Träumerei
Von ehemaliges Mitglied Montag 07.08.2023, 08:52 – geändert Montag 07.08.2023, 21:06
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Zwischen den Feldern windet sich der Weg, wie eine riesige Schlange, die sich durch saftiges Gras schlängelt. Auf ihrem Rücken ein Wanderer. Sein Gesicht spiegelt nicht sichtbare Bilder gedanklicher Versunkenheit. Niemand könnte sagen, ob er der herrlichen Getreideköpfe gewahr wird, die zu seinen Schritten im Winde nicken, gerade so, als ob sie ihm ihre Zustimmung zu seinem Weg erteilten.
Ab und zu zieht ein Lächeln in die Mundwinkel des Wanderers, um für Momente dort zu bleiben. Seine Gesichtszüge scheinen für diese Augenblicke zu erwachen und ich wüsste gern seine Gedanken.
Ich beobachte ihn von oben und zoome mich hin und her. Wie der Blitz sause ich mit meinem Blick dem Wanderer weit voraus. So sehe ich lange vor ihm das Häuschen, welches hinter einem kleinen Hügel in der Ferne am Wege steht. Und ich gelange ebenso schnell durchs Fenster hinein. Fülle meine Nase mit dem Duft von frischem Kaffee und herrlichem Obstkuchen, um dann mit diesem Eindruck in Windeseile wieder beim Wanderer zu sein.
Begeistert von dem eben Erlebten flüstere ich ihm davon ins Ohr. Erzähle ihm von der kleinen Frau, die dort auf ihn wartet und immer wieder unruhig zum Fenster geht, ohne ihn entdecken zu können.
Ach, hätte sie doch meine Fähigkeiten, dann wüsste sie, wie nah er schon ist.
Fast glaube ich, er hätte meine Worte gehört, so abrupt bleibt er stehen. Doch er streicht sich übers Haar, nimmt eine kleine Schachtel aus der Tasche seiner Jacke und geht mit versunkenem Blick weiter. Die Schachtel liegt in seiner offenen rechten Hand und noch einmal bleibt er kurz stehen, um den Deckel zu öffnen. Auf rotem Samt liegt eine zarte goldene Brosche. Nur ein winziger roter Stein schmückt sie.
“Oh, Mutter, sie wird dir gefallen“, flüstert der Wanderer, klappt den Deckel wieder zu und steckt die Schachtel zurück in seine Jackentasche. Dann geht er mit einem Lächeln der Vorfreude und großen Schritten weiter.
Schade, dass ich aufgewacht bin. Ich hätte so gern gesehen, wie er in der Hütte angekommen ist.
Text Mali25
Bild Mali25