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Der Tanz der Sonnenkönigin

Von tastifix Montag 05.02.2018, 17:18

Es war an einem wunderschönen Spätnachmittag im Hochsommer. Den ganzen Tag hatte die Sonne gleißend hell vom Himmel geschienen und mit ihrer Wärme alles Leben auf Erden beglückt. In nur wenigen Minuten aber würde es Nacht sein und Menschen, Tiere und auch Pflanzen in erholsamen Schlaf sinken. - - - Auch Mutter Sonne, die Sonnenkönigin, fühlte sich erschöpft. Doch noch war es zu früh für sie, um sich ebenfalls zur Ruhe zu begeben. Wie es bereits seit Anbeginn der Zeiten gewesen war, wartete auf sie noch eine große Freude. „Und so wird es hoffentlich noch sehr, sehr lange sein!“, seufzte sie sehnsuchtsvoll. - - - Derweil zeigte sich im strahlenden Azurblau des Himmels hier und dort ein zartrosa Schimmer. Das Rosa wurde immer kräftiger und schmückte dann als ein roter Saum die Ränder der Wolken. Zugleich malten leuchtend rote schmalere und breitere Bänder, die sich immer wieder kreuzten, ein traumhaftes Gemälde ans Firmament. Die Menschen hielten inne und schauten versonnen und fasziniert nach oben. Jener traumhafte Anblick öffnete ihnen die Herzen und ließ sie für einige Augenblicke den Alltag vergessen. - - - Genauso erhob sich Mutter Sonne und trat vor ihr prächtiges Schloss, dessen goldgelbes Tor dann leise hinter ihr zufiel. Sie betrachtete froh den nun flammenden Himmel. Allein sie, Vater Mond und die Sterne wussten, was es mit dem, was die Menschen ´Abendrot` nannten, wirklich auf sich hatte. Jene Bänder waren nämlich schmale und auch breitere Himmelsstraßen, die nun von den letzten Sonnenstrahlen dieses Tages in glühend rote Teppiche verzaubert wurden. Auf einer von ihnen versammelten sich jetzt kurz vor Einbruch der Dunkelheit die jüngeren Sternenkinder. Brav warteten sie dort auf Vater Mond, putzten nochmals eifrig ihre Zacken blitzblank und guckten sorgsam nach, ob die winzigen Laternen auch leuchteten. - - - Sie mussten sich nicht lange gedulden. Schon nahte Vater Mond und kontrollierte, ob sich die Kleinen gründlich auf ihre Arbeit vorbereitet hatten. „Das habt Ihr gut gemacht!“, lobte er. „Nun folgt mir!“ Und er wies jedem der Kleinen den ihm zugedachten Platz auf jener schmalen Himmelsstraße zu. Sie stellten sich rechts und links auf, so dass es fast wie auf einer Allee in der Welt der Menschen ausschaute. - - - Die älteren Sternenkinder dagegen brauchten keine Anleitung mehr. Sie kannten ihren Platz, eilten selbstbewusst auf den breitesten Himmelsweg, der in einem weiten Bogen bis hin zu dem Schloss der Sonnenkönigin führte und stellten sich dort auf. Ihre großen Laternen schickten ihr helles Licht weit umher. Gleich ihnen nahmen noch die großen Sterne ihren Platz ein. Sie alle zählten zu dem tüchtigen Sternenorchester. - - - ´Es wird Zeit!` Mutter Sonne schritt zurück in ihr Schloss. Dort kleidete sie sich in ihre elegante Abendrobe, die sie ausschließlich zu dieser Stunde trug. Es war ein feuerrotes, weit schwingendes Kleid, übersät mit kleinen goldenen Tupfen. Und ihr Sonnenhut, mit kunterbunten Blumen geschmückt, passte wunderbar dazu. So sehr schön anzuschauen, wandelte sie über einige der Himmelspfade bis hin zu dem schmalen Weg, an dem die jüngeren Sternenkinder schon gespannt auf sie warteten. Fröhlich winkten sie Mutter Sonne mit einer ihrer Zacken zu. Gerührt grüßte diese freundlich nickend zurück. Zur Belohnung bedachte sie jedes mit einem zusätzlichen sanften Lichtstrahl. Sofort blinkten die Laternen noch kräftiger und einige der Kleinen glaubten sicherlich, schon fast so toll zu leuchten wie die Älteren. - - - Es dauerte nicht lange, dann betrat sie die breite Himmelsstraße, die mittlerweile wie ein tiefroter Teppich wirkte und wanderte immer weiter bis zu dem Sternenorchester. Sobald die älteren Sternenkinder sie erblickten, stimmten sie erst leise eine dann immer lauter klingende liebliche Melodie an. Mutter Sonne lauschte den ersten Tönen, die Musik nahm von ihr Besitz. Nicht länger schien sie zu schreiten, sondern es war, als ob sie schweben würde. Und dann drehte sie sich anmutig schneller und schneller im Kreis. Ihr Kleid bauschte sich auf. Es sah wunderschön aus. Es war ein Walzer, der Tanz der Sonnenkönigin, den sie seit jeher jeden Abend tanzte. Für Mutter Sonne bedeuteten diese Minuten die glücklichsten Momente des Tages. Weiter und weiter tanzte sie. Schon bald blieb das Sternenorchester hinter ihr zurück und die bezaubernde Musik wurde leiser und leiser und verklang. - - - Bevor sie sich aber dann endgültig in ihr Schloss zurückzog, wandte sie sich noch einmal um. Die anbrechende Nacht verschluckte bereits das herrliche Farbgemälde des Abendrotes. Jedoch leuchteten nun Vater Mond, die Sterne und selbst die Sternenkinder und nahmen so der Dunkelheit ein wenig des Bedrohlichen. Fürsorglich schickte sie ihnen noch einen Gruß zur Nacht: „Vater Mond, liebe Sternenschar: Bitte erhellt mit Eurem Licht den Menschen, die noch spät unterwegs sind, den Weg, damit sie ohne Schaden zu nehmen ihr Heim erreichen. Tröstet diejenigen, die mit Kummer und Problemen belastet sind, mit Eurem Leuchten, so dass sie sich, wenn sie zu Euch aufschauen, nicht ganz so verloren vorkommen! - Habt Dank dafür und nun wünsche ich Euch eine friedliche Nacht!!“ - - - Wie immer sank Mutter Sonne auch an diesem Abend ermattet, aber glücklich in ihr goldenes Bett und wie jede Nacht träumte sie von ihrem Tanz, dem Tanz der Sonnenkönigin.



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