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WUNDERSAM GEBORGEN

Von egalis Montag 27.05.2019, 14:09

Nach über 31jähriger Ehe ließ sich der Mann, dem ich mein Leben gewidmet hatte, von mir (Im Namen des Volkes! Was, bitteschön, hat das Volk damit zu tun?) scheiden. Drei Monate nach unserer Scheidung heiratete der Vater meiner Kinder seine um eine Generation jüngere Sekretärin.
Ich war einmal mehr geschockt und konnte nicht fassen, dass auch eine kirchliche Trauung stattfinden sollte. - Es stand und steht da immer noch unser Schwur vor Gott: „...zusammenhalten in guten wie in schlechten Zeiten, bis dass der Tod euch scheidet“, der nie aufgelöst wurde.
Jetzt treten zwei Ehebrecher vor den Altar und geloben sich ewige Treue mit dem Segen der Kirche...!

In mir zerbrach wieder mal etwas.
Es war mir unmöglich geworden, das Vaterunser vollständig zu sprechen. Schon gar nicht den Passus: ...wie auch wir vergeben unseren Schuldigern... und das Gotteshaus betreten, in dem die Trauung stattgefunden hat, kann ich immer noch nicht.

Eine liebe Freundin, die auf Juist lebt, lud mich zu sich ein auf die Insel. Bei vielen Strandgängen versuchte ich, einen freien Kopf zu bekommen, was aber nicht glückte. Da war immer noch die innere Enge, die nicht weichen wollte.

Himmelfahrt bestand meine Freundin darauf, dass ich sie zur Bill begleitete, wo ein Gottesdienst in der Natur stattfinden sollte. Es war ein wolkenloser, blauer Himmel an diesem Tag. Die Sonne schien. Das Rauschen der Wellen hinter den Dünen klang gedämpft herüber. Ein offenes, weißes Zelt war aufgestellt. Auf dem schlichten Altar stand das Kreuz. Die Kerzenflamme flackerte im leichten Wind.
Die spürbar eigenartige und feierliche Stimmung nahm mich gefangen. Kühe, Gänse, Katze und Hund vom Hof schauten ruhig zu uns herüber, als wüssten sie um die Bedeutung dieses Tages.
Die Trompetenbegleitung zu den Gesängen und die Soli wühlten mich auf, ebenso wie die eindringliche Predigt.
Ungewollt und unvermutet und doch sehr bewusst kam mir dann beim Vaterunser über die Lippen: ...wie auch wir vergeben unseren Schuldigern...

Meine Empfindung hierüber lässt sich kaum beschreiben. In den kurzen Moment des Staunens mischte sich ein warmes Gefühl von Erleichterung und Dankbarkeit.

Dies hält bis heute an und hat zur Folge, dass ich mit meiner Situation besser umgehen kann. Ich fühle mich nicht mehr alleingelassen, sondern
...von guten Mächten wundersam geborgen....

/©Elke Bontjer-Dobertin

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