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Vom Wichteln und Weihnachtswundern

Von Feierabend-Mitglied Montag 16.12.2019, 03:13


Was einem nach einem Weihnachts-Wichteln
mit der FA Regionalgruppe so alles passieren
kann....

Am Samstag vor dem 3. Advent fand der Weihnachtsstammtisch
der Regionalgrupoe Odenwald statt.
Wie meist in den Wintermonaten trafen wir uns zum Mittagessen,
diesmal mit anschließendem Wichteln in einem Landgasthaus in
dem Örtchen Gersprenz an der Bundesstraße 38.

Wie jedes Jahr kamen alle bunten Päckchen in einen großen Sack,
jeder durfte eines herausnehmen und anschließend auspacken.
Der Würfel und die Stoppuhr entschieden darüber, wer sich was
erwichtelt hat. Irgendwann waren unsere gemeinsamen Stunden
zu Ende und wir verabschiedeten uns auf dem gegenüberliegenden
Parkplatz. Durch starke Regenfälle hatte sich auf der Wiese neben
den Parkplätzen ein See gebildet und ich machte noch Witze darüber, dass wir nun im Landgasthaus am See gefeiert haben. Davon wollte ich unbedingt noch ein paar Fotos schießen. Ich wäre besser gleich in mein Auto gestiegen und los gefahren.

Eigentlich hatte ich es eilig, denn ich war anschließend noch auf
der Geburtstagsfeier meiner Nichte eingeladen.
In meinem Kofferraum lag ein ganz besonderes Geschenk für sie,
welches ich extra im Internet bestellt hatte. Eine ganz besondere CD. Doch ich musste ja unbedingt noch die doofe Wasserwiese knipsen.

Als ich fertig damit war und zu meinem Auto ging, sah ich auf dem
Parkgelände einen künstlichen Tannenzweig mit Tannenzapfen und
aufgesprühtem Kunstschnee liegen.
Wie schade, dachte ich. Der war bestimmt als Deko an einem der
Weihnachtspäckchen angebracht und ging hier verloren.
Ich hob den Zweig auf und legte ihn in meinen Kofferraum. Dabei
nahm ich das kleine Geschenkpäckchen heraus um es mit nach vorne ins Auto zu nehmen. Dann ging ich beladen mit meiner Handtasche, einer Tragetasche mit meinem Wichtelpräsent,
in der Hand mein Handy, das Geburtstagspäckchen und meine
Autoschlüssel zur Fahrertür und öffnete diese, als ich hinter mir eine aufgeregte Stimme rufen hörte.
Die Wirtin des Gasthauses lief mit den Armen fuchtelnd
über den Parkplatz auf mich zu.

"Halt, halt, Sie können nicht einfach wegfahren. Sie haben aus unserer Weihnachtsdeko im Eingangsbereich einen Tannenzweig mitgenommen und in ihren Kofferraum gelegt. Das geht so nicht."
Verdutzt hielt ich inne und erklärte der Wirtin, dass ich diesen Zweig gerade auf dem Parkplatz gefunden habe und vermutete, er sei von einem meiner Stammtischleute verloren worden.
Darauf lenkte die Wirtin ein und erklärte, dass sie den Zweig vom
Fenster aus bereits vor einiger Zeit liegen habe sehen. Doch als sie
diesen holen wollte, zwischenzeitlich ein Auto darüber geparkt hatte.
Ich fühlte mich verwirrt, verletzt und ungerechtfertigt angegriffen.
Dennoch ging ich zu meinem Kofferraum um ihr das "Corpus Delicti" auszuhändigen.
Dabei muss ich, um die Hände frei zu bekommen, wohl in der ganzen Aufregung mein Handy sowie das Geschenk auf das Autodach gelegt haben. So schnell es nur ging stieg ich in mein Auto. Ich wollte nur noch fort von dem Ort, wo man einen Gast so
behandelt.

Auf der Fahrt grübelte ich über das Verhalten der Wirtin nach und
fand es einfach unmöglich. Außerdem hatte mich die Diskussion
zusätzliche Zeit gekostet.
Ich hatte versprochen spätestens um 15:30 Uhr bei der Kaffeetafel
einzutreffen. Nervös tastete ich in meiner Handtasche nach meinem Handy. Nur schnell über die Favoritentaste meine Tochter anwählen und über die Freisprechanlage bescheid sagen, dass es doch ein paar Minuten später wird. Nach und nach zog ich alle möglichen Dinge aus der Tasche, nur mein Handy tauchte nicht auf.

Wie ein Schock fuhr es mir durch die Glieder als mir bewusst wurde, dass ich irgendwas auf dem Autodach abgelegt hatte.
Da ich bereits eine Strecke von 6-7 Km zurückgelegt hatte war
mir klar, dass ich mich von meinem Handy verabschieden musste.
Bei der nächsten Gelegenheit hielt ich an und stieg aus um mein
leeres Autodach anzustarren. Ich sollte mich schwer irren.
Auf meinem Dach lag, welch großes Erstaunen mein Handy,
vollkommen unversehrt. Es kam mir wie ein Wunder vor.
Vor lauter Aufregung vergaß ich zu telefonieren und fuhr weiter.
Das Geburtstagsgeschenk hatte ich total vergessen, aber nach drei
weiteren Kilometern auf der B 38 fiel es mir mit Erschrecken wieder ein.
Ich versuchte mich selbst zu beruhigen. Vielleicht hatte ich das
Päckchen ja doch in der Aufregung wieder im Kofferraum abgelegt.
Verzweifelt suchte ich nach einer Haltemöglichkeit um mich zu
überzeugen. Endlich ein Feldweg auf dem ich halten konnte.
Nachdem ich das ganze Auto durchsucht hatte musste ich
akzeptieren, das Geschenk war weg.
Das war der Moment an dem mir die Tränen zu laufen begannen.
Wie sollte ich nun zum Geburtstag fahren? Zu spät und noch dazu
ohne Geschenk für das Kind.
Jedem anderen Kind hätte ich vielleicht noch irgendwo schnell
ein anderes Geschenk besorgen können. Doch meine Nichte
ist eine entzückende "Downie". Da gibt es halt bestimmte Dinge
die sie liebt und mit denen sie was anfangen kann.
Die findet man nicht schnell im Supermarkt.

Es kann mir wohl keiner nachfühlen wie traurig und zornig ich
zugleich war. Die Wirtin hatte mich so verwirrt, dass mir so ein
dummes Ungeschickt passieren konnte.

Plötzlich keimte ein Hoffnungsschimmer auf. Was wäre, wenn
mir die CD bereits auf dem Gaststätten Parkplatz verloren ging?
Vielleicht hatte ich ja noch eine Chance sie zu finden.
Ein Versuch war es wert.
Auf der ganzen Strecke zurück beobachtete ich die Straße und
den Straßengraben. Nichts war zu sehen.
Als ich wieder im Örtchen Gersprenz einfuhr, erkannte ich das
Geschenkpapier schon aus einiger Entfernung.
Nicht auf dem Parkplatz, sondern mitten auf der Bundesstraße
lag da mein Geschenk.
Ich fuhr rechts ran und wollte es von der Straße holen. Das war
unmöglich. Es kamen ungefähr 8-10 Fahrzeuge und ich musste
mit anschauen, wie alle mit dem Reifen mitten über das
Päckchen rollten. Laut hörte ich das Krachen der CD Hülle
und bei jedem mal zuckte ich vor Wut und Zorn zusammen.
Verzweifelt dachte ich daran, dass ja seit meiner Abfahrt bereits
mindestens 20 Minuten vergangen waren. Da konnte ich mir
gut vorstellen, wie viele Reifen da wohl darüber gerollt sind.
Endlich waren die Autos vorbei und ich hob das verunglückte
Päckchen von der Straße. Das Geschenkpapier war klatschnass,
der Inhalt fühlte sich zerdrückt und verschoben an.

Völlig aufgelöst trat ich erneut den Heimweg aus Gersprenz an.
Meine Tochter, mit der ich zwischenzeitlich telefoniert hatte,
versuchte mich zu beruhigen.

Auf der Geburtstagsfeier angekommen zeigte ich meiner Nichte
das kaputte Päckchen und versuchte ihr zu erklären, dass das
ein Auto kaputt gemacht hat und dass ich ihr ein neues Geschenk
kaufen werde. Sie lachte einfach nur und drückte mich ganz
lieb.

Mein Schwager nahm das Päcken mit in die Küche. Nach kurzer
Zeit kam er lachend und mit der CD in der Hand zurück.
Wir waren fassungslos. Die CD Hülle war in tausend Splitter
zerbrochen, aber die CD hatte nicht mal einen einzigen Kratzer
abbekommen.

Mein Handy kilometerweit auf dem Autodach und die tot
gefahrene CD vollkommen heil. Für mich waren das meine
persönlichen Weihnachts-Wunder.

Nur vom Landgasthaus in Gersprenz möchte ich mich in
Zukunft lieber fern halten. Das war mir doch etwas zu ungastlich.


© rela

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