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Wenn der Schein trügt

Von Pinnacle Freitag 08.05.2020, 08:40

Wenn der Schein trügt
Joa Bosch ©BJS


Ja, zurückblickend war es zwar ein bewegtes Dasein, aber bestimmt kein besonders schönes, geschweige denn ein erfülltes Leben. Schon als er das Licht der Welt erblickte, wurde er einfach sofort weitergereicht. Seine Kindheit, wenn man sie überhaupt so bezeichnen konnte, war mehr oder weniger eine Reise um die halbe Welt. Täglich, ja fast stündlich musste er seinen Aufenthaltsort wechseln, so als ob er auf der Flucht wäre. Heimatlos fand er nirgends Rast oder Ruhe. Es war nun einmal seine schicksalhafte Bestimmung.

Aber er erlebte auch viel Interessantes. Sein Dasein war geprägt von guten und schlechten Erfahrungen. Genauso wie es das Leben für jeden Anderen bereit hält.
Ihm begegneten auch so manche „Falsche Fuffziger“, deren aalglatt-saubere Erscheinung ihn aber nicht täuschen konnten. Wenn diese Kontakte auch nur flüchtig waren, hinterließen sie bei ihm doch einen bitteren Nachgeschmack. Denn die meisten Leute ließen sich von solchen Typen blenden und bemerkten nicht, dass der „Schein“ trügt. Er dagegen war ehrlich und wollte immer nur echt wirken. Aber bedingt durch sein rastloses Leben war er gezeichnet. Und er fühlte sich abgenutzt, ja schmutzig. Er ging in der Masse einfach unter.

Selten wurde er beachtet. Meist waren es Kinder, die sich an seiner Anwesendheit erst erfreuten, aber dann doch schnell das Interesse verloren und ihn irgendwo und für irgendetwas „links liegen“ ließen.
Es war schon aufregend, so vieles samt und sonders kennen zu lernen, aber es ist nicht alles Gold, was glänzt!

Egal wo, ob in Restaurants, Einkaufszentren, Theater und Kino oder in Urlauben, überall erweiterte er seine Weltkenntnis, wie im Guten so auch im Bösen. Selbst bei Betrügereien und Bestechungen, auch in Bordellen oder beim Drogen- und Waffenhandel war er als stiller Beobachter schon dabei. Er konnte von seinem Wissen aber keinen Gebrauch machen. Er blieb still und stumm. Ihm blieb nur die tröstliche Gewissheit, dass er für das, was er in seinem kurzen Dasein so alles erlebt hatte, Normalsterbliche mehr als 500 Jahre bräuchten!

Doch irgendwann endet für jeden die Existenz. Auch für ihn. Schließlich kam dieser Tag und er reihte sich in die Schlange der Betroffenen geduldig ein.
Als er jenes mahlende Geräusch hörte, was ja sein absolutes Ende be-deutete, machte ihm das keine Angst. Denn er wusste, dass er irgendwann einmal wiedergeboren wird, vielleicht mit einer noch viel höheren Wertigkeit als zuvor.

Gleichgültig verschlang der Reißwolf ihn und all die anderen. Somit war den Richtlinien der Bundesbank Genüge getan. Der Fünfzig-Euro-Schein mit der Seriennummer AX67740182606 wurde nach seiner Laufzeit für immer aus dem Zahlungsverkehr gezogen und vernichtet.

Diese Redewendung wird gebraucht, wenn etwas besser, oder auch schlechter ist, als es den Anschein hat. Sie wird verwendet, wenn die Täuschung natürlich oder zufällig entstanden ist, aber auch, wenn sie absichtlich erzeugt wurde.

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