Wandern ist des Carlos Lust
Von
Fiddigeigei
Freitag 20.10.2023, 11:45 – geändert Freitag 20.10.2023, 11:52
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Fiddigeigei
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Wandern mit Carlos
Wandern mit Carlos ist meist mit Schmerzen und Unwetter verbunden. Es ist obligatorisch dass an einem Wandertag , der meist einmal im Monat angesagt wird, die Fahnen auf Halbmast gezogen werden müssen.
Die Frauen der beiden angesagten Gipfelstürmer erheben wehklagend ihre Hände zum Himmel empor und bitten den Unendlichen um Gnade für die zwei Unerschrockenen. Das kleinste Übel an diesem Tag ist, dass es regnet . In allen Facetten vom Tröpfeln, bis zum Starkregen ist alles dabei und Gewitter sowie Schneeschauer gabs auch schon.
Nichts desto Trotz machte ich mich auf den Weg zum Busbahnhof ins Städtchen, wo mein Mitwandergeselle auf mich wartete.
Schon auf dem Weg dorthin ergoss sich Regen über mich aber ich stand das tapfer durch, in der Hoffnung, diese wunderbare Busenschönheit namens Conny uns wieder in ihrem roten großen Auto hinauf auf höchste Höhen (begrenzt auf 1200m) chauffieren würde.
Da ging schon die Pleite los.
Es war nicht die rassige Conny, sondern ein Mann aus Kamerun, Somalia oder dem Kongo, der den roten Höhenbus bediente.
Zuerst mussten Schüler von auswärts an die verschiedenen Schulen der Stadt verbracht werden, bis der Start nach oben hinauf begann.
Jetzt waren wir nur noch drei, ein Schwarzwälder aus Sachsen, genauer gesagt aus Dresden, ein Schwarzwälder aus dem Hotzenwald (das bin ich) und ein Schwarzwälder aus Schwarzafrika.
Der Fahrer aus dem fernen Erdteil sprach ein gutes Schwarzwälderdeutsch, während der Schwarzwälder aus Dresden erkennbar noch nicht Schwarzwälderisch gelernt hatte , obwohl er 30 Jahre zu Gast hier ansässig ist. Er lässt sich einfach nicht integrieren!
Unser Ziel war der Mummelsee. Zur Erklärung:
„Mummeln sind so was wie Nixen, die meist junge hübsche Männer in den See ziehen um die dort in 60m Tiefe vernaschen.“
Uns kann das leider nicht mehr passieren!
Wir Eingeborene nennen den Mummelsee den Rummelsee, weil dort alle Touristen hin geschippert werden, die uns Schwarzwälder besuchen.
Schnell gingen wir Richtung Seibelseckle, im Winter ein Skiparadies aber nun etwas für Freischwimmer.
Wir bogen ab Richtung Murgtal um die Darmstädter Hütte zu besuchen. Die Darmstädter Hütte liegt bereits auf Württembergischen Boden und man geht dort als Wanderer aus Baden kommend, gerne hin um Linsen mit Spätzle und Saitenwürste zu verdrücken. Das ist ein Schwäbisches Leibgericht für alle Tage.Vorher muss man aber durch ein gefährlich gurgelndes Hochmoor gehen, denn um umsonst gibt es nichts bei den Schwaben.
Mit einem solch gefüllten Magen stürzten wir uns in Richtung Ruhestein, um von dort nach einem Kaffeepäuschen in einen Bus zu setzen um gemütlich, vielleicht mit der Super Conny als Fahrerin den Heimweg anzutreten.
Hört sich ganz gut , wenn man durchnässt bis auf die Unterhosen (die kleben am Leibe)an der Bushaltestelle steht-oder?
Aber mein Dresdner Schwarzwälder , der sich immer für die Logistik zuständig fühlt und zu diesem Zwecke so ein gescheites Büchle mit allen Bus-und Bahnverbindungen mit sich führt, gesteht mir“ich habe mich vertan“, der Bus fährt erst in 2, 5 Stunden.
2, 5 Stunden in nassen Klamotten auf knapp unter 1000m bei Regen?
So entschlossen wir uns wie so oft einen „kleinen“steilen Abstieg zu wagen.
Fast 2 Stunden auf meist steinigen und rutschigen Pfaden abwärts Nach Ottenhöfen zum Bähnle?
Oha dachte ich und verfluchte im Stillen den Dresdnerschwarzwälder!
Nach einer Stunde begannen meine Oberschenkelmuskeln merkbar zu brennen an, nach der 2ten Stunde wusste ich nicht mehr ob ich Männle oder Weible war und erst dann auf der geraden Strecke zum Bahnhof konnten die Waden die Arbeit der Oberschenkelmuskulatur wieder übernehmen.
Der kleine Talexpress pfiff und wir konnten uns gerade noch einchecken. Im Zug aßen wir dann unsere Rucksackverpflegung auf und freuten uns auf eine warme Dusche.und die sicher liebevolle weibliche Pflege.
Mit Carlos wandern heißt, dass Freud und Leid meist inniglich verknüpft ist.
Carlos
Miau, miau. Ach das war nur der Muskelkater.