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Der Dimensionstunnel Teil 1

Von billyblue Mittwoch 22.01.2025, 20:32 – geändert Freitag 24.01.2025, 21:31

Mein Dank gilt Tastifix, die mich durch ihr Mammut erst auf diese Gedanken gebracht hat.

Eine Nachttischlampe erhellte notdürftig das Zimmer. Im Bett lag eine Frau, deren vergangene Schönheit man immer noch erahnen konnte. Momentan ähnelte das Gesicht aber eher einem Totenschädel mit den eingefallenen Wangen und der fahlen, gelblichen Haut. Ihr Atem, der schwer und röchelnd ging, war das einzige Geräusch, das die Stille durchbrach und auch das hörte plötzlich auf. Neben dem Bett saß ein Mann. Er hielt ihre erkaltende Hand und blieb noch lange bewegungslos und stumm sitzen.

„Timmy mach doch mal die Musik leiser, du weißt doch, dass ich laute Geräusche morgens nicht gut vertrage“, rief Tom aus der Küche. Er war gerade dabei Rührei mit Bacon zu backen. Ein angenehmer Duft durchzog die Wohnung.
Tim war in der Zwischenzeit dabei, zwei Scheiben zu toasten sowie dem Automaten zwei Kaffee zu entlocken, einen schwarzen großen Pott für den Vater und einen kleinen Milchkaffee für ihn selbst.
„Dad, du weißt doch, dass man Trashmetal nur laut hören kann. Ich mag Musik nur wenn sie laut ist und mir in den Magen fährt.“
„Das mag ja auf dich zutreffen, aber du bist nicht der Einzige. Es wohnen hier noch mehr Menschen als du. Etwas Rücksicht solltest du mit 16 Jahren schon gelernt haben. Ich habe in meiner Jugend Hard Rock gehört. Das war für meinen Vater auch nur Krach, mittlerweile geht es mir mit deiner Musik genauso.“
„Ok, ich mach ja schon, nicht böse sein.“
Timmy drehte die Lautstärke herunter, seiner Meinung nach auf kaum hörbar, seinem Vater nach immer noch grenzwertig. So sehen halt Kompromisse aus. Nach dem Tod seiner Frau, die er einfach nicht vergessen konnte und jeder neuen Beziehung im Wege stand, war Tom ein alleinerziehender Vater geworden. Am Anfang war das eine riesige Aufgabe. Ein Mann, der sich bisher wenig um den Haushalt gekümmert hatte und ein pubertierender Junge, der gerade seine Mutter verloren hatte, standen vor einem Berg von Problemen. Irgendwie hatten sie sich aber zusammengerauft und ein für beide Seiten annehmbares Miteinander gefunden.
„Tim ich brauche dich später. Ich muss noch in den Baumarkt Bretter holen. Du weißt, unser Schuppen muss repariert werden bevor er zusammenfällt. Geld für einen neuen haben wir nicht.“
„Och Dad, ich habe doch Ferien und wollte nachher zu Porky, wir wollen abhängen und Musik machen.“
„Timmy du weißt gar nicht wie gut es dir geht. Viele deiner Mitschüler arbeiten in den Ferien um sich ihr Taschengeld ein wenig aufzubessern. Atsch zum Beispiel trägt Zeitungen aus und Henry füllt die Waren in einem Supermarkt auf.“
„Ach Dad, das mit den Zeitungen würde bei mir nicht klappen. Du weißt doch, dass ich morgens Schwierigkeiten mit dem Aufstehen habe. Um fünf Uhr morgens? Da wird mir garantiert schlecht, und ich wäre den ganzen Tag nicht zu genießen. Nächstes Jahr im College sieht das bestimmt schon anders aus. Gönn mir doch meine letzte Auszeit. Ich muss nur noch mal kurz weg. Wann wollen fahren?“
„In ein bis eineinhalb Stunden. Kann ich mich darauf verlassen, dass du rechtzeitig wieder zurück bist?“
„Aber klar doch, bin bald wieder zuhause.“
Timmy schwang sich auf sein Fahrrad, Tom nahm die Tasse Kaffee sowie den Daily Cronicle von Montag, dem 14.8. und fing an zu lesen. Zuerst den Sportteil, der war eigentlich das Einzige was ihn wirklich interessierte. Da er bis zur Abfahrt noch viel Zeit hatte, blätterte er weiter. Im Wissenschaftsteil war ein interessanter Artikel. Heute würde der Höhepunkt eines seltenen Naturereignisses stattfinden. Es solle nicht nur eine große Konjunktion zwischen den Planeten Jupiter und Saturn stattfinden, die geschieht alle Zwanzig Jahre, nein alle Planeten würden in einer Reihe hintereinanderstehen, eine Superplanetenparade. Die entfesselnden Gravitationskräfte seien gewaltig, es könne wahrscheinlich zu seltsamen Phänomenen kommen, welche man noch nie in den letzten Jahren beobachtet habe. Tom taten die Leute an den Küsten leid, dieses Ereignis sorgte doch bestimmt für eine starke Springflut. Es wird zu Überschwemmungen kommen. Hoffentlich halten die Deiche. Ein Wissenschaftler hat sogar gewarnt, dass es zu einer Verschiebung des Raum-Zeit-Kontinuums kommen könne. Die Zeugen Jehovas hatten mal wieder diesen Tag als Weltuntergang errechnet und diejenigen, die nach dem Massenselbstmord davongekommenen der Havens Gate Sekte, machten sich schon auf zu ihrem heiligen Berg. Dort sollten sie von einem Ufo abgeholt werden. Die Dummheit der Menschen scheint unbegrenzt zu sein. Unter Vermischtes war noch eine kurze Notiz, seit einigen Tagen sind vereinzelt Kadaver von exotischen, bisher unbekannten Tieren wie aus dem Nichts aufgetaucht. Der berühmt, berüchtigte Prof. Timothy Leary der Harvard University wollte sie morgen in Augenschein nehmen. Ob er mit einem durch LSD erweitertem Bewusstsein an die Sache herangehen würde? Tom musste grinsen. Es war Hochsommer und „Saure Gurkenzeit“. Die Redaktionen mussten sich alles nur Erdenkliche aus den Fingern saugen damit die Spalten gefüllt werden konnten. Er wäre nicht erstaunt gewesen, wenn sich King Kong und Godzilla am nahen Stausee beim Trinken in die Wolle gekommen wären oder der Riesenalligator dort seine Runden gedreht hätte. Vielleicht wird das Letztere irgendwann Wirklichkeit werden. Durch die Erderwärmung bedingt, könnten sich wirklich einige von den Biestern zu einem Treck nach Norden entschließen.
Tom war mit seiner Lektüre zum Ende gekommen faltete die Tageszeitung zusammen, schaute auf die Uhr. Es war etwas mehr als eine Stunde vergangen seit Tim weggefahren war, langsam sollte dieser wieder auftauchen. Er hatte keine Lust die schweren Bretter, allein im Pickup zu verstauen. Langsam stand er auf und blickte aus dem Fenster, gerade rechtzeitig, um zu sehen wie sein Sohn mit einem eleganten Schwung sein Fahrrad zu Stehen brachte.
„Hallo Sohnemann, du bist ja pünktlich, hatte ich gar nicht erwartet.“
„Aber Paps, du kennst mich doch, wenn ich ein Versprechen gebe, versuche ich das, wenn es in meiner Möglichkeit liegt auch einzuhalten.“

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