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Das Sturmtief und ich

Von tastifix Montag 24.06.2019, 11:35 – geändert Montag 24.06.2019, 17:13

Der Sturm wütete über Deutschland und entfaltete mit 88 km/st eine erschreckende Kraft. Die Menschen waren gewarnt worden, besser daheim zu bleiben. Selbst dicke Bäume wurden Opfer des furchterregenden Naturschauspiels. Entwurzelt stürzten sie zu Boden oder krachten gar auf parkende Wagen. Fernreisen der Züge fielen aus und manche Autobahnen waren gesperrt.

Es wurde ständig unheimlicher, mit nur kurzen Pausen schüttete es dabei wie aus Eimern, der Regen peitschte wild gegen meine großen Dachfenster. Die Rolläden klapperten erst nur leise, bald lauter und dann schien es mir, als ob sie jeden Moment weggerissen werden sollten. Vor meinem geistigen Auge flogen bereits sämtliche Gartenkübel durch die Gegend und die beiden hohen Palmen auf dem Balkon reisten unfreiwilligerweise kreuz und quer durch die dunklen Wolken über meinen Stadtteil hinweg.

Nein, bevor es gar dazu käme, musste etwas geschehen. In meinem Kopf spukte schon eine Idee: Mir fiel nämlich auf, dass das Sturmtief, bevor es danach dann noch tiefer wurde, ab und an eine kurze Energie-hol-Pause einlegte, während derer die Sonne eingeschüchtert nur scheue blasse Strahlen zur Erde schickte. Die Arme! Sie erlag binnen weniger Minuten jener Anstrengung und entschwand hinter einer neuen, heran rasenden schwarzen Wolkenfront. Doch genau jene Minuten würde ich nutzen und das Sturmtief bekämpfen.
Eigentlich war alles so einfach. Ich schnappte mir den Regenanzug, doch den Schirm verschonte ich. Er hätte den geplanten Racheakt nicht heil überstanden und des wollte ich dem treuen Gesellen nicht antun. So gewandet, die Beine in extra hohen Regenstiefeln, tappte ich also auf den grünen Gartenteppich, der eher graumatschig wirkte und zudem reichlich zerzaust.
´Den jetzt bürsten … Nee, das mach ich später!`

Mein Anblick versetzte dem Sturmtief einen Schock. Entsetzt verlor es vor Überraschung einen gewichtigen Teil seiner Energie und hielt deshalb für einen Moment inne, gerade lange genug, dass ich in meiner Regenkleidritterrüstung zum Angriff übergeben konnte. An mir zerrte ja in dem Augenblick nichts herum oder brachte mich gar aus dem Gleichgewicht. Ich holte Luft, so sehr wie noch nie in meinem Leben, pustete nach Kräften und nahm dem Sturm noch mehr seiner Kraft.

Doch er überwand den Schrecken und bemühte sich trotzig, mir mit der ihm verbliebenen Restenergie pustend meine aufkommenden Triumphgefühle zu vergällen. Aber sie erwies sich als zu schwach und ich blies all die schwarzen Wolken, die immer noch als Zeichen des Unwetters am Himmel dahin jagten, fort. Entsetzt registrierte das ständig schwächer werdende Sturmtief, dass ihm damit tatsächlich auch noch seine zweitwichtigste Waffe im Krieg gegen den aufkommenden Frühling genommen war. Diesmal erwies sich der Schock darüber als dermaßen windtötend, dass es nur noch schwach vor sich hin säuselte.
Vergnügt stand ich dort, ein kleines Menschlein und blies noch ein letztes Mal. Der Sturm war besiegt, es herrschte wieder eitel Sonnenschein.

Leider wars nur ein Traum ...

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