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UNHEIMLICHE BEGEGNUNG Teil 9

Von egalis Dienstag 12.05.2020, 11:18

Unterwegs fragen die Siebensöhne, was es denn bei ihr an Neuigkeiten gibt.
Patrizia zieht mit Daumen und Zeigefinger die Unterlippe nach vorn: "Hier guckt mal, ich habe mir einen Zahn rausgezogen! Das hat vielleicht geblutet!"
"Aubacke. Zeig mal,
zeig mal,
zeig mal,
zeig mal,
zeig mal,
zeig mal, ich will das auch sehen!"
Alle Siebensöhne stehen um Patrizia drumrum und besehen sich die Stelle, wo der Zahl gesessen hat.
„Cool“, sagt Albert. „Da kommt ja schon ein neuer!“
"Hast du den Zahn noch?", will Josef wissen.
"Ja klar, der ist in der Zahndose. Den hebe ich mir auf und die anderen" .., hört Patrizia plötzlich mitten im Satz auf zu reden und die Siebensöhne werden auch aufmerksam.
"Was ist das denn schon wieder für ein Geräusch?"
Klackklack, klackklackklack, klack, macht es. Dann ist es einen Moment ruhig und dann geht es wieder Klackklack, klackklackklack, klack klack.

"Los, das wollen wir sehen, was das ist!", Patrizia rennt schon los und die sieben Söhne hinterher.
Als sie um die Wegbiegung herum sind, ist das Klackklackklack ganz nah und sie sehen, wie gerade ein Feldstein nach dem anderen durch die Luft fliegt und mit einem Klack auf einem Steinhaufen landet. Jetzt können sie auch sehen, wer die Steine wirft: Es ist der kleine dicke Amelinke mit den langen Armen.

Als der die Kinder sieht, winkt er und sie laufen zu ihm und begrüßen ihn. Amelinke freut sich über den unerwarteten Besuch. "Seid ihr bei Osterhipps vorbeigekommen?", will er wissen. Er hat eine ganz tiefe Stimme, die aus seinem Bauch zu kommen scheint. "Ist der bald fertig mit der Bahn? Dann kann er mir nämlich weiterhelfen."
„Nee, der rupft noch“, meint Karlheinz. „Aber du sollst dran denken, dass ihr Morgen eine Schaufel mitnehmt zum Boden gerade machen“.

Amelinke will sich das merken und Friedrich treibt seine Schar nun an: „Los ihr Rabauken, Vater wartet mit den Nudeln! Wir müssen uns beeilen.“ Schnell verabschieden sie sich von Amelinke und ziehen los. Patrizia mittendrin, Benjamin vorneweg. Ganz hinten ist Friedrich. Er will seine Brüder und Patrizia im Auge behalten.
Sie haben die Lichtung überquert, wo die Siebensöhne sich vorhin ausruhten und Benjamin ist schon ein Stück vorausgelaufen, in die Tannenschonung hinein, die sie durchqueren müssen. „Fangt mich doch!“, ruft er und einen Moment später gibt es ein Mordsgeschrei, so dass alle erschreckt stehen bleiben, die Hälse recken und zu sehen versuchen, was geschehen ist.
„Uuuuääääärrrgggg“...., käseweiß im Gesicht und schreiend kommt Benjamin zurück, rennt zu Friedrich und wirft sich in dessen Arme:
„Ddddaa iiiiissss n n n Gespenst. Iiiich hhahahb n Gespenst gesehn“, schluchzt er und zittert am ganzen Körper. Er ist nicht zu beruhigen. Alle Brüder stehen um ihn herum, wollen wissen, wo genau er das Gespenst gesehen hat, wie es aussieht und ob es was von ihm wollte. Patrizia wartet die Antworten nicht ab, sie schleicht sich hinter den Brüdern lang in die Richtung, aus der Benjamin gerast kam.
Und dann hören die Siebensöhne plötzlich andere Geräusche. Es raschelt und tuschelt und da wedelt was Weißes zwischen den Büschen.
Die Siebensöhne bibbern vor Angst.
Und da kommen zwei Gestalten aus dem Weg, den Benjamin gelaufen ist und plötzlich hören die Siebensöhne Patrizia ganz schrecklich lachen und lachen und lachen und da kichert noch jemand. Die Siebensöhne blicken erstaunt in die Richtung. Sogar Benjamin hat für den Moment seinen Schrecken vergessen.
Was sehen sie?
Patrizia ist nicht alleine: Eine kleinere Ausgabe von ihr hüpft an ihrer Seite. „Ihr seid mir ja schöne Bangebüxen“, grinst Patrizia ihre Freunde an. „Das ist doch nur meine Schwester Corinna! Was Benjamin als Gespenst gesehen hat, ist ihr Schnuffeltuch! Hahahaha.“ - „Kicher, kicher“, das ist wieder Corinna.

Na, ein bisschen verschämt gucken die Jungs aus der Wäsche. Man kann ja schließlich nicht wissen, ob nicht doch mal ein Gespenst durch den Wald gespenstert oder?
Aber dann begrüßen sie Corinna und fragen sie, wieso sie allein hier herumstromert. „Ich wollte zu Patrizia und zu euch“, sagt sie und Osterhipps hat mir erzählt, dass ihr in diese Richtung laufen würdet.“
„Und wieso wedelst du denn so mit dem Schnuffeltuch herum?“, Benjamin kann immer noch nicht begreifen, dass ihn das so in Angst und Schrecken versetzt hat.
„Das muss immer mit“, erklärt Patrizia, „ohne will sie nicht.“ –
„Damit habe ich die Mücken verjagt“, verteidigt Corinna sich.
„Na gut. Nachdem das auch geklärt ist, können wir nun wohl endlich zu unseren Nudeln.“ Friedrich wird energisch.
„Darf ich denn mit?“ fragt Corinna ihn.
„Wir können dich wohl schlecht hier im Wald lassen oder? Und Vater hat bestimmt noch zwei Nudeln für dich übrig. Nun mal los mit uns.“

Der Vater von den Siebensöhnen steht schon an der Reling, als sie zum Haus kommen. Er hat wieder draußen den Tisch gedeckt. „Es ist so schönes Sommerwetter, da kann man nicht drinnen sitzen“, meint er. Und dass er dann weiter laufen muss um alles auf den Schiffsvorplatz zu bringen, das macht ihm nichts aus. „Ich habe ja sonst nichts zu tun“, lacht er.

Er freut sich, dass er endlich auch mal die kleinere Schwester von Patrizia kennen lernt und stellt noch schnell einen Teller zu den anderen.

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