienstag 25.06.2019, 18:36
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tastifix
Dienstag 25.06.2019, 12:43 – geändert Dienstag 25.06.2019, 18:36
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Die Schneckenkinder Schleimi und Fühli waren die besten Freunde und unternahmen sehr oft etwas gemeinsam.
Es war sehr heiß an jenem Tag. Wieder einmal brachen sie zu einer weiten Reise auf quer über die breite Straße, entlang des Feldes bis zu einem weit hinten gelegenen Gemüsebeet.
„Wie nett von den Menschen, so aufmerksam für uns zu sorgen!“, meinte Schleimi total arglos.
„Hääh?“, machte Fühli erschrocken. „Du spinnst! Die wollen doch den Salat selber fressen!"
„Meinste wirklich?“
Fühli begann sich Sorgen zu machen.
„Solchen Mist redet Schleimi doch sonst nie … ?“
Währenddessen schleimten sie sich mühsam Zentimeter für Zentimeter übers heiße Pflaster auf die andere Straßenseite zu. Zum Glück blieb ihr Schleim knapp unter Kochtemperatur und sie gelangten fast unbeschadet nach immerhin nur dreißig Minuten an den Rand des Feldes.
„Puuh! Ich bin groggy! Brandblasen hab ich zwar nicht, aber mein Hausdach ist so häßlich hellbraun geworden!“, beschwerte sich Fühli.
Sie war doch so stolz auf ihr blütenweißes Haus gewesen, aber jetzt ... Geknickt schielte sie auf Schleimis Haus. Es war ebenfalls dunkel eingefärbt.
„Hoffentlich ändert sich das, wenn die Sonne wieder weg ist. Sonst werden sich die Anderen über uns kaputt lachen!“
Sie setzten ihren Weg fort. Eine Weile später krochen sie an einem höheren Blumenkübel vorbei. An dem kletterte gerade eine fiese Weinbergschnecke hoch. Daumendick war sie und mindestens dreimal so lang. Obwohl Fühli und Schleimi jene Verwandten nicht ausstehen konnten - denn die waren noch verfressener als sie selber und futterten ihnen oft ihr Lieblingsfutter weg - tat sie ihnen auf einmal leid.
„Guck mal, Schleimi, soo rot ist die doch sonst nicht. Ob das ´nen Sonnenbrand ist? Tut garantiert gräßlich weh!“
Jetzt wurde ihnen auch klar, weshalb die den Kübel hoch kletterte. Sie wollte dort unter einem der Pflanzenblätter Schatten finden.
Auch Schleimi und Fühli beeilten sich, ins Kühle zu kommen, erreichten bald das besagte Gemüsebeet, labten sich an zarten Blättchen und krochen dann erleichtert gemeinsam unter ein größeres Blatt.
„Das tut gut! War ja nicht mehr auszuhalten!“, stöhnten sie.
Dann schwiegen sie eine Weile. Die dauerte zu Schnecken passend recht lange.Typisch: Schleimi schlief sofort erschöpft ein. Fühli dagegen dachte plötzlich über etwas intensiv nach, was für Schnecken wirklich eine höchst erstaunliche Leistung bedeutet.
´Ja, das müsste doch eigentlich klappen ...`
Je länger Fühli überlegte, umso überzeugter war sie davon und umso zappeliger wurde sie.
´Das ist die Idee überhaupt!!`
Sie konnte es nicht mehr für sich behalten und weckte Schleimi.
„Lass mich schlafen!“, bekam sie zu hören.
„Nein, es ist wichtig!“
„Wieso? Droht Gefahr?“
Ängstlich schielte Schleimi nach allen Seiten. Es regte sich aber nichts.
„Was ist denn … ?!“
„Schleimi, ich weiß was ...“
"Wir Schnecken wissen immer was!", war die Antwort.
Und Fühli war ja eine.
„Was denn?“, ließ ihr die Neugierde denn doch keine Ruhe.
Schnecken sind nämlich neugierig und Schleimi war ja auch eine.
„Also hör zu … !!“
Aufgeregt verriet Fühli ihre Idee und wurd dabei immer aufgeregter. Zunächst verdrehte Schleimi nur die Augen zur Blattdecke über ihnen. Doch je länger Fühli es beschrieb und sie beschrieb es sehr genau, umso aufmerksamer hörte sie zu.
´Ist ja ne echt verrückte Idee! Aber ...`
Dann laut zu Fühli:
„Wie willste das denn machen? Klappt doch nie!`
Doch Fühli wäre ja nicht Fühli gewesen, wenn sie sich dadurch hätte entmutigen lassen. Im Gegenteil!
´Der werd ichs beweisen. Von wegen, klappt doch nie?!!`
Und schon war Fühli emsig zugange, verließ den schützenden Schatten und kroch auf den Weg. Auf dem lagen viele winzige, dünne Reisigstöcke. Sie hatten genau die passende Größe für das, was sie mit denen vor hatte. Fühli trug einen nach dem anderen bis vor die Blatthöhle. Es wurde ein ziemlich hoher Stapel. Danach trennte sie von einem in der Nähe wachsenden Salatkopf ein besonders schönes frisches Blatt ab und legte es neben die Reisigstöcke.
„Und jetzt?“
„Jetzt wird geklebt!“, verkündete sie stolz.
„Wiiieee??“
„Ich nehm ein bisschen von meinem Schleim!“, erklärte sie.
Schleimi guckte ermahnend:
„Aber nur ganz wenig. Sonst kannste gar nicht wegkriechen, falls etwa ... “
„Keine Bange!“
Fühli strich sich also etwas Schleim auf die Fühler, stupste ihn auf die Enden der Stöckchen und klebte diese vorsichtig an der Unterseite des Salatblattes fest. Dann befeuchtete sie einen etwas längeren Stock und pappte ihn senkrecht mittig der kürzeren Stöcke am Blatt fest. Zuletzt klebte sie jene mit deren anderem Ende ziemlich weit oben an den längeren Stock. Nun musste das Ganze noch trocknen . ..
Gespannt warteten Schleimi und Fühli. Wenig später jubelte Fühli:
„Hält ja! Ein Sonnenschirm für Schnecken!!“
Schleimi guckte die Freundin bewundernd an.
„Toll! Den wollen jetzt bestimmt auch die Anderen haben!“
Fühli lächelte geschmeichelt.
„Aber,“ gab Schleimi zu bedenken, „Sollen die den die ganze Zeit im Maul herumtragen? Wird aber verflixt anstrengend und was wird, wenn sie fressen wollen? Dann kippt der zu Boden und ist sofort kaputt!!“
Doch auch dafür wusste Fühli die Lösung. Sie war ja ziemlich praktisch veranlagt. Aus Grashalmen bastelte sie eine Art Halfter.
„Schleimi, jetzt bist du dran: Klemm mir mal den Schirm oben zwischen die Fühler unters Band!“
Der Halfter hielt, was solche Halfter versprechen und Fühli trug das tolle Sonnendach zur Probe ein paar Zentimeter weit spazieren.
„Funktioniert prima!“
Jetzt war auch Schleimi begeistert.
Fühli war ungewöhnlich klug für eine Schnecke, wandte sich ans Schneckenpatentamt für ungewöhnliche Erfindungen und ließ sich den Sonnenschirm patentieren.
Es wurde ein großer Erfolg. Alle Schnecken der umliegenden Felder bestellten einen solchen Schirm. Bezahlt wurde mit winzigen Salatpflanzen. Die wiederum setzte Fühli in die Erde. Nach ein paar Wochen war daraus ein Riesenbeet geworden. Den schönsten aller Salatkopfsonnenschirme aber behielten Fühli und Schleimi für sich, verbrachten viele Sonnenstunden in seinem kühlenden Schatten und waren glücklich.