Zeichen der Verdammnis
Von
tastifix
Dienstag 02.07.2024, 09:33 – geändert Samstag 20.07.2024, 06:43
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„Nicht heute! Ich will nicht mehr!“
Sie stöhnte leise, aber es klang keinesfalls wie ein Seufzer der Trauer. Gleich würden ihr die Brautjungfern den Schleier bringen und sie sich dann als eine wunderschöne Braut ihrem Zukünftigen und der Verwandtschaft präsentieren. In Gerd hatte sie den Mann ihrer Träume gefunden.
„Mit ihm werde ich endlich glücklich sein!“
Es klopfte. Froh öffnete Marleen die Tür. Im selben Moment verdunkelte sich draußen die Sonne und der Raum lag in einem unheimlichen, dämmrigen Licht. Mit einem Schreckenslaut wich die junge Frau ein paar Schritte zurück. Vor ihr standen mitnichten die Freundinnen, um ihr beim Ankleiden zu helfen, sondern eine in eine bodenlange tiefschwarze Kutte gehüllte Frau. Die schwarze Maske vor dem Gesicht gab allein einen schmalen Schlitz für die Augen frei.
In der Hand trug sie einen kostbaren Brautschleier, der über und über mit winzigen Perlen bestickt war. Sie streckte ihn der jungen Frau entgegen:
„Nimm, dies ist Dein Lohn!“
Marleen blickte in jene Augen, hörte die etwas rauhe Stimme. Die Erinnerung drückte sie nieder. Sie erbleichte.
„Das kann nicht sein. Weiche von mir!“
Entsetzt starrte sie die Gestalt an:
„M...Mutter!!“
Marleen wollte es als eine nur furchtbare Einbildung abtun, aber es gelang ihr nicht. Vor ihr stand der Geist ihrer Mutter, der nun mit dunkler Stimme drohte:
„Du nimmst jetzt sofort diesen Schleier!!“
Marleens Flehen war nur noch ein Hauch:
„Hab` Erbarmen!“
„Es gibt keine Gnade!“
Die Mutter murmelte ein paar Worte. Im nächsten Moment erstarrte Marleen, außerstande, sich etwa zu wehren. Brutal drückte ihr jene den Schleier ins Haar. Grelle Blitze tauchten den Raum für Sekunden in unheimliche Helligekit, erschütternde Donnerschläge kündigten Grausames an. Doch plötzlich lag der Raum erneut in bedrohlicher Finsternis, in der der Geist der Mutter zum Schemen wurde und sich dann wieder verflüchtigte. .
Grauenhafte Schreie ließen den Bräutigam und die Verwandtschaft, die im Festsaal auf die Braut warteten, geschockt zusammenfahren:
„W..Was war das!?? - Marleen!!“
Von Panik erfasst, hetzte Gerd in die obere Etage zum Zimmer seiner Verlobten. Dessen Tür stand weit offen. Rauchschwaden schlugen ihm entgegen, es bot sich ihm ein entsetzlicher Anblick. Der einst strahlend weiße Brautschleier glühte rot wie Blut. Die Perlen hatten sich in Dolche verwandelt, die sich unbarmherzig immer tiefer in Marleens Schädel bohrten. Um ihren Körper züngelten Flammen, erfassten die Beine, fraßen sich aufwärts. Schon berührten sie ihr vom Schmerz grässlich verzerrtes Gesicht.
Aber es war noch nicht genug des Grauens. Von den Wänden hallte das unheimliche Echo einer hohlen Stimme:
„Ich bin der Geist ihrer Mutter. Damals habt Ihr Euch nach der Ursache unseres Todes gefragt. Bis heute blieb dies ein Geheimnis. Doch nun sollt Ihr die Wahrheit erfahren. Marleen war es, die ihren Vater und mich aus wahnsinnigem Hass ertränkt hat. Nun ist die Tat gesühnt und wir werden unseren Frieden finden!“
Es wurde totenstill, so still, dass man den Odem des Verbrechens spüren konnte. Wie geläümt dort verharrend, versuchte Gerd noch, sich einzureden, dass alles nur ein furchtbarer Albtraum wäre. Aber die Flucht vor der Wahrheit war ihm nicht vergönnt.
´Und dieses Wesen dort habe ich über alles geliebt. Eine Mörderin!`
Er war gezwungen mit anzusehen, wie Marleens Körper allmählich verkohlte und nur noch etwas Asche zurückblieb. Ein zweites Mal meldete sich der Geist der gequälten Verstorbenen:
„Marleen: Sei verflucht in alle Ewigkeit!“
Damit war die Tat gerächt. Die Asche verschwunden. Nicht länger beherrschte den Raum gespenstische Düsternis, sondern er lag wie zuvor in wohltuender Helligkeit. Draußen schien die Sonne ...