Busfahrt.
Von
Heha45
Montag 05.11.2018, 14:44
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Heha45
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Also, das weiß ich jetzt schon, den kann ich nicht riechen. Ausgestreckt, den Sitz nach hinten geklappt liegt er da und mein Sitz befindet sich genau dahinter. Wie komme da hinein? Ich muss ihn wecken. „Hallo, würden sie bitte ihre Lehne hochstellen, ich möchte hier rein.“ „Ja klar, “ kommt aus dem unrasierten Gesicht.
Wohin mit meiner Jacke, die Gepäckablage ist schon vollgestopft mit allem Möglichen, auch Rucksäcken voller Lebensmittel, kommt eine Hungersnot und ich weiß es noch nicht? Suchend sehe ich mich nach einem Plätzchen für meine Jacke um. „Hier ist noch etwas frei“, tönt es vom hinteren Ende des Busses. „Ich sitze aber hier“, rufe ich, in der Hoffnung irgendjemand nimmt seine Tasche aus der Ablage und positioniert sie an seinen Füssen. Nichts, keiner rührt sich.
Ich nehme Platz. Kaum sitze ich, klappt die Lehne des Vordermanns wieder nach hinten. Nun liegt er fast auf meinem Schoß. „Ziemlich eng bestuhlt“, sage ich. „Jaja, zum Einsteigen, “ meint der Liegende, „ wenn man einmal sitzt dann geht’s.“ „Stimmt“, entgegne ich, „aber sie liegen.“ „Wenn sie raus wollen, sagen sie nur Bescheid, dann mache ich Platz.“ Wie gütig, denke ich.
Plötzlich Tumult im Bus. Ein Mitfahrer der schon in aller Herrgottsfrühe Lust auf Bier verspürt, stolpert, mit zwei Flaschen in den Händen, über die Krücken der korpulenten Hüftoperierten aus der zweiten Reihe. Die Gehhilfen legte sie einfach im Gang ab. Jetzt schaltet sich der Busfahrer ein, der die Scherben beseitigen muss. „So geht das nicht, der Gang muss frei bleiben.“ Nimmt die Krücken und verstaut sie im Gepäckraum. „Ohne Gehhilfen komm ich hier nicht weg“, jammert die Dicke. Mein Gott, denke ich dann bleib doch zu Hause, oder fahr mit dem Roten Kreuz, die bieten Reisen für solche Fälle an. Ehe wir, zu einer Pause, ausgestiegen sind ist die Zeit schon fast wieder um, so hält sie uns alle auf.
Noch zweimal Bitten und mein Vordermann lässt mich ungehindert einsteigen. Irgendwann legt er sich nicht mehr ganz so weit zurück.
Unser Ziel ist London. Dort verbringen wir einige schöne Tage im Schneegestöber. Sobald die Flocken den Boden berühren sind sie auch schon geschmolzen.
Die Rückreise naht. Alle Touristen nehmen artig ihre Plätze ein, es geht gesittet zu. Der Geräuschpegel steigt, man kennt sich nun und unterhält sich kreuz und quer. Unterwegs fällt dem Busfahrer ein, Musik fehlt, er legt entsprechende Tonträger ein. Das hat mir gerade noch gefehlt. Diese Schnulzen gemischt mit dem Gerede der Fahrgäste empfinde ich als Folter. Stücke vom Papiertaschentuch stecke ich in meine Ohren, es dämpft ein wenig. Anscheinend bin ich die Einzige, die sich fünf Stunden lang gefoltert fühlt, jedenfalls beschwert sich niemand. Vielleicht halten alle still, so wie ich, um nicht anzuecken.
Wenn ich zu Hause bin, schreibe ich eine Mail an den Veranstalter.