Eine Zeitungsente, oder – ein Zwischenfall?
Von ehemaliges Mitglied Dienstag 24.04.2018, 13:40 – geändert Donnerstag 03.05.2018, 20:17
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Könnte real werden, oder hat sich wirklich so zugetragen?
Ich habe davon erst nach Wochen erfahren. Ist das noch relevant?
Ja, für mich ja. Auch, wenn die schrecklichen Nachrichten sich jagend durch die Presse surfen. Schnell und kurzlebig, bei der Fülle schwer überprüfbar. Was ist noch wahr, was stimmt überhaupt nicht?
Seit einiger Zeit habe ich mir vorgenommen sie zu ignorieren, mich psychisch zu erholen.
Und so kam es, dass ich diese Meldung verpasst habe. Zufall brachte mir die nicht mehr aktuelle Neue Westfälische in die Hände.
Und nun sitze ich in meinem Hängestuhl und lese. Lesen ist zu viel gesagt. Ich bin erschüttert und nach jeden Satz mache ich eine Pause, um Luft zu schnappen und zu reflektieren.
Unmittelbar in meiner Nähe ist etwas passiert, was mich die Fassung verlieren ließ. Das Gedruckte ist mir fremd, ich will das nicht wahrhaben, die Gefahr kommt mir zu nah und bis heute war sie mir nicht so deutlich und in seiner Nacktheit bedrohlich bewußt.
Ich merke, diese kurze Mitteilung, trocken und fast emotionslos geschrieben, hat in mir eine Spur hinterlassen, an der ich nicht vorbeikomme. Ich bin wie gelähmt. Dabei denke ich nicht an die Gefahr, der meine Familie ausgesetzt war, an die Nachbarschaft, Schulen, Kitas, Polizeibeamten. Nein, der Junge, etwa so alt wie mein Enkelkind, bereitet mir Sorgen.
Warum?
Was mußte passieren, dass ein Kind sich so weit wagt? Was hat es so verändert, auf diese schreckliche Idee gebracht? Hat er die Bedeutung und Gefahr seiner Tat verstanden, überblicken können, wenigstens teilweise?
Es musste doch einen Grund gegeben haben?
Und die Eltern, die Schule, die Gesellschaft?
Mir scheint, dass niemand sich für den Jungen interessiert hat.
Was wird aus ihm, wenn er als Teeneger der Welt begegnet, das Leben mit allen seinen Facetten kennenlernt?
Wäre diese Bombendrohung am 5. Oktober wahr, hätte ich noch hier sitzen können und diesen Zeitungsartikel lesen?
Das war kein Spitzbubenstreich. Nein, das war mehr.
Und wer trägt die Schuld? Die Medien, mit ihren täglich negativen Nachrichten, die unsere Sucht nach Sensationen und Emotionen zu stillen versuchen, die virtuelle Welt mit ihrer unverstandener, unrealistischer Art, die Eltern? Die Familie, die für das Kind keine Zeit hatte, sich dessen Sorgen ernst zu nehmen?
War es sein letzter Schrei, ein Hilferuf? Oder alles zusammen?
Und niemand hat es bemerkt, niemand hat es vermutet ...
War diese Aktion nötig, um uns wachzurütteln?
Karola