Der Dimensionstunnel Teil 2
Von
billyblue
Mittwoch 22.01.2025, 20:34 – geändert Freitag 24.01.2025, 21:30
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Tom holte seine neue Pumpgun, auf die er sehr stolz war. Sie lag leicht in seiner Hand. Ohne sie fühlte er sich mittlerweile nackt und wehrlos. Er steckte sie in das im Wagen angebrachte Holster und verstaute das Bowie Knife. Die Europäer werden die Waffenbegeisterung nie verstehen. Jeder US-Bürger musste sich wehren können. Los ging es. Nach drei Umdrehungen des Motors und explosionsartigen Geräuschen, die mit einem dunklen Rauch aus dem Auspuff einhergingen, tuckerten sie los, hinter sich eine lange Staubfahne herziehend. Durch den unbefestigten Untergrund der Straße war diese unvermeidbar. Nach ca. 10 Minuten waren sie am Ziel angekommen, dem Parkplatz ihres Baumarktes mit dem hochtragenden Namen „The Home Depot Inc.“ Egal wie der Name auch lautete, er war der größte in der gesamten Umgebung. Jedem Heimwerker ging das Herz auf und bekam glänzende Augen, wenn er nach dem Durchschreiten des großen Portals im Bastelparadies angekommen war. Tom hatte Glück, einen freien Platz direkt vor dem Eingang zu finden. Die Bretter brauchten also nicht weit geschleppt werden. Aus früheren Besuchen erwartete er, dass sich die Verkäufer sofort verdrückten, wenn ein Kunde in ihrem Gesichtsfeld auftauchte. Er war positiv erstaunt, als ihn sofort ein netter junger Mann ansprach.
„Guten Tag, kann ich Ihnen behilflich sein?“
„Ja sehr gerne, ich benötige 10 Bretter in der Größe Länge 1,80 m, Breite 40 cm und 3 cm Stärke“
„Kein Problem, ich werde sie Ihnen zurechtschneiden.“
Während Tom dem Verkäufer folgte, stromerte Timmy durch den Laden. Vielleicht ließ sich für ihn etwas finden, für das er seinem Dad ein paar Dollars aus den Rippen leiern konnte. Beim Herumlaufen sah er am anderen Ende des Ladens einen weißen Fleck. Sollte dort ein Feuer ausgebrochen sein und er sah die beginnende Rauchentwicklung? Neugierig näherte er sich dem Qualm. Doch je näher er kam, desto unwahrscheinlicher kam ihm die These des Rauches vor. Es war Nebel! Wie um alles in der Welt kommt Nebel in einen Baumarkt? Davon hatte er noch nie was gehört oder gelesen. Nun ja, er war nur ein Teenager und konnte nicht alles wissen. Vor der Nebelwand, die sich langsam in den Verkaufsraum schob, stand ein Kunde und beobachtete fasziniert dieses Phänomen. In der weißen Suppe sah man sich langsam bewegende Schatten und mit einem Plumps fiel ein Wesen heraus. Tim sprang erschrocken zurück. Die Gestalt, Tier oder was es immer sein mochte, sah wie eine große Kugel mit einem Durchmesser von ca. 1,50 m aus. Rings um seinen Körper waren kleine Beinchen angeordnet. Auf denen bewegte es sich taumelnd vorwärts. Der neugierige Kunde stand starr vor Schreck, vor Angst unfähig sich zu bewegen. Das Wesen taumelte auf ihn zu. Plötzlich bildetet sich ein Trichter und stülpte sich über den armen Kerl. Mit einem schmatzenden Geräusch wurde er absorbiert. Durch den halbtransparenten Körper sah Timmy noch voller Entsetzen einen Schatten rutschen. Am Anfang bewegte er sich noch schwach, dann war Ruhe. Es müssen sehr aggressive Säuren vorhanden sein, bald war von dem armen Mann nichts mehr zu erkennen, er hatte sich einfach aufgelöst. Timmy stand einfach da ohne sich bewegen zu können, sein Körper gehorchte ihm nicht mehr. Er merkte wie sich seine Blase leerte und es ihm warm das Bein herunterlief, dann löste sich die Starre. Voller Panik fing er an zu laufen, nur weg von hier, dem Ort des Grauens. Wo ist mein Dad war alles was er noch denken konnte.
Endlich fand er ihn hinter einem großen Regal.
„Dad schnell, schnell wir müssen hier verschwinden. Da hinten geschieht schreckliches“
„Tim, immer mit der Ruhe, was hast du dir nur wieder ausgedacht?“
„Nein Dad, wenn du das nicht mit eigenen Augen gesehen hast, kannst du es dir nicht vorstellen. Komm mit, wir müssen aber sehr vorsichtig sein.“
Tom war noch immer nicht von der Wichtigkeit der Entdeckung überzeugt, ging aber mit. Mittlerweile taumelten weitere bizarre Wesen ziellos in dem immer dichter werdenden Nebel umher. Grotesk war noch milde ausgedrückt. Tom erinnerten sie an die Dinger, die man unter einem Mikroskop sehen konnte, nur eben riesenhaft vergrößert.
Jetzt war der gewählte Parkplatz für den Pickup nicht mehr so günstig. Der Haupteingang war nicht mehr sichtbar und auch zu weit weg. Er erinnerte sich an den Notausgang am Ende der Halle.
„Timmy, du bleibst hier und versteckst dich hinter diesem Regal, das werde ich schon wiederfinden. Ich werde mich zu unserem Wagen durchschlagen und die Pumpgun holen. Das hier erscheint mir alles sehr gefährlich und wird wahrscheinlich noch eskalieren. Zum Überleben benötigen wir das Schießeisen.“
Tom schlich sich die Wand entlang bis zur Tür. Diese Tür ist elektronisch gesichert und nur im Notfall zu öffnen, stand auf einem Schild. Der Notfall war wohl jetzt eingetreten. Er schlängelte sich durch die geparkten Autos, immer auf Deckung achtend. Der sich immer weiter ausbreitende Nebel erschwerte die Orientierung ungemein. Er schnappte sich die Flinte und sein Bowie Knife, sicher ist sicher. Jetzt noch zurück und Timmy heil aus der Gefahrenzone bringen. Der Rückweg war schwieriger als gedacht, auch vor dem Baumarkt waren die torkelnden Wesen aufgetaucht schon aufgetaucht. Tim hatte sich nicht gerührt und hatte an dem Platz verharrt, an dem er ihn verlassen wurde.
„Timmy, jetzt kommt es auf uns beide an. Wir binden unsere Gürtel zusammen, damit wir uns nicht verlieren können.“
Sie machten sich auf den Weg, leider war die Suppe mittlerweile so dick, dass die Hand vor Augen nicht mehr zu erkennen war. Auf gut Glück tasteten sie sich vorwärts, Richtung Ausgang, so glaubten sie wenigstens. Da, ja, da vorne schimmerte es heller. Sie schlichen darauf zu, plötzlich waren sie in einer anderen Welt. Irgendetwas war geschehen.