Das Leben einer Büropflanze.
Von
Heha45
Freitag 28.09.2018, 17:41
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Heha45
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Also, dieser Flur vor dem Servicebüro sagt mir gar nicht zu. Bevor ich hierher kam stand ich im Büro eines Finanzbeamten, dort war es gemütlich. Er blätterte viel in seinen Akten, ab und zu kam jemand mit einem Anliegen. Dann kochte Herr Bleich Kaffee für sich und seinen Besuch und zündete eine Zigarette an. An den Qualm hatte ich mich, über die Jahre hin, gewöhnt. Wenn sie fertig geredet hatten, wurde das Fenster geöffnet und ich bekam einen Schluck aus der Gießkanne. Die stand immer auf dem Fensterbrett mit abgestandenem Wasser. Frisches bekommt mir nicht so gut, das wusste Herr Bleich.
Mit der Zeit wurde ich zu groß für das kleine Büro und ich zog hinunter, vors Servicebüro. Hier ist immer was los, Menschen kommen und gehen. Leider stehe ich oft im Durchzug aber zum Glück sind Rollen unter meinen Topf montiert, dadurch wechselt mein Standort fast täglich. Ich bin sozusagen eine Wanderpalme. Die Putzfrau schiebt mich in eine Ecke um wischen zu können. Am nächsten Morgen schubsen die Angestellten mich da weg, damit sie ins Büro gehen können, sonst würdigen mich keines Blickes.
Jetzt wird´s wieder heiß an meinen Wurzeln. Ohne zu gucken weiß ich, es ist die blonde Sandra. Sie kommt meistens auf den letzten Drücker mit einem Kaffee in der Hand. Dessen Rest kippt sie in meinen Topf samt Pappbecher, widerlich. Mister Qualm, so wird dieser kettenrauchende Mensch genannt, drückt mir seine glimmende Zigarettenkippe in die Erde, bevor er sein Büro betritt. Zum Glück erstickt die Glut sofort, doch dieser eklige Geschmack lässt mich erschauern.
Viel Freude bereitet mir Swen der Azubi, er hat den Auftrag mir regelmäßig
Wasser zu geben. Das macht er reichlich, die Schadstoffe im Topf werden verdünnt und zum Dank stelle ich meine Blätter wieder auf.
Ganz schlimm wird mein Dasein wenn jemand Geburtstag hat, dann wünsche ich mir Füße zum Weglaufen. Die letzte alkoholische Orgie veranstaltete Herr Bäude zu seinem 50sten. Sekt, Likör, Bier, vieles davon landete in meiner Erde. Die meisten seiner Kollegen verlangten einfach nur Wasser. „ An meinem Geburtstag wird mit Alkohol angestoßen, “ tönte er laut und zwang jedem ein Getränk auf. Mir war tagelang schlecht, von all den Resten. Sogar über Sandras Kaffee freute ich mich am nächsten Tag.
Swen erkannte meine Not, er gab mir eine extra Ration Wasser und flüsterte mir zu: „ Ich glaube du ziehst wieder um und zwar ins Hallenbad. Herr Qualm verlangt schon nach einem Aschebehälter. Wenn du weg bist, weiß er nicht wohin mit seinen Kippen.“ Hat Swen sich für mich eingesetzt? Jedenfalls bin ich neugierig, das Hallenbad würde mir sehr gefallen, ganz besonders die feuchte Luft.
Da kommen zwei Männer vom Bauhof verfrachten mich in ihren Transporter und schon setzt der sich in Bewegung. „Wohin eigentlich?“ fragt der Fahrer. „Zum Schwimmbad.“