Ein Gecko geht auf Reisen
Von
tastifix
Dienstag 01.10.2019, 20:14
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tastifix
Dienstag 01.10.2019, 20:14
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Wir verbrachten unseren Urlaub auf Teneriffa. Abends saßen wir auf der Terrasse des Ferienhauses, genossen den Blick über die Landschaft und lauschten verzaubert den fremdartigen Vogelstimmen. Leider stellten die tüchtigen Sänger sich nicht ´persönlich` vor.
Wie, um deren Unhöflichkeit wett zu machen, leisteten uns bei einbrechender Dunkelheit andere Wesen Gesellschaft. Anstatt sich zu unseren Füßen zu setzen, krallten sie sich an den Hauswänden fest und musterten uns aus Teller großen, dunklen Augen. Es waren Geckos, zierliche Eidechsen von etwa zwanzig Zentimetern Länge. Beinahe ohne Scheu krabbelten sie näher und wichen auch nicht zurück, wenn wir uns bewegten. Stattdessen verfolgten sie neugierig jegliches Geschehen. Sie waren offensichtlich an Touristen gewöhnt und die Erfahrung hatte sie gelehrt, dass ihnen von den seltsamen Zweibeinern keine Gefahr drohte.
„Meine Güte, sind die niedlich!"
Am liebsten hätte ich sie gestreichelt. Aber das wollten sie denn doch nicht.
Noch stundenlang hielten sie sich am Haus auf. Ab und an huschte einer von ihnen kurz ins Gebüsch davon, kehrte aber nach wenigen Minuten zurück und nahm seinen Stammplatz wieder ein. Kein Zweifel: Die mochten uns. Gegen Mitternacht gingen wir zu Bett. Der Hitze wegen ließen wir die Terrassentür etwas offen stehen.
Am nächsten Morgen - wir hatten eine Autotour geplant - griffen wir die Tasche mit dem Proviant, dem Reiseführer und der Straßenkarte. Gutgelaunt stiegen wir in den Mietwagen und brausten los. Nach wenigen Minuten aber ...
„Was raschelt denn da so?"
Stirnrunzelnd sah ich meinen Mann an.
„Wo?"
„Ja, hörst du denn das nicht?"
„Vielleicht ist die Tasche mit den Karten umgekippt!"
Nach einem prüfenden Blick nach hinten zum Kofferraum:
„Nein. Ist sie nicht."
Ich zuckte die Schultern. Beide hatten wir keine Lust dazu, weiter nachzuforschen.
Doch kurz danach:
„Du, schon wieder!"
„Eigenartig ... "
Mein Mann stieg aus, öffnete den Kofferraum und lachte laut los:
„Komm mal schnell! Hier ..."
Ich traute den Augen nicht. Zwischen den Landkarten guckte ein süßer Gecko-Fratz hervor. Es sah aus, als ob sich unser kleiner Freund soeben gründlich über die Fahrroute informiert hätte, dann allerdings äußerst gründlich, denn er hatte die Karte zwecks Gedächtnisunterstützung zur Sicherheit einfach angefressen. Vielleicht trieb ihn nun das schlechte Gewissen oder war es eher allein der Schrecken, uns in nur dreißig Zentimetern Entfernung vor sich zu sehen? Jedenfalls sprang er fix wie ein Wiesel aus dem Kofferraum und flitzte längs der Straße zurück in Richtung der Feriensiedlung. Den Weg dorthin wusste er ja nun.