Neu hier? Lies hier über unser Motto gemeinsam statt einsam.
Mitglied werden einloggen




Passwort vergessen?

0 1

Treppe der Hoffnung

Von tastifix Dienstag 08.04.2025, 08:39

Lisa betrat das Licht durchflutete Treppenhaus.
So sehr sie ihre bedrückende Gedanken belasteten, half ihr die Helligkeit, nicht doch in Panik zu verfallen.
„Ist es nur ein trügerischer Schein oder bedeutet es einen Wink des Schicksals?“
Höher und höher schraubte sich die Treppe. In das Hochhausdach weit über ihr war eine riesige Glaskuppel eingelassen, durch die die junge Frau den strahlend blauen Himmel betrachten onnte. Dieses Strahlen tröstete ihre verunsicherte Seele wie das herzliche Zuwendung eines vertrauten Menschen.
„Ach, wie schön war es doch damals!"
Die Erinnerung wärmte ihr Herz. Gleich schienen ihr die Treppe nicht mehr endlos und die Stufen weniger steil zu sein.

Lisa, die Besitzerin eines Buchgeschäftes und Georg, der Verleger, lernten sich während eines Literaturevents kennen. Ihre Augen trafen sich, er sprach sie an, sie führten eine interessante Diskussion über das vorgestellte Buch. Danach löste ein Thema das andere ab. Nach Ende der Veranstaltung bat der Verleger sie um ein Wiedersehen. Aus der Sympathie wurde Freundschaft und diese wandelte sich zur innigen Liebe. Sie wurden ein Paar und verlebten einige unbeschwerte Monate.
 
„Und dann wurde plötzlich alles anders, so schrecklich anders!"
Lisa verhielt einen Augenblick. Der Gedanke an das, was das Schicksal ihnen damals aufbürdete, drohte alles Positive in ihr zu verdrängen und sie nieder zu drücken. Georgs Verlag ging in den Konkurs, er selber stand hochverschuldet auf der Straße und Lisas Buchgeschäft hielt sich ebenfalls nicht länger. Die Konkurrenz erwies sich als zu mächtig. Für Beide stürzte eine Welt zusammen, zumal jegliche Versuche scheiterten, doch noch wieder in ihrer Branche Fuß zu fassen. Lisa und Georg verkrafteten diesen Schicksalsschlag nicht.Frustriert resignierten sie und strandeten als Obdachlose. Nach und nach verblasste die Hoffnung und verschwand endgültig, jenem entwürdigenden Leben irgendwann denn doch den Rücken zukehren zu können. Apathisch ertränkten sie ihre Verzweiflung in Alkohol.
Lisa überlief eine Gänsehaut:
„All jene Demütigungen, die die Sucht uns brachte bis hin fast zur Selbstaufgabe ...“

Jedoch hielt der Zug des Lebens für die Beiden noch eine Wende bereit. Georg lernte einen Leidensgenossen kennen. Jenem allerdings war das große Glück vergönnt, trotz der misslichen Lebensumstände noch wahre Freunde zu haben, wohlhabende Freunde, die alles daran setzten, ihn wieder von der Straße zu holen. In den Gesprächen mit jenem Mann erwachte Georg aus seiner Apathie und auch ihn drängte auf einmal der sehnliche Wunsch, dem Elend zu entkommen. Er versuchte den aufkommenden Mut, es anzugehen, auch Lisa zu vermitteln. Doch trotz der Liebe zu ihm fühlte sie sich zu ausgelaugt, zu schwach für einen solchen Kampf.
Bald darauf entschied sich Georg. gemeinsam mit seinem neuen Freund fortzugehen und den schwierigen Schitt zurück ins bürgerliche Leben auf sich neehmen.
„Ich will so nicht länger leben. Ich werde kämpfen!“, erklärte er Lisa.
Der Abschied zerriss ihrfast das Herz.
 
Die Monate verstrichen. Per Zufall erfuhr Lisa eines Tages von kameraden, - inzwischen war ein halbes Jahr vergangen- dass Georg wohl in der Nachbarstadt Fuß gefasst und dort eine eigene Wohnung bezogen hatte.
„Es kann also doch klappen ... Wenn man nur will!!“
Es rüttelte sie aus der Trostlosigkeit und brachte ihr für immer verloren geglaubte Energie zurück. Die sich ständig steigernde Sehnsucht nach dem geliebten Mann gab den Ausschlag. Sie suchte sich Unterstützung bei Treffen der anonymen Alkoholiker, verinnerlichte, welch Leid Andere gleich ihr ertragen mussten, schwor dem Alkohol ab, nahm offizielle Hilfe in Anspruch, fand eine winzige Wohnung und arbeitete als Putzfrau. Ja, der erste Schritt war gemeistert und ihr Selbstwertgefühl wuchs allmählich. Sie kündigte, bewarb sich mit Erfolg als Buchverkäuferin und fand fand einen neuen Freundeskreis.

Und die Sehnsucht nach Georg nagte immer drängender an ihr. Hartnäckig forschte sie nach und erfuhr tatsächlich seine Adresse. Nichts hielt sie mehr zurück. Diesmal lenkte nicht das Schicksal sie, sondern sie das Schicksal. Sie würde zu ihn aufsuchen. Die Ungewissheit, nicht zuwissen, was sie erwartete, hielt sie nicht mehr aus. Es war schlimmer als eventuell dann erfahren zu müssen, dass er sich vielleicht gänzlich innerlich von ihr gelöst haben könnte.
„Ich darf stolz auf mich sein! Ich habe die energie, es wirklich z utun!“
Beschwingt stieg sie die letzten Stufen bis zur fünften Etage hinauf. Dort stand sie vor seiner Wohnung und betrachtete das elegante Namensschild.
„Ja, Georg, Du hast es geschafft!“
Nach einem letzten kurzen Zögern drückte sie die Klingel. lauschte den sich nähernden vertrauten, so sehr geliebten Schritten und sehnte sich mit klopfendem Herzen der Sekunde entgegen, in der er ihr gegenüber stehen würde. So wie früher. So wie vor jetzt fast einem ganzen Jahr.
„Ob er mich noch will?“
Die Tür öffnete sich. Stumm sah Georg ihr in die Augen. Sein Blick verriet alles. ein Blick voller Zuneigung. Sämtliche Ängste sowohl alle Fragen, die sie beschäftigt hatten, waren unnötig gewesen. Sie war endlich zu Hause. Bei ihm. Niemand würde sie je wieder trennen.
 

Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten

Mitglieder > Mitgliedergruppen > Kreativ Schreiben > Forum > Treppe der Hoffnung