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Verwunschener Ort - die Fortsetzung

Von ehemaliges Mitglied 10.06.2018, 12:23


2. Kapitel „Der Traum“

Nur ein Blitz, ein heftiger Schmerz und die tiefste Dunkelheit. Nicht grau, schattig. Nein, tief schwarz. So unergründlich tief, dass man es nicht mal beschreiben kann, sich nicht ausdenken traut. Genau, denken. Ohne denken bin ich also tot. Meine Gedanken bahnen sich mühevoll einen Weg durch die Dunkelheit. Gaaanz langsam. Anstrengend. Ich denke also lebe ich. Die Augenlider tonnenweise schwer. Ich höre leise sanfte Musik. Bin ich vielleicht im Himmel?
Mein Körper ist bleiern schwer. Ich spüre, wie diese schwere Last meinen Leib nach Unten drückt. Meine Finger und Zehen wie angekettet. Ich kann sie nicht bewegen. Immerhin kann ich wenigstens denken. Ja, aber grade dieser Umstand versetzt mich in Panik. Es ist mit mir etwas passiert, was ich nicht erklären oder verstehen kann. Das ist beängstigend. Und niemand kann mir helfen. Ich rufe ganz laut. Kein Laut verläßt meinen Mund. Meine Zunge kann ich nicht bewegen, auch meine Lippen nicht. So bleibt meine Stimme irgendwo stecken. Ich spüre in der Brust die Angst. Sie sitzt tief und will raus. Ist aber zu groß und irgendwie klemmt. Ich möchte sie los werden. Mit den Händen rauspressen, ausspucken. Es schmerzt höllisch. Ich kann meine Hände nicht bewegen. Nicht mal einen Finger. Vielleicht wenigsten den großen Zeh. Nur einmal hoch und runter, rechts und links. Meine Mühe ist vergeblich. Ich liege da, wie ein Zementsack und spüre selber diese erdrückende Last. Ja, jetzt ist mir bewußt. Ich liege im Sterben. Es mußte so sein. Darum kann ich nicht aufwachen.
Wieder ergreift mich die Panik und sorgt in meinem Kopf für einen Wirrwarr. Eins ist mir klar. Ich muss aufwachen, sonst ist es vorbei.
Und diese Hitze. Meine Kräfte schwinden. Ich mag nicht mehr zu kämpfen und alleine schaffe ich nicht mehr...
Oh, es tut so gut. Mein Gesicht wird schön feucht-kühl berührt. Ich erwache. Die Schwere zieht sich langsam zurück aus meinem Köper. Ja, jetzt spüre ich es. Ich habe zurück ins Leben geschafft. Jetzt kann ich sogar meine Hand hoch heben und mein Gesicht ertasten. Fühlt sich irgendwie haarig an. Bin ich schon alt geworden? Ich kann sogar meine Augen öffnen. Ganz leicht, ohne Mühe und blicke in zwei bernsteinfarbene Augen. Erkenne noch eine breite Nase und eine feuchtglänzende, langgestreckte Zunge. Aber warum diese zottelige Maske auf dem fremden Gesicht? Wo bin ich?
Und wieder der Schmerz raubt mir den Verstand. Wieder die Dunkelheit. Jetzt jedoch anders. Nicht gänzlich schwarz. Es sind auch Grautöne erkennbar. Ein Pfeifton bohrt mir fast die Löcher in meinen Ohren. Dann ein Bellen, ein Winseln und eine lange Stille. Ich schlage die Augen auf und schaue direkt in die Augen, dessen Farbe ich bis heute nicht beschreiben kann. Wieder ein zotteliger Gesicht. Diesmal ohne ausgestreckte Zunge. Eine weiche, gepflegte Hand streichelt meine Stirn. Das tut gut. Sogar die Schmerzen sind teilweise vergessen. Endlich jemand, der sich um mich kümmert. Ich bin erleichtert. Das ist meine Rettung.
He, was ist denn los. Ich schwebe? Ja, tatsächlich. Nein, nicht ganz. Ich werde getragen, wie ein heiliger Gral. Sanft, vorsichtig, wie eine Kostbarkeit. Ich spüre die Wärme, die von dem Riesen auf mich überstrahlt. Die Wärme seines Körpers. Auch seine Augen, seiner Lippen sehe ich ganz nah und deutlich. Entspannt schaue ich in den Himmel. Auch die Sonne ist zurückgekehrt. Noch nicht ganz so kräftig, wie manchmal, aber die Sonne bedeutet für mich das Leben. Ja, das Leben. Im Himmel, auf Erde? Egal. Ich möchte nur weiterhin so getragen werden, durch das ganze Leben.
Ein heftiger Schmerz bring meine Gedanken durcheinander. Meinem Mund entweicht ein unkontrollierter Schrei und mit ihm bricht aus meiner Brust auch die ganze Spannung aus.
Ich fühle eine selige Müdigkeit und akzeptiere diesen Zustand. Eine friedliche Wolke verdeckt die Sonne. Meine Augen sind schwer, aber ich bin furchtlos.
Jetzt bin ich sicher, nein, ich weiss es jetzt, so sehen die Engel aus.
Karola

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